Brandanschlag vor 25 Jahren Solingen war trauriger Höhepunkt des Fremdenhasses

Solingen · Der tödliche Brandanschlag in Solingen vor 25 Jahren war kein Einzelfall. Auch in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen und Mölln kam zu rassistischen Übergriffen größeren Ausmaßes.

Es war eine schwierige außenpolitische Zeit, die auch Auswirkung auf die Menschen in der Bundesrepublik hatte. Es herrschte Krieg auf dem Balkan, die Sowjetunion befand sich im Umbruch. In Burundi tobte ein Bürgerkrieg, genauso wie in der Republik Kongo, in Senegal und Simbabwe. Zwischen Äthiopien und Eritrea gab es Streitigkeiten um die Landesgrenzen – genau wie zwischen Mali und Burkina Faso. Zunächst flüchteten 50.000 Menschen nach Deutschland – im Jahre 1991 waren es bereits doppelt so viele und 1992 stieg die Zahl auf 440.000 Asylbewerber an.

Hoyerswerda war Anfang der 1990er Jahre der Schauplatz der größten ausländerfeindlichen Krawalle nach der deutschen Wiedervereinigung. Es kam zu mehreren Angriffen auf Flüchtlings- und Vertragsarbeiterwohnheime. Am 20. September 1991 griffen Neonazis und Sympathisanten ein Heim mit 240 Flüchtlingen an. Sie warfen Steine und Molotow-Cocktails – Hunderte Anwohner schauten tatenlos zu oder klatschten Beifall. 32 Menschen wurden verletzt, 82 Personen vorläufig festgenommen.

Hoyerswerda war nur der Beginn rassistischer Ausschreitungen durch Rechtsextreme und zum Teil tödlicher Gewalt gegen Ausländer. In Rostock-Lichtenhagen kam es im August 1992 zum nächsten Zwischenfall. Die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber war in einem Plattenbau mitten in einem Wohngebiet untergebracht und restlos überfüllt. Drei Tage lang wurden Asylbewerber mit Baseballschlägern angegriffen, Nazis werfen Steine und Brandsätze.

In Schleswig-Holstein kam es am 23. November 1992 zu einem Angriff mit rechtsextremistischem Hintergrund. Ein Brandanschlag auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häusern in der Kleinstadt Mölln forderte drei Todesopfer. Neun Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei den Toten handelte es sich um ein zehn- und ein vierzehnjähriges Mädchen sowie deren Großmutter.

Trauriger Höhepunkt des Fremdenhasses: der Brandanschlag von Solingen am 29. Mai 1993. Er kostete fünf Menschen das Leben, 17 wurden verletzt.

Bereits kurz nach der Tat gelang es der Polizei, vier junge Solinger im Alter zwischen 16 und 23 Jahren festzunehmen. Das Quartett, das der rechtsextremen Szene zugeordnet wurde, soll das Haus der türkischen Familie Genç in Brand gesetzt haben, lautete der Mordvorwurf. Die Kinder Gülüstan (12), Hülya (9) und Saime (4) starben an Rauchvergiftung, die 18-jährige Hatice in den Flammen. Die 27-jährige Gürsün sprang in Panik aus einem Fenster und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu. Ihre dreijährige Tochter hatte sie den Feuerwehrleuten entgegengeworfen. Das Kind überlebte.

Es folgte ein Mammutprozess, der sich allein auf Indizien stützte. Nach 128 Verhandlungstagen sah das Düsseldorfer Oberlandesgericht die Schuld der vier Solinger als erwiesen an. Drei wurden 1995 zu Jugendhöchststrafen von zehn Jahren, der zur Tatzeit einzige Erwachsene wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ein damals 16- und ein 18-Jähriger hatten eine Tatbeteiligung von Anfang an bestritten: Bis heute tun das beide. Die vier Verurteilten sind längst auf freiem Fuß.

In Bonn wurde 1998 der Saime-Genc-Ring in Dransdorf eröffnet. Er ist eine Erinnerung an das jüngste Opfer des Solinger Anschlags.

Mehr als ein halbes Jahr vor dem Brandanschlag in Solingen gingen am 9. November 1992 in Köln mehr als 100.000 Menschen auf die Straße und demonstrierten unter dem Motto „Arsch huh, Zäng ussenander“ auf dem Chlodwigplatz gegen Fremdenhass.

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