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Impfen in NRW: Kassierer, Polizei und Co. - Priorisierungsgruppe 3 freigegeben

Start für Priorisierungsgruppe 3 : NRW impft ab heute auch Lehrer und Kassierer

Das Impftempo in Nordrhein-Westfalen legt zu. Weitere Berufsgruppen bekommen ein Impfangebot. In den Hausarztpraxen endet bald die Priorisierung. Auch in sozialen Brennpunkten wird verstärkt geimpft.

Die Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen gewinnt an Fahrt. Schon ab diesem Donnerstag dürfen sich weitere Berufsgruppen von der Kassiererin im Lebensmitteleinzelhandel bis zu Lehrkräften an weiterführenden Schulen einen Impftermin holen. Die Priorisierungsgruppe 3 werde geöffnet, hatte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf angekündigt. In den Hausarztpraxen soll die Impfreihenfolge Anfang Juni aufgehoben werden. Noch sei der Impfstoff aber knapp, deshalb müsse es im Mai noch eine Priorisierung geben.

Berufsgruppen: Termine können von Impfwilligen vereinbart werden, die im Lebensmitteleinzelhandel (etwa 320.000 Menschen), in der Justiz, der Steuerfahndung (750) oder an weiterführenden Schulen (150.000) beschäftigt sind. Das Gleiche gilt auch für Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren sowie für Eltern schwer chronisch kranker Minderjähriger, die selbst nicht geimpft werden können. Ab der zweiten Maihälfte können Beschäftigte der Polizei, der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr sowie des Katastrophenschutzes einen Termin im Impfzentrum vereinbaren.

Altersgruppe 60-69: In den Impfzentren wird es zunächst kein Angebot für über 60-Jährige geben, obwohl sie auch in der Prioritätsgruppe 3 sind. Sie könnten sich aber in den Arztpraxen mit Astrazeneca impfen lassen. Damit hätten sie einen guten Zugang zu einem wirksamen und für die Altersgruppe geeigneten Impfstoff, so Laumann. Der Gesundheitsminister will sich von seinem Hausarzt bald mit Astrazeneca impfen lassen. Er selbst sei 63 und damit „auch der passende Kandidat für diesen Impfstoff“. Den Hausärzten würden nun sehr viele Dosen Astrazeneca zur Verfügung gestellt, sagte Laumann. In den Impfzentren werde es zunächst kein Angebot für über 60-Jährige außerhalb spezieller Berufsgruppen geben.

Arztpraxen: Die Impfreihenfolge in den Arztpraxen in NRW soll Anfang Juni enden. Voraussichtlich ab dem 7. Juni würden die Betriebsärzte in die Impfkampagne einbezogen, sagte Laumann. Spätestens ab diesem Zeitpunkt falle dann die Priorisierung in den Arztpraxen. Die Anzahl der Impfdosen in den Arztpraxen werde sich deutlich erhöhen. Allein die Zahl der Biontech-Impfdosen werde sich gegenüber Mai verdoppeln. Aber auch die Impfzentren würden noch gebraucht. Ihre Finanzierung sei bis einschließlich September gesichert.

Astrazeneca: Dass Menschen über 60 andere Impfstoffe wie Biontech erst mal Jüngeren überlassen sollen, nannte Laumann eine Frage der Solidarität. Er hält es zudem für sinnvoll, das Impfintervall bei Astrazeneca von zwölf auf neun Wochen zu verkürzen, um die Akzeptanz dieses Impfstoffs weiter zu erhöhen. Viele Menschen wollten vor dem Urlaub auch vollständig geimpft sein. Beim Impfstoff Astrazeneca hält sich NRW zwar offiziell an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), den Wirkstoff nur an Menschen über 60 Jahre zu verabreichen. Aber auch jüngere Menschen können Astrazeneca bekommen, wenn der Arzt das für vertretbar hält.

Soziale Brennpunkte: Für benachteiligte Stadtteile will das Land den Kommunen rund 100.000 Impfdosen bereitstellen, davon 70.000 des Impfstoffes von Johnson & Johnson, der nur einmal geimpft werden muss. Damit sollen Kampagnen wie in Köln-Chorweiler unterstützt werden, wo die Infektionsraten hoch sind. Auch in Ballungszentren des Ruhrgebietes vermutet Laumann Bedarf.

Tourismus: Anders als etwa in Niedersachsen oder Bayern gibt es für Urlaub in NRW noch keine konkrete Öffnungsperspektive für Pfingsten (23. Mai). Darüber werde „zum passenden Zeitpunkt“ in der Landesregierung gesprochen, sagte Laumann. „Wenn ich die Zahlen in den Krankenhäusern anschaue, ist mir der Kopf noch nicht besonders nach Öffnungen.“ Er halte Lockerungen im Tourismus „zur Zeit nicht für richtig“. Aber es sei ja auch noch nicht Pfingsten. Man müsse sehen, wie sich die Corona-Infektionszahlen bis dahin entwickelten. Bayern etwa will an Pfingsten Hotels, Ferienwohnungen oder Campingplätze unter strengen Bedingungen wieder öffnen.

Gastronomie: Kommunen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 können nach Angaben Laumanns die Außengastronomie schon jetzt öffnen. Wenn eine Kommune, die beispielsweise bei einer Inzidenz von 70 liege, die Außengastronomie öffnen wolle, könne das die Kreisverwaltung oder Stadtverwaltung entscheiden. Die Landesregierung werde aber noch entscheiden, welche Regelungen landesweit ab dem 15. Mai in Kommunen unter einer Inzidenz von 100 gelten sollen. Laumann verwies daneben auch auf die kommunalen Modellprojekte für Öffnungen, die bisher noch nicht hätten starten können. Auch das werde jetzt alles mit Inzidenzen unter 100 kommen.

Flüchtlingsunterkünfte: Bis Ende Mai soll den Bewohnern von Flüchtlingsheimen in NRW ein Impfangebot gemacht werden, wie aus dem Impferlass der Landesregierung hervorgeht. Die Städte und Kreise sollen sich dafür aus den „bereits zugewiesenen Impfstoffkontingenten“ bedienen. „Sofern vorhanden, können hierzu auch Restmengen des Impfstoffs der Firma Johnson & Johnson verwendet werden“. Für die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes stünden gesonderte Impfstoffmengen zur Verfügung.

Infektions- und Impfgeschehen: In NRW sind nach Zahlen des Robert Koch-Instituts inzwischen 31 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona geimpft worden. Vollständig geimpft sind in NRW allerdings erst 7,9 Prozent. Das sind rund 1,4 Millionen von insgesamt fast sieben Millionen Geimpften im einwohnerstärksten Bundesland.

Wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist oder bereits erkrankt war, profitiert in NRW schon von ersten Erleichterungen. Etwa im Einzelhandel müssen Geimpfte und Genesene seit Montag keinen negativen Schnelltest mehr vorweisen. Damit hatte NRW wie andere Bundesländer nicht auf den Bund gewartet, sondern schon vorher erste Lockerungen erlaubt. Für den Fall von Kontrollen empfiehlt Laumann, den Impfpass mit sich zu führen.

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(dpa)