Zwei-Staaten-Lösung für Frieden in Nahost Rheinische Kirche für Anerkennung Palästinas

Bad Neuenahr-Ahrweiler · Nach den sechstägigen Beratungen des Parlaments der zweitgrößten Landeskirche sieht die Synode eine Zwei-Staaten-Lösung als einzige Möglichkeit für eine dauerhafte Friedenslösung in Nahost. Auch ist entschieden worden, dass staatlich eingetragenen Lebenspartnerschaften auch kirchlich getraut werden können.

 Unterstützt den Vorstoß der Synode: Der jüdische Wissenschaftler David Elcott.

Unterstützt den Vorstoß der Synode: Der jüdische Wissenschaftler David Elcott.

Foto: Martin Gausmann

Professor David Elcott, einer der bekanntesten jüdischen Religionswissenschaftler in den USA, ist eigens aus New York zur Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland angereist, um vor den am Freitag nach sechstägiger Dauer zu Ende gehenden Beratungen des Parlaments der zweitgrößten Landeskirche über eine "außergewöhnliche Herausforderung" zu sprechen:

Die rheinische Kirche, die 1980 mit ihrem Beschluss über ein neues christlich-jüdisches Verhältnis protestantische Kirchengeschichte geschrieben hat, setzt sich nun für die Anerkennung Palästinas als selbstständiger Staat durch die Bundesregierung ein.

Elcott, dessen Vorfahren aus dem Rheinland stammen, plädierte mit großem Nachdruck für die Zwei-Staaten-Lösung und bezeichnete den Vorstoß der Landessynode als "Anfang und noch nicht das Ziel": "Ich möchte Sie aber ausdrücklich ermutigen, ziehen Sie los, predigen Sie, unterrichten Sie, unterstützen Sie die friedlichen, demokratischen Bemühungen von Israelis und Palästinensern."

Die für Ökumene zuständige Oberkirchenrätin Barbara Rudolph machte deutlich, dass man von verschiedener Seite in Israel und Palästina aufgefordert worden sei: "Lasst uns in unserem Leid nicht allein."

Zwei-Staaten-Lösung ist umstritten

Die Zwei-Staaten-Lösung ist nicht nur in Israel, sondern auch unter Christen und Juden in Deutschland umstritten. Aber die rheinische Synode sieht in ihr die einzige Möglichkeit für einen dauerhaften Frieden zwischen Juden und Palästinensern. Der Bonner Landessynodale Siegfried Eckert forderte, im kommenden Jahr ein klares Votum gegen die Judenmission abzugeben. Eckert ist einer der Vorsitzenden der Bonner Gesellschaft für Christliche-Jüdische Zusammenarbeit.

Mit wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen wurde der Vorschlag der Kirchenleitung angenommen, unter anderem auf die Bundesregierung einzuwirken, sich für eine Zwei-Staaten-Lösung einzusetzen. Zugleich machte die Landessynode deutlich, dass sie nun keineswegs Außenpolitik betreibe.

Ihr gehe es ausschließlich um das gleichberechtigte staatliche Existenzrecht von Juden und Palästinensern. Professor Elcott würdigte in seiner Rede den Einsatz der Deutschen und der Kirchen für das Existenzrecht Israels. Allerdings sei man auch verpflichtet, "wachsam bei Vorurteilen und bei Ungerechtigkeiten gegenüber einem unterdrückten Volk" (gemeint sind die Palästinenser) zu sein. Nun ist man gespannt, ob der rheinische Synodenbeschluss bei den Politikern in Berlin Wirkung zeigt.

Kirchliche Trauung für staatlich eingetragenen Lebenspartnerschaften?

Das zweite zentrale Thema der Synodalberatungen am vorletzten Tag war die Frage, ob künftig in der rheinischen Kirche staatlich eingetragenen Lebenspartnerschaften die kirchliche Trauung ermöglicht werden soll.

Seit dem Jahr 2000 ist eine gottesdienstliche Segnung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften möglich, die aber keine Amtshandlung ist und auch nicht in die Kirchenbücher eingetragen wird. Nach einer sehr ausführlichen, teilweise kontroversen Diskussion zeichnet sich für die endgültige Entscheidung am Freitag eine große Zustimmung ab:

Eingetragene Lebenspartnerschaften, in denen wenigstens ein Mitglied evangelisch ist, können künftig auch kirchlich getraut werden. Lehnt eine Pfarrerin oder ein Pfarrer aus Gewissensgründen eine solche Amtshandlung ab, da er theologische Gründe ins Feld führt, muss der Superintendent eine andere Pfarrerin oder einen anderen Pfarrer benennen, der die Trauung durchführt.

Künftig wird die Leitung der rheinischen Kirche nur noch vier statt fünf hauptamtliche Theologen haben. Das beschloss die Landessynode mit sieben Gegenstimmen und 25 Enthaltungen.

"Die rheinische Kirche ist durch und durch eine ökumenische"

Die Abteilungen Theologie und Ökumene werden zur Abteilung Theologie zusammengelegt. Geleitet wird die neue Abteilung von der bisherigen Leiterin Ökumene, Oberkirchenrätin Barbara Rudolph. Kritisch wurde von einigen Synodalen gefragt, ob es gerade auch im Verhältnis zu anderen Kirchen gut sei, die Ökumene als eigenständige Abteilung aufzugeben. Oberkirchenrätin Rudolph widersprach der Kritik: "Die rheinische Kirche ist durch und durch eine ökumenische."

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