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Kommentar zum Düsseldorfer Rheinbad: Ein Mikrokosmos

Kommentar zum Düsseldorfer Rheinbad : Ein Mikrokosmos

Im Düsseldorfer Rheinbad ist es in den vergangenen Wochen wiederholt zu Tumulten gekommen. Ein Hort harmloser Vergnügungen waren Schwimmbäder allerdings noch nie, kommentiert Kirsten Bialdiga.

Schwimmbäder sind Spiegel der Gesellschaft. Alte und Junge treffen aufeinander, Arme und Reiche, Ausländer und Deutsche. Sie begegnen sich manchmal auf engstem Raum und mit den unterschiedlichsten Interessen. Manche wollen sich amüsieren, andere ausruhen, andere einfach nur schwimmen. Für Konfliktpotenzial ist also gesorgt.

Schwimmbäder zählen auch zu jenen immer rareren Orten, die jeder Bürger besuchen kann, weil die Eintrittspreise meist erschwinglich sind. Die im Alltag zunehmende Segregation ist dort aufgehoben, auch wenn es immer weniger Schwimmbäder gibt. Dass sich vor diesem Hintergrund Klagen über Aggressionen und alle Arten von Konflikten häufen, ist daher nicht erstaunlich.

Ein Hort harmloser Vergnügungen waren Schwimmbäder allerdings noch nie. Sexuelle Belästigungen oder Pöbeleien durch Betrunkene sind schon lange an der Tagesordnung.

Was am Freitag im Düsseldorfer Rheinbad geschehen ist, muss jetzt genau aufgearbeitet werden. Eine Ausweispflicht und Videoüberwachung als erste Maßnahmen erscheinen sinnvoll. So weiß der Betreiber, wer sich in seinem Schwimmbad aufhält. Auch Onlineverkäufe von Eintrittskarten können helfen, um Männer abzuschrecken, die unerkannt zum Randalieren kommen wollen. Ob weitere Konsequenzen erforderlich sind, wird die Analyse erweisen. Wenn das Schwimmbad ein Mikrokosmos der Gesellschaft ist, dann gelten dort selbstverständlich auch dieselben Gesetze. Jeder, der ein Schwimmbad aufsucht, muss sich sicher fühlen können – wie an jedem anderen öffentlichen Ort auch. Dies zu gewährleisten, dürfte in einem abgegrenzten Bereich wie einem Schwimmbad nicht allzu schwierig sein.