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Weltklimabericht - Entwurf: „Das Schlimmste kommt erst noch“

Entwurf des Weltklimaberichts : „Das Schlimmste kommt erst noch“

Ein Entwurf des nächsten Weltklimaberichts sickert in die Medien: Bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur der Erde um zwei Grad Celsius könne es „irreversible Folgen für Menschen und Ökosysteme“ geben, heißt es dort.

Trotz der Corona-Dauerkrise bleibt der Klimawandel ein virulentes Weltthema. In den Medien kursiert gerade ein Entwurf des dritten Teils des sechsten Sachstandsberichts des UN-Weltklimarats IPCC (Intergovermental Panel on Climate Change). „Welt“, „Zeit“ und „Spiegel“ berichten über 420 Millionen von Hitzewellen betroffene Menschen, wenn das bei der Pariser UN-Weltklimakonferenz 2015 beschlossene 1,5-Grad-Ziel verfehlt würde und berufen sich dabei auf die Nachrichtenagentur AFP, der ein Entwurf des Berichts vorliegt. Der nächste IPCC-Report soll erst Ende 2021/Anfang 2022 veröffentlicht werden. Die Entwurfsfassung ist allerdings noch nicht von den nationalen Regierungen abgesegnet. Während dieser Phase wird der Entwurf in der Regel in den Kernaussagen etwas abgeschwächt, allerdings besitzen die Forscher ein Vetorecht.

In dem Entwurfsbericht der Arbeitsgruppe II stehen die Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit der globalen Erwärmung im Fokus. Bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur der Erde um zwei Grad Celsius seit vorindustrieller Zeit sei mit „irreversiblen Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme“ zu rechnen. Dabei würden im Vergleich zu heute bis zum Jahr 2050 zusätzlich acht bis 80 Millionen Menschen einem Hungerrisiko ausgesetzt.

Zusammenbruch von Ökosystemen, Wassernot und Lebensmittelknappheit

Selbst wenn es der Weltgemeinschaft gelänge, ihre Treibhausgasemissionen zu verringern, drohe in den nächsten Jahrzehnten der Zusammenbruch von Ökosystemen, Wassernot und Lebensmittelknappheit infolge von Ernteverlusten. Der Mensch selbst sei der größte Leidtragende des von ihm verursachten Klimawandels. „Das Leben auf der Erde kann sich von einem drastischen Klimaumschwung erholen, indem es neue Arten hervorbringt und neue Ökosysteme schafft“, heißt es in dem Entwurf – „Menschen können das nicht.“

Die erste Weltklimakonferenz fand 1995 in Berlin statt, drei weitere (1999, 2001, 2017) in Bonn, insgesamt waren es 27 sogenannte Klimagipfel, nach denen von „Schritten in die richtige Richtung“ gesprochen wurde. Doch unzureichende Kompromisse und vermeintliche Meilenstein-Vereinbarungen haben nicht verhindert, dass die Welt­emission von Jahr zu Jahr gestiegen ist und aktuell rund 40 Gigatonnen pro Jahr beträgt, wenn nicht nur das mengenmäßig dominierende Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Kohle, Gas) berücksichtigt wird, sondern auch die viel stärker wärmenden Treibhausgase Methan (Reisfelder, Fleischproduktion, Mülldeponien) und Lachgas (Düngung) einbezogen werden.

Das Ziel „gefährlichen Klimawandel“ zu vermeiden, droht verfehlt zu werden

Aktuell beträgt die Erdtemperaturerhöhung bereits 1,1 Grad Celsius und ist auf dem Weg bis zu drei Grad bis Ende des Jahrhunderts, weil die freiwilligen CO2-Reduktionsziele der 195 Staaten zu unambitioniert sind. Im Mai lag der atmosphärische CO2-Gehalt bei 419 ppm (parts per million/Teile pro Million) und damit so hoch wie nie in den letzten drei Millionen Jahren.

Das Ziel „gefährlichen Klimawandel“ zu vermeiden, wie 1992 in Rio de Janeiro auf der seinerzeit größten Umweltkonferenz ausgerufen, droht verfehlt zu werden. Als „gefährlich“ gilt, wenn der Mensch keinen Einfluss mehr auf das Erdklima hat und die Erwärmung sich aus sich selbst heraus verstärkt, etwa durch das Auftauen von Permafrostböden, aus denen dann zusätzliches CO2 und Methan entweichen.

Bereits in den vergangenen 30 Jahren habe der Klimawandel, so die IPCC-Autoren, Ernteverluste von vier bis zehn Prozent verursacht, vor allem in Afrika und Südamerika. Auf die weiteren Veränderungen sei die Welt schlecht vorbereitet. „Das Schlimmste kommt erst noch und wird das Leben unserer Kinder und Enkel viel mehr betreffen als unseres.“ Insbesondere Ballungsräume würden von Wassermangel und schweren Dürren betroffen sein.