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Staatsakt für Wolfgang Clement in Bonn im ehemaligen Plenarsaal

Staatsakt im ehemaligen Plenarsaal : Nordrhein-Westfalen nimmt Abschied von Wolfgang Clement

Politisch und doch sehr persönlich: Mit einem Staatsakt hat Nordrhein-Westfalen an diesem Dienstag Abschied von seinem verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement genommen. Die Feier fand im ehemaligen Plenarsaal des Bundestages in Bonn statt.

In einem ungewöhnlich persönlichen Staatsakt ist der frühere NRW-Ministerpräsident und Bundesminister Wolfgang Clement am Dienstag in Bonn als Macher und Modernisierer gewürdigt worden. „Wir glauben, er hat sehr, sehr viel richtig im Leben gemacht“, sagte eine seiner fünf Töchter. Clement war nach schwerer Krankheit am 27. September im Alter von 80 Jahren in Bonn gestorben.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) würdigte Clement als „einen der ganz Großen der Bonner und der Berliner Republik“. Viele hätten heute schon wieder vergessen, dass Deutschland um die Jahrtausendwende „der kranke Mann Europas“ gewesen sei. „Die Arbeitslosigkeit stieg alle paar Jahre um eine Million an.“

Clement habe als damaliger Superminister im Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit seinen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen die Grundlage für den Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft gelegt. Über die nachfolgenden Regierungen unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Altmaier: „Wir haben gebaut auf einem Fundament, das mit der Agenda 2010 gelegt worden war.“

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte seinen Vorgänger ebenfalls als großen Veränderer, der den Strukturwandel in NRW maßgeblich vorangetrieben habe. Er habe NRW zum führenden deutschen Film- und Fernsehstandort gemacht, gleichzeitig aber auch das Zukunftspotenzial einer modernen Industrie- und Energiewirtschaft nie aus dem Blick verloren. „Davon profitieren wir bis heute“, sagte Laschet.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel setzte sich in seiner Rede mit Clements schwierigem Verhältnis zu seiner Partei auseinander. „Ich gebe zu, es war für mich doch etwas traurig, dass sein Leben und Wirken von seiner Partei, der er immerhin 38 Jahre lang angehörte und die mit ihm und durch ihn große Erfolge feiern durfte, in diesen Tagen und Wochen jedenfalls nur ganz wenig gewürdigt wurde“, sagte Gabriel. Clement habe die SPD 2008 zwar im Streit verlassen, doch habe ihm die Partei auch danach noch viel bedeutet.

Gabriel zeichnete ein fesselndes Charakterbild des „Temperament-Politikers“, der bekanntermaßen auch mal ungemütlich werden konnte. „Nicht viele haben dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder widersprochen und den Saal verlassen, wenn er mal wieder die versammelte Schar von SPD-Ministerpräsidenten zu so etwas Ähnlichem erklärte wie nachgeordnete Beamte.“ An Laschet gewandt sagte Gabriel, wenn sich heutige Ministerpräsidenten mitunter über Rüffel von Kanzlerin Merkel beschwerten, könne er nur sagen: „Seien Sie froh, dass Sie damals nicht dabei gewesen sind!“

Am beeindruckendsten war jedoch der Auftritt der fünf Töchter Clements. Sie beschrieben unter anderem die „unglaubliche Liebesgeschichte“ ihrer Eltern Wolfgang und Karin, die fast 54 Jahre verheiratet waren. Eine alte Schulfreundin habe sich jetzt noch an ein Bild aus ihrer Jugend erinnert: „Auf einer Schlitterbahn seien unser Vater und unsere Mutter immer vom äußersten Ende der Bahn aufeinander zugeschlittert, um sich dann in einer Umarmung in der Mitte der Bahn zärtlich aufzufangen und zu küssen.“ Bis zum Ende seien sie ein Liebespaar gewesen. „So konnte unser Vater erst friedlich sterben, nachdem unsere Mutter ihm gesagt hatte, dass er genug gekämpft habe.“

(dpa)