Kommentar zum Urteil des Verfassungsgerichts Es kommt auf die Eltern an

Meinung | Bonn · Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte biologischer Väter gestärkt. Sie müssen sich laut einem am Dienstag verkündeten Urteil nach der Trennung von der Mutter mehr um das Kind kümmern können. Ein Kommentar von GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

 Der Kläger in Sachen „Regelungen zur Vaterschaftsanfechtung“ steht im Bundesverfassungsgericht bei der Urteilsverkündung. Im Hintergrund ist der Erste Senat, (l-r) Stephan Harbarth, Vorsitzender des Senats und Präsident des Gerichts, Yvonne Ott, Ines Härtel und Martin Eifert, zu sehen. Das Bundesverfassungsgericht hat zu Rechten von Vätern entschieden.

Der Kläger in Sachen „Regelungen zur Vaterschaftsanfechtung“ steht im Bundesverfassungsgericht bei der Urteilsverkündung. Im Hintergrund ist der Erste Senat, (l-r) Stephan Harbarth, Vorsitzender des Senats und Präsident des Gerichts, Yvonne Ott, Ines Härtel und Martin Eifert, zu sehen. Das Bundesverfassungsgericht hat zu Rechten von Vätern entschieden.

Foto: dpa/Uli Deck

Das deutsche Familien- und Abstammungsrecht ist nicht mehr so richtig auf der Höhe der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Konstellationen, in denen heute Kinder gezeugt werden und zur Welt kommen, sind komplizierter, als sie früher waren. Richter müssen dann reparieren, was Gentests, Abstammungsnachweise und neue Vorstellungen von Elternschaft möglich und nötig machen. Das wäre einfach, wenn Eltern gleich welcher Konstellation sich am Wohl der Kinder orientierten und bereit wären, dafür Kompromisse zu machen. Viel schwieriger ist es, wenn bis ans Ende durchgeklagt wird, was doch nur einvernehmlich zu lösen wäre. Ein Kind braucht Sicherheit, Verlässlichkeit, Bindung und vor allem Zuwendung. Eltern wollen manchmal gerne recht behalten und mit der Justiz durchsetzen, was mitmenschlich nicht zu erreichen war.