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Missbrauch in der katholischen Kirche: Woelki entschuldigt sich bei Opfern

Missbrauch in der katholischen Kirche : Woelki entschuldigt sich bei Opfern

Fünf Jahre ist es her, dass der Missbrauchsskandal vom Berliner Canisiuskolleg aus bundesweit über kirchliche Schulen hereinbrach.

Am Mittwoch gab das Erzbistum Köln den Startschuss zu einem von ihm finanzierten und bis 2016 angelegten wissenschaftlichen Projekt zu sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt am "Collegium Josephinum Bad Münstereifel".

"Ich habe großen Respekt vor dem Mut der Betroffenen, ihr Leid öffentlich zu machen und damit auch andere Betroffene zur Offenlegung zu ermutigen", erklärte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zu den bislang bekannt gewordenen Fällen am früheren Erzbischöflichen Konvikt, einem 1997 aufgegebenen Internat für Jungen.

Fünf ehemalige Schüler hätten sich seit 2010 als Opfer sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt geoutet. Im Kolleg habe es ein System des Machtmissbrauchs und der Begünstigung, aber auch des Wegschauens gegeben.

"Für die Opfer bedeutet dies einen enormen Kraftakt. Ich bitte sie und alle betroffenen ehemaligen Schüler des Konvikts um Entschuldigung für das, was ihnen von kirchlichen Mitarbeitern angetan wurde", sagte Woelki. Mit dem Projekt übernehme das Erzbistum Verantwortung für die Taten.

Er fordere alle ebenfalls verletzten Ehemaligen auf, sich bei diesem Aufarbeitungsprojekt zu beteiligen. Ziel sei es, den Opfern Gelegenheit und einen geschützten Raum zu bieten, ihre Erlebnisse und Erfahrungen offenzulegen und Entlastung, Hilfe und Unterstützung zu erfahren. Gegebenenfalls könnten aus den Erfahrungen der Betroffenen auch Anhaltspunkte für die Präventionsarbeit entwickelt werden.

Bundesweit erstmals arbeiten bei diesem Projekt neben externen Wissenschaftlern auch Betroffene selbst mit. Denn als Vertreter ehemaliger Internatsschüler und Mitinitiator ist Professor Werner Becker im Team. Er habe als Kind aus seinem streng katholischen Elternhaus die Leitregel vorgegeben bekommen, Priester ohne Wenn und Aber als absolut unangreifbar zu betrachten, sagte Becker. "Aus dieser Not ergab sich für mich ein Verdrängen der tiefen seelischen Wunden aus meinem Bewusstsein, und das über einen Zeitraum von über 50 Jahren."

Die Projektleitung hat Professorin Claudia Bundschuh (Hochschule Niederrhein). Den Lenkungsausschuss führt Bistums-Justiziarin Daniela Schrader. Dabei ist auch der Bonner Rechtspsychologe Arnfried Bintig, der für das Godesberger Aloisiuskolleg ein ähnliches Projekt durchführte.

Betroffene und Zeugen der Gewalttaten lädt das Erzbistum zu einer Auftaktveranstaltung für Samstag, 28. März, 10.30 Uhr in die Ursulinenschule, Machabäerstraße 47, in Köln ein. Erste Informationen zum Projekt sind unter www.pro-cj.de verfügbar.