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Urlaub in NRW: Nachfrage steigt

Kurzfristig und vor der Haustür : Nachfrage nach Urlaub in NRW steigt

Die Nachfrage nach Sommerurlaub in Nordrhein-Westfalen zieht nach Monaten der Corona-Zurückhaltung wieder an. Viele Jugendherbergen wollen wieder Gäste aufnehmen.

Mit dem Öffnen von Hotels, Jugendherbergen und Ferienhäusern steigt auch bei der heimischen Tourismusbranche wieder die Zuversicht. Doch Corona bleibt ein Unsicherheitsfaktor. „Die Stimmung bei den Anbietern hat sich deutlich aufgehellt. Angesichts sinkender Inzidenzen haben wir durchaus die Hoffnung, dass der Tourismus in Nordrhein-Westfalen in den Sommermonaten wieder deutlich belebt wird“, sagt Tonia Haag, Sprecherin von Tourismus NRW, der Deutschen Presse-Agentur. Unter anderem aus dem Sauerland, dem Münsterland und der Eifel komme die Rückmeldung, dass Buchungen deutlich zugenommen hätten.

Auch ein Großteil der Jugendherbergen im Bundesland wird im Sommer wieder geöffnet sein. Die 33 Jugendherbergen im Rheinland wollen nach Angaben ihres Verbands bis auf wenige Ausnahmen in den Ferien wieder Gäste empfangen. Der Landesverband Westfalen-Lippe kündigte an, bis zum Start des neuen Schuljahres wieder alle seine Häuser öffnen zu wollen.

Seit der Pandemie habe sich ein Trend zu sehr kurzfristigen Buchungen gezeigt, der sich wohl auch fortsetze: „Die Entwicklung der Inzidenzen ist für viele ein Unsicherheitsfaktor“, sagt Haag. Bei allem Optimismus für die Sommermonate: „Es ist eine Illusion, das Vorkrisenniveau erreichen zu können.“ Dafür hätten die Anbieter bereits zu viele Monate der coronabedingten Schließung hinter sich.

Familien treffen auf freie Kapazitäten

Auch bei den Jugendherbergen im Rheinland gibt es laut Sprecherin Annette Rath an den meisten Standorten noch freie Kapazitäten. Sie glaubt, dass viele Familien in diesem Jahr noch keine Entscheidung gefällt hätten und auf kurzfristige Buchungen setzen. „Dadurch stehen leider manche Ferienangebote auf der Kippe, weil noch zu wenig Interessenten da sind, wir aber bald entscheiden müssen, ob sie stattfinden oder nicht.“

Wie schon im vergangenen Sommer mache sich bemerkbar, dass Familien den Urlaub vor der Haustür häufiger in Betracht zögen. Auch coronataugliche Urlaubsformen wie Radwanderungen bringen Gäste in die Herbergen. „Wir registrieren eine deutliche Zunahme der Buchungen für den Sommer“, sagt Rath.

Das bestätigt auch der Tourismusverband. Im vergangenen Pandemiesommer hätten sich bereits einige Effekte gezeigt, die sich wiederholen könnten: So stiegen 2020 sowohl der Anteil der Familien als auch generell der Anteil der Touristen, die im eigenen Bundesland Ferien machten. Außerdem wuchs der Anteil der Gäste mit mindestens fünf Übernachtungen im Kurztrip-Land NRW auf ein knappes Drittel.

Für Gäste aus dem Ausland gelten noch einige Restriktionen

Bei den ausländischen Gästen sei hingegen weiter mit Einschnitten zu rechnen: Quarantäne- und Einreiserestriktionen sowie fehlende internationale Messen und Tagungen dämpften hier die Erwartungen, sagt Haag. Sie machen normalerweise mehr als ein Fünftel der Übernachtungsgäste im Bundesland aus.

Denkbar sei, dass wie schon 2020 die Anbieter profitierten, bei denen die Gäste unabhängig seien und gut Abstand halten könnten, wie in Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen. So seien etwa im Münsterland bereits jetzt Urlaubsmöglichkeiten auf dem Bauernhof bis zum Herbst fast ausgebucht, sagt Haag. Aus dem Ruhrgebiet werde beispielsweise von einer starken Nachfrage beim Radtourismus berichtet.

Das wichtigste Geschäftsfeld der Jugendherbergen - Schulfahrten und Gruppenreisen - liegt hingegen weiter brach: „Uns fehlen die Klassenfahrten“, sagt Rath. Hier brauche es zeitnah eine klare Regelung, was unter welchen Bedingungen wieder möglich sei. „Wir hoffen, dass die Schulen nach den Ferien wieder fahren dürfen“, sagt auch die Sprecherin des Landesverbandes Westfalen-Lippe, Maike Braun. Viele Schulen hätten ihre Buchung für die Zeit nach den Sommerferien aufrechterhalten. Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen hatte Klassenfahrten wegen der pandemiebedingten Unsicherheiten bis zum 5. Juli untersagt.

(dpa)