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Flut an der Ahr - Rätsel um Verbleib dramatischer Videos

Aufnahmen aus der Flutnacht : Offene Fragen zu den dramatischen Flut-Videos sollen geklärt werden

Zwei bisher unbekannte Videos aus der Flutnacht im Ahrtal haben die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss sichtlich bewegt. Lewentz ordnet nun die Aufklärung von Fragen zu den Aufnahmen an. Auch die CDU fordert mittlerweile den Rücktritt des Innenministers.

Es war für Politiker und Beobachter eine große Überraschung, als am Freitag bei der Sitzung des Untersuchungsausschusses erstmals von zwei Videos die Rede war, die das Ausmaß der Flutkatastrophe vom 14./15. Juli an der mittleren Ahr zeigten. Piloten eines Polizei-Hubschraubers hatten zwischen 22.15 und 22.30 Uhr sowie von 22.37 und 22.42 Uhr Aufnahmen gemacht, von deren Existenz bisher kaum einer wusste. Nun läuft die Suche nach den Antworten auf die Frage, warum diese Videos bislang selbst in höchsten politischen Kreisen unbekannt waren.

Innenminister Roger Lewentz (SPD), der in seiner Vernehmung am Freitagabend eigenen Angaben zufolge die Videos erstmals sah, habe am Samstagmorgen „sofort die Aufklärung offener Fragen dahingehend angeordnet, wann die Videos zu welchem Zeitpunkt wo vorlagen“. Das erklärte eine Sprecherin des Ministeriums am Montag auf GA-Anfrage. Einbezogen seien bei der Suche neben der Polizeiabteilung des Ministeriums auch das Polizeipräsidium Koblenz sowie das Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik, zu dem die Polizei-Hubschrauberstaffel gehöre.

Die Videos waren der Öffentlichkeit nicht zugänglich

Zweimal wurden die Videos am Freitag den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses in nicht-öffentlicher Sitzung gezeigt, einmal während der Vernehmung von Lewentz und einmal während jener des Beamten David Wincek aus dem polizeilichen Lagezentrum. Besucher und Berichterstatter hatten die Tribüne des Plenarsaals verlassen müssen, „weil Personen in Notsituationen zu sehen gewesen wären und Häuser identifiziert werden können“, wie der Untersuchungsausschussvorsitzende Martin Haller (SPD) sagte. Nun werde geprüft, ob die Videos auf eine für die Öffentlichkeit geeignete Fassung zusammengeschnitten werden könnten.

Tiefe Betroffenheit war nach der Vorführung zu bemerken. Dem Vernehmen nach sind auf den bedrückenden Filmen Menschen zu erkennen, die in den Wassermassen um ihr Leben kämpfen. Auch ein abtreibendes Auto mit eingeschalteten Scheibenwischern und Menschen, die mit Taschenlampen um Hilfe morsen, sollen zu sehen sein. Die Piloten drehten schließlich ab, weil sie den in Not geratenen Menschen keine Hoffnung machen wollten, gerettet werden zu können. Der Hubschrauber hatte halt keine Seilwinde.

Staatsanwaltschaft Koblenz ist an den Videos interessiert

Aus dem Lagezentrum war die Anregung an das Polizeipräsidium Koblenz gekommen, einen Helikopter „zur Aufklärung“ loszuschicken, wie Wincek am Freitag sagte. Die Videos hätten im Lagezentrum nicht vorgelegen, er wisse auch nicht, wo sie gelandet seien, so Wincek. Das Polizeipräsidium Koblenz, das den Hubschraubereinsatz beauftragt hatte, äußerte sich am Montag auf Fragen des GA nicht. Auch die Staatsanwaltschaft Koblenz, die unter anderem gegen Ex-Landrat Jürgen Pföhler ermittelt, interessiert sich dem Vernehmen nach für die Videos.

Nachdem am späten Freitagabend AfD-Fraktionschef Michael Frisch den Rücktritt von Lewentz verlangt hatte, gibt es inzwischen auch eine Rücktrittsforderung von CDU-Fraktionschef Christian Baldauf. Er sprach von „Organisationsversagen“ des Ministeriums und nachgeordneter Behörden.