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Online-Diskussion von GA und GIZ: Sind Lebensmittel immer noch zu günstig?

Online-Diskussion von GA und GIZ : Sind Lebensmittel immer noch zu günstig?

Ein Viertel aller Nahrungsmittel verdirbt. Die Online-Diskussion im „Weltgespräch“ vom General-Anzeiger und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zeigte vielfältige Ursachen.

Verbraucher müssen nach Erhebungen des Bundesverbandes der Verbraucherzentalen (vzbv) für Nahrungsmittel im Schnitt aktuell 20,3 Prozent mehr bezahlen als im Oktober 2021. Was Haushaltsvorstände schmerzt, ist für die Ernährung der Weltbevölkerung womöglich keine so schlechte Nachricht. Das glaubt zumindest Thomas Schmidt vom Thünen-Institut in Braunschweig. In der jüngsten Ausgabe des virtuellen „Weltgesprächs“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und des General-Anzeigers zum Thema verdorbene Lebensmittel sagte der Analyst für Agrar- und Ernährungswirtschaft, dass Nahrungsmittel für einen achtsamen Umgang in Deutschland schlicht zu günstig seien: „Ob wir verschwenden oder nicht, merken wir nicht“. Die Verschwendung steige mit dem verfügbaren Einkommen. Deutsche Konsumenten müssten im Schnitt kaum zehn Prozent ihres Einkommens dafür aufwenden, weil die Herstellung und Verarbeitung durch Agrarsubventionen und die reduzierte Mehrwertsteuer günstig gehalten würden, betonte Schmidt. Zudem würden Kosten für Umweltschäden der Allgemeinheit überlassen. Das sei ein Grund dafür, warum ein Viertel aller Nahrungsmittel ungegessen verkommt.

Deutlich höhere Marktpreise hält Schmidt politisch nicht für durchsetzbar. Isabel Naguib von Foodsharing Bonn forderte, die Verluste bei Lebensmitteln gesetzlich zu regeln. „Freiwilligkeit reicht nicht. Wir gehen jeden Tag zu Supermärkten und Bäckereien. Man steht vor Bergen von Lebensmitteln, die sonst im Müll landen würden“, berichtete die Aktivistin in der vom ehemaligen GA-Redakteur Lutz Warkalla moderierten Runde. Online und in öffentlichen Kühlschränken würden die Produkte kostenfrei weitergereicht. Auch ohne sich daran zu beteiligen, könne jeder Nahrungsmittel retten, etwa indem man Waren kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit kaufe, wenn man diese zeitnah verbrauche. Oder durch den Kauf von Obst und Gemüse mit Macken.

Gros der Verluste entsteht auf dem Acker oder kurz danach

Heike Ostermann betreut bei der GIZ in Bonn Projekte zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in Afrika. Sie erklärte, das Gros der Verluste entstehe nicht im Kühlschrank, sondern bereits auf dem Acker oder kurz danach. Einfache Hilfen wie solarbetriebene Kühlcontainer für verderbliche Ware könnten hier Abhilfe schaffen und das Einkommen der Bauern verbessern. „Das Geschäftsmodell muss stimmen, nicht nur die Technologie“, betonte Ostermann. In Mali hätten Kühlräume die Verluste bei Kartoffeln von 40 auf zehn Prozent verringert, deren Haltbarkeit vervielfacht und damit auch die Zeitspanne zum Verkaufen der Ware erheblich verlängert.