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Sankt Augustin: Maria 2.0 schlägt Thesen an Kirchentüren

Auch in Sankt Augustin : Wie Luther: „Maria 2.0“ schlägt Thesen an Kirchentüren

Eine Initiative katholischer Frauen dringt seit Langem auf Reformen in der Kirche. Jetzt haben die Frauen Forderungen präsentiert - mit einer symbolträchtigen Aktion, unter anderem in Köln und Sankt Augustin.

Die katholische Reforminitiative Maria 2.0 hat sich ein Beispiel an Martin Luther genommen und am Sonntag an mehreren Orten in Deutschland Thesen an Kirchentüren aufgehängt.

Aktionen gab es unter anderem in München, Würzburg, Augsburg, Köln, Mainz und Freiburg. „In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern“, lautet die erste These. Die feministische Bewegung setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. Sie kämpfen gegen sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch, den Pflichtzölibat und für eine offenere Sexualmoral.

Auch in Sankt Augustin sind die Frauen aktiv geworden: Zehn Mitglieder der katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) an St. Martinus in Sankt Augustin waren am Sonntag in der ganzen Stadt unterwegs, um die sieben Thesen an den Kirchentüren des gesamten Seelsorgebereichs zu befestigen. „Wir haben das in diesem Jahr das erste Mal gemacht“, so Elisabeth Becker. „Unsere Gruppe gibt es seit rund zwei Jahren, und seitdem beteiligen wir uns auch an anderen Aktionen der Bewegung.“ Aufgeteilt haben sich die Frauen am Sonntag auf alle Ortsteile Sankt Augustins. Am Abend nahmen sie die Thesen wieder ab. Rückmeldungen habe es noch keine gegeben. „Aber durch Corona haben wir ja keine sozialen Kontakte, die uns auf die Aktion ansprechen könnten“, so Becker. Sie wolle abwarten, „dann kommen die Leute bestimmt auf uns zu“, sagte sie zuversichtlich.

2019 hatte „Maria 2.0“ schon einmal mit einem Kirchenstreik die katholische Kirche aufgemischt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete Anfang Februar, dass sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre mit „Maria 2.0“ befasse. Stein des Anstoßes soll ein Protest der Frauenrechtlerinnen gegen die Zurückhaltung eines Missbrauchsgutachtens durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sein.

Die Reformerinnen sehen sich nach den Berichten über eine Beobachtung durch den Vatikan in ihrer Arbeit bestätigt. „Das ist ein Ritterschlag“, sagte die Mitgründerin der Bewegung, die Münsteranerin Lisa Kötter. „Es zeigt doch, dass wir einen Nerv getroffen haben.“

Im Jahr 1517 hatte Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation und die Spaltung in die katholische und evangelische Kirche eingeläutet. „Das mit der Kirchenspaltung ist immer ein Gespenst, das aufgebaut wird, wenn Kritiker sich mit uns befassen“, sagte Kötter kurz vor der Aktion. „Es heißt ja auch immer, Luther habe die Kirche gespalten, aber das stimmt doch nicht. Gespalten werden die Dinge, die erstarrt sind. Elastische Dinge können Sie nicht spalten.“

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte, er verstehe die Unruhe, die viele Gläubige in der Kirche verspürten. „Wir wissen darum, dass es Veränderungen bedarf. Deshalb hat die Deutsche Bischofskonferenz den Synodalen Weg ins Leben gerufen.“ Der Synodale Weg ist ein Reformprozess, der sich unter anderem mit der katholischen Sexualmoral und der Position der Frauen in der Kirche beschäftigt.

„Protest ist sicherlich ein legitimes Mittel“, sagte Kopp. „Aber wir können nicht von heute auf morgen die Kirche ändern, sondern müssen das in einem guten und von Vertrauen geprägten Dialog tun.“ Dazu gehöre auch das Gespräch mit dem Vatikan. Die Kirche in Deutschland werde bei Fragen von weltkirchlicher Relevanz keinen Sonderweg ohne Rom gehen.

(dpa/ga)