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Kramp-Karrenbauer: Bundeswehr will Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz

„Kitt“ in schwierigen Zeiten : Kramp-Karrenbauer wirbt für neuen Heimatschutz-Freiwilligendienst

Der Bundeswehr fehlt es an Nachwuchs. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer versucht nun, mit einem neuen freiwilligen Wehrdienst Lücken zu schließen. Ab April 2021 sollen 1000 junge Rekruten die Heimat schützen.

Schneesturm, Borkenkäfer, Gesundheitsschutz in Zeiten der Pandemie: Das sind einige der Einsatzszenarien, die Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) für den neuen freiwilligen Wehrdienst zum Schutz der Heimat vorschweben. Ein Angebot soll das sein, eine Chance vor allem für junge Leute „mit Affinität für die Bundeswehr“, sagt die Verteidigungsministerin, als sie am Donnerstag das Konzept in Berlin vorstellt. Von dem Dienst verspricht sich das Ministerium offenbar ziemlich viel, es soll gleich mehrere Lücken auf einmal füllen. Eine davon ist das von Kramp-Karrenbauer ins Spiel gebrachte allgemeine Dienstpflichtjahr. Dieses ist auf Eis gelegt – allerdings auf baldige Wiedervorlage. Jetzt setzt die Verteidigungsministerin aber erst einmal auf weitere Freiwilligkeit.

Zum einen macht man sich im Verteidigungsministerium Sorgen darüber, dass junge Menschen sich zunächst grundsätzlich für die Bundeswehr interessieren und sich dann doch gegen einen Wehrdienst entscheiden. „Uns gehen Bewerber verloren“, sagt Peter Tauber (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium. Und zwar, weil sie keine Lust auf Auslandseinsätze hätten. Manchen sei auch die Dienstzeit zu lang. Der bestehende Freiwilligendienst dauert bis zu 23 Monate.

Die Lösung des Ministeriums: Ein einjähriger freiwilliger militärischer Dienst mit dem Schwerpunkt Heimatschutz für Frauen und Männer. Keine Einsätze in Mali, Afghanistan und im Irak, sondern eine „Spezialausbildung Heimatschutz“ in Berlin, Delmenhorst oder Wildflecken (Rhön).

Auf eine siebenmonatige militärische Grundausbildung folgt ein fünfmonatiger Reservistendienst, der auf sechs Jahre verteilt wird. 1000 neue Rekruten will die Bundeswehr dafür gewinnen. Die ersten von ihnen sollen schon im April 2021 mit der Ausbildung beginnen. Bewerbungen sollen schon ab Anfang September 2020 möglich sein.

Die zweite Lücke, die der neue freiwillige Dienst schließen soll, ist der fehlende gesellschaftliche „Kitt“ – eine in jüngster Zeit häufig bemühte Formulierung, um Zusammenhalt anzumahnen. Es gebe derzeit eine Diskussion da­rüber, was die Gesellschaft zusammenhalte, sagt Kramp-Karrenbauer bei der Vorstellung des „Jahres für Deutschland“. In schwierigen Zeiten brauche man diesen „Kitt“. Der Dienst habe einen gesellschaftspolitischen Charakter.

Kramp-Karrenbauer: Bundeswehr will Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz
Foto: Grafik GA

Aus diesem Grund gab es an dem Konzept der Verteidigungsministerin scharfe Kritik, noch bevor sie ihr Modell überhaupt vorstellen konnte. Denn die Wohlfahrtsverbände in Deutschland finden: Diese Rolle des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch Engagement erfüllen sie eigentlich schon selbst. Das Ministerium macht den Verbänden aus ihrer Sicht Konkurrenz. Caritas-Präsident Peter Neher zum Beispiel hat den neuen Dienst infrage gestellt. 

„Bei allem Respekt vor neuen Ideen und vor dem Schutz der Heimat sollten wir nicht vergessen, dass es bereits gute Angebote gibt, sich im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts einzubringen“, sagte Neher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dazu gehörten das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr, der Bundesfreiwilligendienst und das Programm „weltwärts“ für Einsätze im Ausland. Diese Kritik wies Kramp-Karrenbauer zurück. Man spreche junge Menschen an, die sich ohnehin schon für die Bundeswehr interessieren würden.

Die neuen Rekruten sollen zudem eine weitere Lücke schließen, die während der Corona-Pandemie sichtbar wurde. Die Bundeswehr wurde zur Eindämmung der Pandemie etwa beim Verteilen von Masken oder im Sanitätsdienst eingesetzt. Man habe Glück gehabt, dass die Corona-Krise nicht mit einem größeren internationalen Engagement der Bundeswehr zusammengetroffen sei, sagt Kramp-Karrenbauer. Die 1000 Rekruten sollen also auch an dieser „Front“ helfen. Ihr Lohn dafür sind 1550 Euro brutto monatlich, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Die Reservisten erhalten darüber hi­naus für jeden aktiven Reservistentag mindestens 87 Euro. Und sie schließen eine weitere Lücke. „Es ist kein Geheimnis, dass mir die Themen Wehr- und Dienstpflicht am Herzen liegen“, sagt Kramp-Karrenbauer. Spätestens beim CDU-Parteitag im Dezember wird sie wissen, wie ihre Partei dazu steht. Neun Landesverbände haben sich bereits offen für die allgemeine Dienstpflicht ausgesprochen, doch die Entscheidung steht längst nicht fest.

Ein bisschen gesellschaftlichen „Kitt“ gibt es bis dahin mit dem „Jahr für Deutschland“ – freiwillig.