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Wahlkampf-Endspurt: Sachsen-Anhalt: Parteien wollen AfD-Wahlsieg verhindern

Wahlkampf-Endspurt : Sachsen-Anhalt: Parteien wollen AfD-Wahlsieg verhindern

Die AfD könnte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erstmals stärkste Kraft in einem Parlament werden. Das wollen die anderen Parteien verhindern.

Die Spannung vor dem letzten Stimmungstest vor der Bundestagswahl steigt: Sachsen-Anhalt wählt am Sonntag einen neuen Landtag.

Die letzten Umfragen sehen die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff zwar vorn - teilweise aber nur um einen Prozentpunkt vor der AfD. In drei der letzten vier Umfragen hatte das regierende Kenia-Bündnis aus CDU, SPD und Grünen eine erneute Mehrheit. Die FDP kann nach den Erhebungen auf eine Rückkehr in den Magdeburger Landtag hoffen.

Streit um hohe WertederAfD

Der mögliche Wahlsieg der AfD war in den letzten Tagen das beherrschende Thema im Wahlkampf. Umfragen hatten die Partei, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall mit nachrichtendienstlichen Mitteln beobachtet wird, teils Kopf an Kopf mit der CDU gesehen. In einer Befragung Ende Mai hatte die AfD sogar knapp vor der CDU gelegen. Auf ihren letzten öffentlichen Auftritten vor der Wahl bekräftigten Spitzenkandidat Oliver Kirchner und Parteichef Tino Chrupalla, dass sie die Wahl gewinnen wollten.

Zwischen den restlichen Parteien entbrannte ein Streit, wer für die hohen Werte für die Rechtspopulisten verantwortlich sei. Die Koalitionspartner SPD und Grüne warfen der Partei im Wahlkampf vor, sich nicht klar von der AfD abgegrenzt zu haben. „Ministerpräsident Reiner Haseloff glaubt man die klare Abgrenzung ja, in der zweiten Reihe sieht das aber schon anders aus“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der „Rheinischen Post“. „Wer Interesse an einer Regierung hat, die auf Respekt, Seriosität und Verantwortung ausgerichtet ist, der kommt an der SPD nicht vorbei“, betonte er.

CDU-Chef Armin Laschet sagte hingegen, ein Wahlsieg der AfD könne nur durch ein Kreuz bei der CDU verhindert werden. Wer nicht will, dass die AfD erstmals stärkste Kraft wird, habe nur eine Alternative: „Reiner Haseloff und die CDU wählen“, sagte der NRW-Ministerpräsident bei der Landesvertreterversammlung der nordrhein-westfälischen CDU in Düsseldorf.

Haseloff hatte die hohen Umfragewerte der AfD unter anderem mit den strengen Corona-Regeln der Bundes-Notbremse erklärt, die für viel Frust gesorgt hätten. Außerdem könne es nicht allein Aufgabe der CDU und seiner Person sein, die AfD klein zu halten, sagte Haseloff mit Verweis auf die nur knapp zweistelligen Umfragewerte seiner Koalitionspartner SPD und Grüne.

Wahlkampf auf den letzten Metern

Um ihre Umfragewerte am Wahlabend zu übertreffen, legten sich die Parteien am Samstag noch ein letztes Mal ins Zeug. Nach sinkenden Corona-Zahlen hatten die Parteien den Wahlkampf doch noch ein Stück weit auf die Straßen und Marktplätze verlagert. Für die AfD warb Parteichef Tino Chrupalla ein letztes Mal. Zu seinem Auftritt in Bitterfeld, wo die Partei 2016 ihr stärkstes Ergebnis geholt hatte, kamen am Nachmittag rund 60 Zuschauer.

Die Spitzenkandidatin der Linken, Eva von Angern, war am Samstag noch in ihrem Wahlkreis in Schönebeck unterwegs, SPD-Spitzenkandidatin Katja Pähle suchte in Halle das Gespräch mit Wählerinnen und Wählern, FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens in Magdeburg. Die Grünen wollten am Abend in einer Online-Diskussion ein letztes Mal um Stimmen werben. Die CDU hatte ihren Wahlkampf mit einer Online-Veranstaltung am Freitagabend offiziell beendet.

Rund 1,8 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag insgesamt zur Wahl aufgerufen, viele davon gaben ihre Stimme schon vorher per Briefwahl ab, etwa Grünen-Spitzenkandidatin Cornelia Lüddemann. Das Land rechnet wegen der Corona-Pandemie mit einem hohen Briefwahl-Anteil. Mit einem vorläufigen amtlichen Endergebnis rechnet die Wahlleiterin erst in der Nacht.

© dpa-infocom, dpa:210605-99-874903/3

(dpa)