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Region: Wann sich das Wasser an welcher Stelle befand

Flut und Pegelmessungen : Wann sich das Wasser an welcher Stelle befand

Während des Starkregens, dessen Fluten die Region vielerorts verwüsteten, waren einige Pegelmessstellen im Hochwassergebiet kaputt oder überfordert. Wann sich das Wasser an welcher Stelle befand, erklären Experten.

Viele Pegelmessstellen im Hochwassergebiet der Region haben am Starkregentag (Mittwoch, 14. Juli) ihren Dienst quittiert. Denn für solche Extremwerte waren sie nicht ausgelegt. Beispiel: Steinbach. Dort regnete es im Verlaufe des Tages 178 Liter pro Quadratmeter. Die Folge: Die Talsperre lief über, verstopfte den Notauslass und wurde an der Dammaußenseite beschädigt. Ab 11 Uhr stieg der Pegel der Steinbach bei Arloff rasch und kontinuierlich an, und zwar von 38 Zentimetern auf über 1,80 Meter. Dieser letzte gemessene Wert war um 20 Uhr erreicht. Dann versagte der Pegel.

Die Steinbach mündet in den Orbach und das Wasser fließt dann über Swist und Erft in den Rhein. Die nächste Pegelstelle in der Swist bei Morenhoven verzeichnete den starken Anstieg ab etwa 13 Uhr. Wenn man von einer Fließgeschwindigkeit von acht bis zehn Stundenkilometern ausgeht, ist das erklärlich, denn von Arloff nach Morenhoven sind es 16 Kilometer Luftlinie. In dem Swisttaler Ort ist der Scheitel der Welle etwa am Donnerstag, zwischen 6 und 8 Uhr früh, erreicht, wobei nicht ganz klar ist, ob die tatsächliche Höhe nicht über die Messwerte hinausging, weil der Pegel einfach nicht in der Lage war, das zu dokumentieren. Erst ab Mittag flachte der Wasserstand wieder ab. 18 Kilometer weiter, in Bliesheim, war die Scheitelwelle am Donnerstag um 10 Uhr erreicht. Nach grober Schätzung der Experten hätte die Flutwelle im Falle eines Dammbruches an der Steinbachtalsperre die Stadt Rheinbach nach einer Stunde erreicht, Heimerzheim nach zwei Stunden und Erftstadt nach vier Stunden. Die Prognose hat allerdings viele Unbekannte, so dass es sich nur um Näherungswerte handelt. Dadurch, dass das Starkregengebiet stundenlang über der Region festhing, ist auch an vielen Stellen gleichzeitig viel Wasser heruntergekommen, so dass der Zustrom des Oberflächenwassers die Flüsse von allen Seiten gleichzeitig gefüllt hat.

Auch die Pegelmessung der Ahr in der Altenahr war am Mittwoch gegen 20 Uhr nicht mehr funktionstüchtig. Die bereinigte Kurve zeigt einen Anstieg ab etwa 14 Uhr von einem Wert knapp unter einem Meter bis zur Scheitelwelle von etwa sechs Metern in den frühen Morgenstunden. Dateninformatiker Thomas Strub hat die Hochwassersituation an der Ahr genau analysiert und vorsichtige erste Bewertungen vorgenommen. Demnach dürfte das jetzige Hochwasser die Marken vom bisherigen Höchstand vom 13. Juni 1910 übertroffen haben. Er spricht von einem plausiblen Höchstpegelstand in Altenahr von 5,74 Metern, während die Schätzungen des Landes einen Wert nahe sieben Metern für möglich halten. Strub hat für 2021 einen Wasserabfluss von 550 Kubikmetern pro Sekunde errechnet, während es bei dem 1910er Hochwasser 496 Kubikmeter pro Sekunde gewesen sein sollen. Er schätzt, dass das Hochwasser von 1804 nochmal 2,5-mal so hoch war.