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Veranstaltung von GIZ und GA: Wege der Lebensmittel oft unklar

Veranstaltung von GIZ und GA : Wege der Lebensmittel oft unklar

Bei einer gemeinsamen digitalen Veranstaltung von GIZ und GA ist über den Regenwaldschutz diskutiert werden. Die Hoffnung liegt auf einem Lieferkettengesetz.

Geht es nach Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner, dann hat jeder Bürger als Konsument das Glück der Erde selbst in der Hand. Wer Bio wolle oder den Schutz der Regenwälder, der könne ja entsprechende Produkte kaufen. Mit diesem Credo werden schärfere Regulierungen der Agrarproduktion seit Jahrzehnten ebenso vertagt wie Importschranken für Regenwald zerstörende Agrarprodukte, wird oft kritisiert. Gerhard Langenberger, Experte für nachhaltige Waldpolitik bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), sieht dagegen die Politik am Zug.

Obgleich heute technisch problemlos möglich, seien die Herkunftswege etwa von Naturkautschuk, Soja, Palmöl oder Kakao oft gar nicht nachvollziehbar. „Wir müssen eine Verbindlichkeit vom Ladenregal bis zum Produktionsort schaffen“, forderte Langenberg am Donnerstag in der Gesprächsrunde „Die Welt im Gespräch“, zu der die GIZ und der General-Anzeiger regelmäßig einladen. Erstmals kam die Runde mit 130 Teilnehmern digital zusammen.

„Wir leben auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen“, sagte Gesche Jürgens von Greenpeace, „wir tun aber so, als hätten wir noch mehrere in petto.“ Es brauche daher klare Haftungsregeln für Unternehmen, die die Verantwortung damit nicht mehr an die Rohstoffproduzenten abwälzen könnten und erhebliche Fehlsteuerungen vermieden werden könnten.

In der Vergangenheit habe beispielsweise die EU selbst auf Biodiesel aus Palmölplantagen gesetzt, um die CO2-Emissionen im Verkehrssektor kleinzurechnen. Und das wohl wissend, dass dafür beispielsweise in Indonesien viele Primär- und Sekundärwälder gerodet werden. Das geplante EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten könne in dieser Hinsicht ein „richtig großer Wurf“ werden. „Dagegen wehrt sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier allerdings noch mit Zähnen und Klauen“, so Jürgens.  

Dass einzelne Verbraucher trotzdem etwas bewirken können, hat Melanie Weigel gezeigt. Bei einem Workcamp nach dem Abitur sei sie in Tansania von einem Vanillebauern nach dem Rezept für Wohlstand gefragt worden. „Da habe ich gemerkt, dass ich ein Rädchen im System bin“, erzählte Weigel. Nach der Rückkehr habe sie alle Konsumprodukte auf ihre Herkunft hinterfragt und festgestellt, „dass in Kaffee und Schokolade entweder zerstörter Wald oder Kinderarmut steckt“.

Nachdem ihr Verkäufer in Zügen der Deutschen Bahn „blöde Antworten“ zur Herkunft des Kaffees gaben, machte Weigel mit Petitionen und Gesprächen Druck auf den Konzern. Erst habe man ihr bedeutet, Preis und Qualität seien beim Einkauf wichtiger als Menschenrechte. Inzwischen ist der Staatskonzern umgeschwenkt und verkauft Fairtrade-Kaffee. Derweil hat Weigel sich Ikea vorgeknüpft. Außer einem grünen Anstrich sei dort noch wenig für Nachhaltigkeit passiert. „Da muss ich weiter lästig sein“, sagt sie.

Gern hätte Moderator Lutz Warkalla auch mit Vertretern von Industrie oder Handel kontrovers diskutiert. Allerdings habe keiner der angesprochenen Vertreter zugesagt, erklärte Warkalla.