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Kinderärzte sollen Kinder impfen: Wer jetzt wie an einen Impftermin kommt

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Die Kassenärztliche Vereinigung hält nichts von Schulimpfungen. Für Menschen ohne Hausarzt soll es bald eine Liste von Praxen geben, die auch fremde Patienten impfen. Im Juni soll es auch für chronisch Kranke neue Termine geben.

Die Impfkampagne geht voran. 40 Prozent der Bürger in NRW haben schon eine erste Dosis erhalten, elf Prozent haben den vollständigen Schutz. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) geht davon aus, dass alle impfwilligen Erwachsenen bis spätestens August ein Angebot erhalten werden. „Noch ist Impfstoff knapp, aber es geht in großen Schritten voran“, sagte KV-Chef Frank Bergmann und erklärte, wie wer nun an einen Termin kommt, zumal am 7. Juni die Priorisierung fällt.

Was ist, wenn ich keinen Hausarzt habe?

Für Bürger, die keinen Hausarzt haben, soll nun eine Lösung gefunden werden. Die KV erstellt gerade eine Liste von Praxen, die auch Bürger impfen wollen, die nicht ihre Patienten sind. „Vielleicht findet hier mancher sogar seinen neuen Hausarzt“, sagte Bergmann. Zugleich wartet die KV noch auf Informationen, wie sich Bürger nach dem Fall der Priorisierung in den Impfzentren anmelden können. Hier sei das NRW-Gesundheitsministerium am Zug.

Wo werden Kinder geimpft?

Experten erwarten, dass die Europäische Arzneimittelagentur Ema nächste Woche den Impfstoff von Biontech für Kinder ab 12 Jahren zulässt. Am Donnerstag wollen Kanzlerin und Ministerpräsidenten dazu beraten. Noch im Juni soll in Nordrhein-Westfalen das Kinder-Impfen beginnen. Hier geht es laut KV um 1,5 Millionen Kinder. Noch wird debattiert, wie dies erfolgt: als Massenimpfung in den Schulen, wie es früher etwa bei Röteln-Impfungen üblich war. Oder in den Praxen. KV-Chef Bergmann hat eine klare Meinung: „Das Impfen der Kinder soll in den Kinderarzt-Praxen erfolgen, nicht in den Schulen.“ Zumal die Schulen am 5. Juli in die Sommerferien gehen und es sonst auch Probleme mit der Organisation der Zweitimpfung gebe. Klar ist: Eine Priorisierung innerhalb der Kinder-Gruppe sei nicht vorgesehen, so Bergmann.

Wie kommen Chroniker an einen Termin?

Die Ständige Impfkommission kritisiert, dass die Priorisierung zu früh aufgehoben wird. Denn noch warten viele chronisch kranke Menschen, die zur Priorisierungsgruppe 3 gehören, auf eine Erstimpfung. Impfzentren und Hausärzte können derzeit kaum Erstimpfungen vornehmen, weil die Lieferungen im Mai gerade mal für die Zweitimpfungen der früher versorgten Menschen reichen. „Im Juni werden die Erstimpfungen deutlich anziehen“, versprach Bergmann mit Blick auf die Lieferprognosen. Die Betroffenen sollten daher den Kontakt zu ihren Haus- oder Fachärzten halten.

Wen dürfen die Betriebsärzte impfen?

Die Impfungen in Unternehmen starten am 7. Juni. Anspruch auf eine Impfung sollen „alle Betriebsangehörigen“ haben, unabhängig vom Wohnsitz, heißt es im Entwurf zur geänderten Impfverordnung. Damit sind auch Grenzpendler, Saisonarbeiter, freie Mitarbeiter und Minijobber gemeint. Was für die Betriebe wichtig ist: Sollte es zu Impfschäden kommen, haften nicht sie, sondern der Staat. Zudem dürfen Betriebe ihre Mitarbeiter nicht zu Impfungen zwingen. „Mit dem Einsatz der Betriebsärzte kommen jetzt nicht mehr die Menschen zum Impfstoff, sondern der Impfstoff kommt zu den Menschen“, sagte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände (BDA). Dies kann mit Blick auf Impfmuffel hilfreich sein: Es komme bald eine Phase, in der die Menschen zu überzeugen seien, denen der Weg zum Arzt zu weit sei, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Sphan (CDU). „Gelegenheit macht Impfung.“

Wie sieht es mit Astrazeneca aus?

Der Impfstoff mit dem Imageproblem ist kein Ladenhüter mehr: 87,6 Prozent des nach NRW gelieferten Impfstoffes von Astrazeneca seien bereits verimpft, erklärte KV-Chef Bergmann. Zum Vergleich: Bei Biontech seien es 92,6 Prozent. „Es liegt nichts rum, es wird nichts weggeworfen“, betonte Bergmann. Bei Astrazeneca ist die Priorisierung bereits gefallen: Jeder kann sich damit nun impfen lassen, wenn er einen Termin ergattert. Bei unter 60-Jährigen ist (wegen der vereinzelt aufgetretenen Thrombosen) eine individuelle ärztliche Beratung nötig.

Wie kommt die Impfbestätigung in den digitalen Impfpass?

Bislang bescheinigen die Ärzte die Impfung im gelben Impfpass der Weltgesundheitsorganisation oder im weißen Impfbuch, das es früher gab. Doch um sich EU-weit ausweisen zu können, soll es einen digitalen Impfpass geben. Bergmann lehnt es ab, dass Praxen die Impfungen in den digitalen Pass nachtragen: „Das können die Praxen nicht leisten. Wir sollten sie nicht mit administrativen Aufwand belasten.“ Statt dessen sollten Bürgerbüros oder Apotheken diese Aufgabe übernehmen.