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Kommentar zur Gewalttat von Frankfurt: Trauer und Stärke

Kommentar zur Gewalttat von Frankfurt : Trauer und Stärke

Nach der tödlichen Attacke auf einen Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof ist die Trauer groß. Bei allen offenen Fragen gibt es keine Antwort, die die Wunden heilen könnte, kommentiert Kristina Dunz.

Die Trauer ist groß. Über den Tod des Jungen, der von einem Mann aus Eritrea am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen Zug gestoßen wurde. Über das Leid der Mutter, die den Verlust ihres Kindes bis an ihr Lebensende nicht verwinden wird. Über den Tod der Ehefrau und Mutter, die ein in Deutschland geborener Serbe vor zehn Tagen in Voerde vor einen Zug stieß. Über das Trauma der Lokführer, die die Bilder nie mehr aus dem Kopf bekommen können. Über den Tod des CDU-Politikers Walter Lübcke, der von einem deutschen Rechtsextremisten hingerichtet wurde. Groß ist das Entsetzen über den Angriff auf einen Eritreer, der in der vergangenen Woche im hessischen Wächtersbach von einem deutschen Fremdenfeind angeschossen wurde. Und über Migranten, die in Freibädern Badegästen Angst einjagen.

Wir stehen fassungslos davor, was in unserem Land passiert, das so verletzlich ist, weil es so viel Freiheit lässt. Kein Überwachungsstaat, keine Zensur. Im Vertrauen auf eine Gesellschaft, deren Bürger Anstand haben und die gemeinsamen demokratischen Werte verteidigen. Wir fragen uns nach dem Warum. Was treibt einen Deutschen dazu, auf einen Mann aus Eritrea zu schießen, den er nicht kennt? Und warum nur ermordet ein anderer Mann aus Eritrea – selbst Familienvater – ein wehrloses Kind?

Es gibt keine Antwort, die die Wunden heilen könnte. Es tröstet die Mutter nicht, die ihr Kind hat sterben sehen, dass der Täter psychische Probleme hat, wie die Kantonspolizei Zürich sagt. Es ist eben auch wahr, dass viele Menschen mit dem eigenen Leben nicht klarkommen und trotzdem niemanden umbringen.

Wie geht es nun weiter? Es muss immer neue Anstrengungen der Solidarität geben. Wie das geht, haben Menschen in Frankfurt bewiesen. Sie halfen mutig, den Täter zu fassen und weinten mit den Betroffenen. Mitgefühl, Mitleiden. Niemand bleibt allein. Und es war gut, dass Innenminister Horst Seehofer seinen Urlaub unterbrochen und mit den Leitern der Sicherheitsbehörden über Konsequenzen beraten hat. Es ist ein wichtiges Signal, dass der Staat reagiert. Und es muss harte Strafen geben. Das Problem ist nur, dass noch so viel Polizei und Sicherheitsmaßnahmen auf Bahnhöfen keine Garantie sind, dass solch unerträgliche Taten verhindert werden. Aber noch etwas hat Seehofer, der Hardliner, für den Zusammenhalt und die Stärkung der Gesellschaft getan: Er hat darauf hingewiesen, dass der Täter aus Afrika kommt – aber mit der Flüchtlingspolitik hat die Ermordung des Jungen nichts zu tun.