Wirtschaftsstandort NRW Schlechte Noten für das Land

Düsseldorf · Marode Straßen, hohe Arbeitslosigkeit, zu wenig Investitionen in Bildung: Das Institut der deutschen Wirtschaft stellt dem Standort NRW in einer Studie ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) spricht von einem Zerrbild.

 Wirtschaft in Bonn: Blick auf den Rheinhafen.

Wirtschaft in Bonn: Blick auf den Rheinhafen.

Foto: Volker Lannert

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) stellt dem Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen ein schlechtes Zeugnis aus. Laut einem aktuellen Gutachten des arbeitgebernahen Institutes hat NRW den höchsten Schuldenberg aller Bundesländer angehäuft. Außerdem seien auffallend viele Straßen marode, in die Bildung werde viel zu wenig investiert, und die Arbeitslosigkeit bleibe ein großes Problem.

Der Präsident des Unternehmerverbandes NRW, Arndt Kirchhoff, forderte von den Parteien, dem Thema Wirtschaft im Wahlkampf Vorrang zu geben. An dem Ziel „mehr Wachstum“ müssten sich alle Ministerien orientieren.

Besonders „ärgerlich“ ist laut IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt, dass NRW trotz deutlich gestiegener Steuereinnahmen immer wieder neue Schulden aufnimmt. Außerdem sei im Jahr 2015 nur jeder zehnte Euro in den Haushalten von Land und Kommunen für Investitionen ausgegeben worden. In Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg liege dieser Investitionsanteil rund ein Drittel höher. Der Straßenbau in NRW leide unter Unterfinanzierung. Das Land habe zwar 2016 mit 115 Millionen Euro mehr Geld als je zuvor für den Straßenbau eingeplant. Der Bedarf liege aber bei 195 Millionen Euro.

Auch für Schüler und Hochschüler habe NRW viel zu wenig Geld übrig. Das Land gebe je Schüler rund 800 Euro weniger im Jahr aus als die Bundesländer im Durchschnitt. Bei der Betreuungsrelation von Lehrern zu Schülern und Professoren zu Studenten sei NRW Schlusslicht in Deutschland.

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) wies die Kritik des Institutes am Standort NRW umgehend zurück. „Die Studie zeichnet ein Zerrbild der wirtschaftlichen Situation“, sagte er. Nordrhein-Westfalen sei das wirtschaftliche Herzstück Deutschlands.