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Tierversuche in NRW: Land will Zahl verringen

Bundesweite Hochburg : Nordrhein-Westfalen will weniger Tierversuche

NRW ist bundesweite Hochburg für Tierversuche. Landesweit leiden jährlich 300.000 Tiere an den Tests. Die Opposition fordert eine Verdopplung der Forschungsgelder für Ersatzverfahren.

Die Opposition im Landtag verlangt von der Landesregierung ein entschiedeneres Vorgehen gegen Tierversuche in NRW. „Wir halten es für machbar, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre die Anzahl der Tierversuche mindestens halbiert wird“, sagte der Tierschutzbeauftragte der Grünen im Landtag, Norwich Rüße, unserer Redaktion. Sein SPD-Amtskollege André Stinka erklärte: „Tierversuche zu verringern und alternative Methoden voranzutreiben, ist das Gebot der Stunde. Die jetzige Landesregierung sollte sich stärker auf diesem Feld engagieren und entsprechende Pläne entwickeln.“

Laut NRW-Umweltministerium wurden in den Jahren 2016 und 2017 landesweit jeweils mehr als 300 000 Tiere bei Tierversuchen eingesetzt. Jüngere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Antrags- und Genehmigungszahlen lassen für 2018 jedoch auf eine ähnliche Größenordnung schließen. Am weitaus häufigsten werden bei den Tierversuchen in NRW Mäuse und Ratten eingesetzt. Aber auch auf Kaninchen, Schweine und Affen greifen die Forscher oft zurück.

So wurden den jüngsten Zahlen zufolge 2017 fast 2000 Affen in NRW-Versuchslaboren eingesetzt. Zahlen, die vor dem Hintergrund des verheerenden Brandes im Krefelder Affenhaus nicht nur Tierschützer kritisieren. „NRW ist seit Jahren im Bundesländervergleich auf dem zweiten Platz hinter Baden-Württemberg“, sagte Gaby Neumann vom Kölner Verein „Ärzte gegen Tierversuche“. Ihren Zahlen zufolge waren es 2017 bundesweit 2,8 Millionen Tiere, „die in deutschen Laboren leiden und größtenteils sterben mussten“, so Neumann.

SPD und Grüne schlagen eine drastische Aufstockung der Fördergelder für Einrichtungen vor, die nach Alternativen zu Tierversuchen forschen. Eine solche ist das „Centrum für Ersatzmethoden zum Tierversuch“ (CERST) am Leibniz-Institut für Umweltmedizin in Düsseldorf. „Wir fordern, die Förderung von CERST zu verdoppeln, um endlich den Durchbruch bei tierversuchsfreien Tests zu schaffen“, so Rüße.

Das NRW-Wissenschaftsministerium will das Zentrum im laufenden Jahr mit 300 000 Euro Landesgeld fördern. Das sind 100 000 Euro mehr als im Jahr 2016, dem letzten vollen Amtsjahr der rot-grünen Vorgängerregierung. Auch in den Jahren 2017 bis 2019 flossen jeweils 300 000 Euro an das Zentrum. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte unserer Redaktion: „Ziel muss es sein, Tierversuche überflüssig zu machen. Aber so weit ist die Forschung leider noch nicht.“

Vor allem die Grundlagenforschung werde auf absehbare Zeit nicht auf Tierversuche verzichten können. Bis dahin dürfe ein Tierversuch nur genehmigt werden, „wenn er unerlässlich ist und keine Alternative gegeben ist“. Auch Heinen-Esser verwies auf den Wert der CERST-Forschung, wollte sich aber auf eine Aufstockung von Mitteln nicht festlegen.

„Es ist gesetzlich vorgeschrieben, neue Wirkstoffe in Tierversuchen auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen zu testen. Tierversuchsfreie Medikamente gibt es daher nicht“, stellte die Max-Planck-Gesellschaft in einer Stellungnahme fest. Verboten seien in Deutschland dagegen Tierversuche zur Entwicklung von Kosmetik und Hygieneprodukten. Durchgeführt werden die Tierversuche in NRW vor allem an Hochschulen sowie bei biomedizinisch forschenden Pharmaunternehmen.