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Kommentar zu den Abgastests der Autoindustrie: Ohne jeden Skrupel

Kommentar zu den Abgastests der Autoindustrie : Ohne jeden Skrupel

Um zu zeigen, wie unschädlich Diesel angeblich sind, soll eine Lobby-Gruppe deutscher Autobauer Affen und Menschen gezielt Schadstoffen ausgesetzt haben. Geht's noch? Die Abgastests sprengen alle Vorstellungen, findet unser Autor.

Wie war das noch mit den drei Affen? Nichts hören, nichts sehen, nichts wissen. In diesem Fall sind es die drei Autokonzerne VW, Daimler und BMW, die zum Nachweis der Umweltverträglichkeit ihrer Pkw-Dieselflotte Tests mit Affen durchführen ließen. Dass der Lobbyverein mehrerer Autokonzerne in den Jahren zuvor auch eine Studie finanzierte, welche die Auswirkung von Stickstoffdioxid auch auf Menschen (am Arbeitsplatz) untersuchte, passt ins Bild, wenn auch angeblich nicht direkt zur aktuellen Abgastestdebatte.

Man reibt sich gleichwohl die Augen. Geht's noch? Versuche an Affen, ohne Skrupel – die Abgastests der Autoindustrie sprengen tatsächlich alle Vorstellungen. Die Öffentlichkeit sollte davon, genau: nichts hören, nichts sehen, nichts wissen – und nur das erfahren, was gut für das Image der Autokonzerne ist: der Diesel als gesundheitsunbedenklicher Selbstzünder.

Man ahnt das Muster schon voraus: Wieder wird die Chefetage der Autokonzerne völlig ahnungslos gewesen sein, was die mittlere Managementebene angeordnet hat. Den Affen führten die Tester im Labor zur Ablenkung Cartoons vor Augen, während sie eingesperrt in Glaskästen Dieselabgase einatmeten.

Die Branche, die ohnehin einen höchst zweifelhaften Ruf genießt, erinnert mit den Abgastests an Affen und Menschen auch noch an einen historisch höchst belasteten Teil deutscher Geschichte.

VW scheint aus dem Dieselskandal rein gar nichts gelernt zu haben. Wiedergutmachung? Der VW-Konzern entschuldigt „für das Fehlverhalten Einzelner“. Tatsächlich zeugen die Abgastests von einer total verlotterten Auffassung einer gesamten Branche von Ethik und Moral. Das Autoland Deutschland hat leider allen Grund, sich zu schämen: für Konzernlenker, die einen Verfall der Sitten in ihren Unternehmen dulden oder einen solchen durch Unterlassen mindestens hinnehmen. Keiner war es gewesen. Ein Lobbyverband, der sich inzwischen aufgelöst ist, hat die Tests in Auftrag gegeben. Tierquälerei? Nicht, wenn wir es gewusst hätten.

VW, BMW oder Daimler werden ihre Umweltstandards erst heben und alle Nebengeräusche erst abstellen, wenn die Kunden wegbleiben. Das einzig echte Druckmittel, das die Autochefs verstehen: sinkende Verkaufszahlen. Allerdings wäre nicht verwunderlich, wenn herauskäme, dass auch andere Autokonzerne mit absonderlichen Tests und Tricks an einem sauberen Image arbeiteten.

Die einstige deutsche Vorzeigebranche hat sich längst tiefschwarz mit Dieselruß beschmutzt. Aufklären wollen VW und Co. nur so weit, solange es nicht weh tut. In diesem Jahr kann eine neue Bundesregierung die Autobosse bald auf ihr angekündigtes Saubermann-Image testen. Rüsten die Konzerne ihre Diesel-Flotte ausreichend nach oder nicht? Sonst drohen in Kommunen bald Fahrverbote.