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Zuschauer für Sportveranstaltungen: Laschet will Obergrenze kippen - Hoffnung für Vereine

Corona-Obergrenze für Sportveranstaltungen : Ankündigung von Laschet macht Bonner Vereinen Hoffnung

Bislang waren bei Sportveranstaltungen in NRW nur 300 Zuschauer erlaubt, was viele Vereine in wirtschaftliche Schieflage bringen würde. Ministerpräsident Laschet will diese starre Grenze bis Dienstag neu regeln - ein Hoffnungsschimmer für Bonner Vereine.

Das Land Nordrhein-Westfalen will wieder mehr Zuschauer bei Sportveranstaltungen zulassen. Das hat Ministerpräsident Armin Laschet am Rande eines Sportgipfels mit Vertretern verschiedener Sportvereine bekanntgegeben, wie der WDR zuerst berichtete. Demnach könnten in einem Fußballstadion mehrere Tausend Zuschauer zulässig sein. Das Land will bis Dienstag die Corona-Schutzverordnung anpassen, wobei sich die Obergrenze dann nach Sportstätte und Hygienekonzept richte. „Die großen Fußball-Stadien können die Abstandsregeln leichter einhalten als kleine Turnhallen, deshalb wird es die Aufgabe über das Wochenende hinweg sein, passgenaue Konzepte für alle Sportarten zu finden“, sagte Laschet.

Laut eines Sprechers des NRW-Gesundheitsministeriums werde die Corona-Schutzverordnung derzeit überarbeitet. „Deshalb können wir noch keine Details nennen“, sagte er auf GA-Anfrage. Am kommenden Dienstag laufe die aktuelle Version aus, danach sei mit grundlegenden Änderungen im Bezug auf Sportveranstaltungen zu rechnen.

Michael Wichterich, der als Sportmanager des Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn an dem Sportgipfel teilnahm, ist über die angepeilte Lockerung erfreut. „Jetzt werden die Vereine bei den Gesundheitsämtern mehr Anklang für ihre erstellten Hygienekonzepte finden. Bisher galt ja kategorisch die 300er-Grenze“, sagt Wichterich.

Auch andere Bonner Sportvereine begrüßen, dass die starre Grenze von 300 Zuschauern fallen soll. „Als sie das erste Mal rauskam, war das total nachvollziehbar“, sagt Dirk Mazurkiewicz, Vorstandsvorsitzender des Bonner SC. Unverständlich ist für ihn jedoch, warum man sie mit der Zeit nicht angepasst habe – so wie auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. „Wir können 2000 Zuschauer im Stadion haben und trotzdem alle Abstandsregeln einhalten.“ Das Stadion fasst bis zu 10 000 Menschen und hat fünf Eingänge, die geregelte Zuschauerströme zuließen.

„Wir haben schon im Vorfeld ein Konzept erarbeitet, bei dem digitale Tickets eine Rolle spielen und Kontaktpersonen innerhalb einer halben Stunde ermittelt werden können“, erklärte Mazurkiewicz. All diese Anstrengungen seien bei den entscheidenden Stellen bislang nicht berücksichtigt worden. „Von politischer Seite ist das rücksichtslos. Wenn die starre Obergrenze nicht fällt, gehen wir Pleite.“ Mazurkiewicz hofft, dass die Neuregelungen nicht nur für den Profisport gelten. Für Kopfschütteln bei Sportfunktionären in der ganzen Region sorgen die unterschiedlichen Maßstäbe, die bei Sport- und Kulturveranstaltungen angelegt werden. So hat die Stadt Bonn als kommunale Genehmigungsbehörde bei den Bonnlive-Konzerten 2400 Gäste erlaubt, sogar in der Bonner Oper sind mehr als 300 zulässig. „Die Corona-Schutzverordnung hat keine Bemessungsgrenzen zu Personenzahlen bei Veranstaltungen kultureller Art konkretisiert. Entsprechend der gemeldeten Personenzahl, der Veranstaltungsfläche sowie des Ortes überprüfen die Ordnungsbehörde und die untere Gesundheitsbehörde die Geeignetheit der angemeldeten Fläche und der geplanten Maßnahmen“, sagt der Bonner Vize-Stadtsprecher Marc Hofmann. Bei Sportveranstaltungen sei man an die Vorgaben des Landes gebunden. „Es ergibt sich kein rechtlicher Spielraum bei Sportveranstaltungen, da die Besucherobergrenze sowie die Anzahl der zulässigen Spieler- oder Wettbewerbsteilnehmer in der Corona-Schutzverordnung genau definiert und konkretisiert sind.“

Dass in einem alten Bau, wie der Oper Bonn, 30 Prozent der Zuschauerkapazität genutzt werden könnten, sagt Wolfgang Wiedlich, Präsident der Telekom Baskets Bonn, „und im modernen Telekom Dome mit komplettem Luftaustausch nur fünf Prozent“, sei aus den verschiedensten Gründen unverständlich, auch verstoße das gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.

Wiedlich: „Unser aufwendig erstelltes Hygienekonzept wurde vom Gesundheitsamt noch nicht einmal geprüft, weil es die Vorgabe von 300 Zuschauern für Sportveranstaltungen aus Düsseldorf gibt.“ Wenn sich das nun ändere, sei das eine neue wirtschaftliche Überlebenschance. Er plädiere für keine pauschalen Vorgaben, sondern jede Sportstätte sollte nach Zuwegung, Toilettenzahl und Lüftungstechnik individuell beurteilt werden.

Die möglichen Änderungen aus Düsseldorf gelten zunächst jedoch nur für den Sport in NRW und nicht für die Bundesligen. „Wir müssen versuchen, eine bundesweite Lösung zu finden“, sagt Wichterich mit Blick auf unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern. „Liga intern sollte das Ziel sein, dass eine Einheitlichkeit herrscht“, sagt Wichterich.