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Wegen der Corona-Krise: Joachim Stamp für Absage sämtlicher Karnevalsumzüge

Wegen der Corona-Krise : Joachim Stamp für Absage sämtlicher Karnevalsumzüge

Joachim Stamp hat sich dafür ausgesprochen, alle Karnevalsumzüge in der kommenden Session abzusagen. Ausgelassenes Feiern sei angesichts der derzeitigen Lage nicht möglich, meinte der stellvertretende Ministerpräsident.

Der nordrhein-westfälische FDP-Chef und stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp hat sich dafür ausgesprochen, alle Karnevalsumzüge der kommenden Session abzusagen. Dies müsse auch für größere Sitzungen gelten, sagte Stamp am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

„Karneval lebt von Unbeschwertheit und auch Nähe. Ausgelassenes Feiern ist in der derzeitigen Lage allerdings nicht möglich, unterstrich der FDP-Politiker, der in NRW auch Familienminister ist.

Deshalb sollten sich alle zum Schutz des Brauchtums und der vielen ehrenamtlichen Aktiven „ehrlich machen“, Planungssicherheit schaffen und die großen Veranstaltungen absagen, forderte Stamp. „So sehr mein Karnevalsherz blutet“, fügte der 50-Jährige hinzu.

Kleine, kreative Veranstaltungen, bei denen Kontakte nachverfolgt werden könnten, seien dagegen „wohl möglich“, meinte Stamp. „Vielleicht erleben wir ein echtes Revival der Büttenrede.“ Viele Vereine hätten bereits neue Formate in Planung. „Aber Singen, Schunkeln, Bützen - alles, was zur traditionellen Sitzung und den Umzügen dazugehört ist in dieser Session völlig unrealistisch.“

In den Karnevalshochburgen wird seit Wochen kontrovers diskutiert, ob die närrischen Tage coronabedingt ausfallen müssen oder nicht. In Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen wurde eine Art Leitfaden erarbeitet, an dem sich feiernde Karnevalisten orientieren sollen. Die Landesregierung soll diese Empfehlungen nun prüfen. Von einer kompletten Absage halten die meisten Karnevalsaktivisten nichts.

Eine große Kölner Karnevalsgesellschaft hat unterdessen ihre Teilnahme am Rosenmontagszug bereits abgesagt. „Es gibt derzeit keine hundertprozentige Planungssicherheit“, sagte Marc Doppelfeld, Geschäftsführer der Großen Mülheimer Karnevals-Gesellschaft, am Freitag. „Das war der Grund, warum wir gesagt haben: Okay, wir gehen dieses finanzielle Risiko nicht ein und setzten nächstes Jahr mal aus.“ Dabei habe man neben den Finanzen auch die Gesundheit der Mitglieder im Blick. „Wir ernten dafür nur Zuspruch“, sagte Doppelfeld.

Der Leiter des Rosenmontagszugs, Holger Kirsch, teilte mit, das Festkomitee Kölner Karneval habe allen Gesellschaften schon vor Monaten geraten, ihre finanzielle Situation genau zu prüfen, weil die nächste Session eine extreme Belastung werden könne. Dass einige Gesellschaften überlegten, 2021 die Teilnahme am Zoch auszusetzen, sei „völlig verständlich“.

Das Festkomitee arbeite derzeit an verschiedenen Varianten, „aber bis zum Zug sind es noch sechs Monate, und das aktuelle Geschehen holt uns immer wieder ein“, sagte Kirsch, bevor die Forderung Stamps bekannt wurde. Die verbindlichen Vertragstage für die Zugteilnahme fänden erst im November statt. „Bis dahin hat jede Gesellschaft noch Zeit, ihre Teilnahme zu überdenken.“

(dpa)