1. News
  2. Politik
  3. Deutschland

Pläne für die Zukunft: Die Grünen sind in einer schwierigen Situation

Pläne für die Zukunft : Die Grünen sind in einer schwierigen Situation

Während sich die Parteizentrale im Umbau befindet, sitzen die Grünen politisch in der Zwickmühle. Seit der klaren Ansage der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz für ein Linksbündnis in den Wahlkampf zu ziehen, wird es für die Grünen schwieriger, ihre Linie durchzuhalten, selbst keinerlei Koalitionspräferenzen erkennen zu lassen.

In der Parteizentrale der Grünen ist alles staubig, viele Wände sind eingerissen, überall hängen Leitungen von der Decke. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner trägt einen grünen Helm und einen schwarzen Mund-Nase-Schutz und genießt den symbolhaften Augenblick:  „Wir bauen erst das Haus um und danach das Land“, sagt er.

Die nur 1400 Quadratmeter große Parteizentrale platzt aus allen Nähten und passt schon lange nicht mehr zu einer Partei, die Kurs auf das Kanzleramt nimmt. Die Grünen sind den Umfragen zufolge mit 16 bis 21 Prozent seit Monaten die zweitstärkste politische Kraft im Land. In den vergangenen vier Jahren hat sich ihre Mitgliederzahl auf mehr als 100 000 nahezu verdoppelt.

Während sich die  Parteizentrale im Umbau befindet, sitzen die Grünen politisch in der Zwickmühle. Seit der klaren Ansage der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz für ein Linksbündnis in den Wahlkampf zu ziehen, wird es für die Grünen schwieriger, ihre Linie durchzuhalten, selbst keinerlei Koalitionspräferenzen erkennen zu lassen. Wollen sie auch das Linksbündnis mit einer Linkspartei, die außen-, verteidigungs- und finanzpolitisch mit bundesrepublikanischer Tradition brechen will, die Deutschlands internationale Verlässlichkeit über Bord werfen will? Wollen die Grünen ein solches Bündnis, das wenn überhaupt nur mit knapper Mehrheit regieren könnte, gar anführen? Und wer von den Parteichefs soll eigentlich als Nummer eins in den Wahlkampf ziehen – Annalena Baerbock oder Robert Habeck? Und setzen die Grünen tatsächlich auf Sieg? Die Grünen haben zwar viele zukunftsweisende Konzepte. Dennoch sind bei ihnen mehr Fragen offen als beantwortet. Die für den Wahlkampf zentrale Entscheidung, wer als Kanzlerkandidat antritt, soll erst in der ersten Jahreshälfte 2021 fallen.

Viel Potenzial für die Partei

Die Partei hat Wahlforschern zufolge ein erhebliches Potenzial. Die Hälfte der Bevölkerung kann sich vorstellen, grün zu wählen. Aber offenbar bekommen viele derer, die theoretisch ihr Kreuz bei den Grünen machen könnten, kurz vor den Wahlen kalte Füße. Die Grünen sind schon oft zwischen den Wahlen Umfragekönige gewesen und standen am Wahlabend ernüchtert da.

Ihre Stammwählerschaft  ist nicht so üppig. Sie dürfte bei den knapp neun Prozent liegen, die die Grünen bei der vergangenen Bundestagswahl erreicht haben. Alle anderen möglichen Wähler werden wahrscheinlich wissen wollen, ob sie mit einem Kreuz bei den Grünen eine schwarz-grüne Koalition oder ein Linksbündnis stützen. Sollte die Frage unbeantwortet bleiben, könnten sich die Mitte-Wähler, die auf einen Modernisierungskurs mit Augenmaß setzen, dann doch der Union zuwenden.

Steigende Mitgliederzahlen

Die Grünen haben trotz ihrer in der Corona-Krise zwischenzeitlich gesunkenen Umfragewerte gute Chancen, ihr zentrales Thema im Wahlkampf zu spielen: Wenn die Corona-Krise tatsächlich mit einem wirksamen Impfstoff bewältigt werden kann, dann werden auch die Klima-Fragen wieder in den Mittelpunkt rücken. Mit Hitzesommer, Waldbrandgefahr und Wasserknappheit ist der Klimawandel in den Alltag der Menschen vorgedrungen. Derweil kommt der Umbau der Parteizentrale voran. Die Grünen benötigen Schreibtische: Die Mitarbeiterzahl hat zugenommen und wird weiter steigen.

Die Stammbelegschaft bestehe eigentlich nur aus 65 Menschen, zur Hochzeit des Wahlkampfs wolle man aber 125 Leute beschäftigen, sagt Kellner. So soll der knapp bemessene Raum effektiver genutzt werden. Küchen werden in Büros verwandelt, Großraumbüros geschaffen und im Innenhof des früheren Mietshauses zwei neue Pavillons errichtet. Geheizt und gekühlt wird selbstverständlich voll ökologisch.