Kommentar zur Debatte um einen Abzug weiterer Ministerien Viel zu ruhig

Meinung | Bonn · Es geht um die wohl wichtigste Zukunftsfrage der Bundesstadt Bonn und dennoch ist es erstaunlich ruhig. Die Bundesregierung lässt prüfen, in welcher Form die Arbeitsteilung in Sachen Regierung zwischen Bonn und Berlin neu geregelt werden muss.

Das klingt neutral und wird es doch nicht sein, denn es wäre eine Überraschung, sollte es künftig ein zusätzliches Ministerium am Rhein geben.

Bonn. Diese Ruhe ist gefährlich, denn die Gelegenheit, für Bonn unangenehme Fakten zu schaffen, war noch nie so günstig. Derzeit redet alles über die Flüchtlingsfrage. Ob Bonn ein paar Ministerien und damit Tausende Arbeitsplätze verliert, fällt da leicht unter den Tisch. Es wird in der Republik gar nicht als Thema, geschweige denn als Problem wahrgenommen. Auch in der Politik lässt sich die Angelegenheit mühelos auf die leichte Schulter nehmen. Warum sollte man die Klagen einer Stadt beachten müssen, der es augenscheinlich gut geht, nicht zuletzt weil der Bund hier Telekom, Post und Postbank angesiedelt hat?

Die Öffentliche Meinung ist jedoch wichtig, denn Bonn kann sich nicht auf eine starke Lobby in den Parlamenten oder Behörden verlassen. Die gibt es nicht mehr, denn immer weniger Abgeordnete und Beamte haben ihre politische Karriere am Rhein begonnen. Selbst die Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen in der Hauptstadt würden vermutlich nicht einheitlich für Bonn eintreten.

Wer derzeit die Medien der Republik durchforstet, stößt immer wieder auf das Thema Regierungssitz Bonn. Der Tenor dieser Berichte ist immer gleich: Über 25 Jahre nach der Wende gibt es immer noch Ministerien in Bonn. Das wird mal unter Kuriosum und mal unter bürokratischem Wahnsinn und Geldverschwendung eingeordnet, aber nie unter geregelter Arbeitsteilung und vernünftiger Lösung. Vor 25 Jahren hatte Bonn auch in den Medien eine Menge Freunde. Doch die Zuneigung ist der Gleichgültigkeit gewichen. Wenn Bonn etwas erreichen will, muss die Region etwas unternehmen, um diese negative Stimmung zu beeinflussen. Die guten Argumente für einen Verbleib von Regierungsfunktionen in der Stadt müssen vernehmbar werden. Es gibt für solche Fälle professionelle Berater. Die sollten wenigstens einmal ins Kalkül gezogen werden.

Es ist sicherlich richtig, dass es manchmal klüger ist, hinter verschlossenen Türen für die eigenen Interessen zu werben. Die hiesigen Bundestagsabgeordneten sind da gewiss sehr fleißig und auch die Akteure aus Stadt und Landkreis werden ihr Möglichstes tun. Es ist auch bestimmt klug, diverse Pläne B zu erarbeiten und abzustimmen. Aber das Feld komplett den Bürokraten und den Hinterzimmer-Aktivitäten zu überlassen, ist ganz gewiss nicht ausreichend. Die Region braucht eine Strategie, wie sie ihre Interessen vertreten will. Abwarten und Hoffen wäre der falsche Weg.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort