Kommentar zur Debatte um Ganztagsschulen Flickschusterei

Meinung | Bonn · Auch Studien enthalten manchmal nur Binsenweisheiten. Dass die Länder unterschiedlich in Ganztagschulen investieren, kann in einem föderalen System niemanden überraschen.

 Zwei Schülerinnen sitzen in der Ganztagsschule Barmen in Wuppertal auf dem Flur und machen Hausaufgaben. Die Schule erhielt für ihre pädagogische Arbeit den Schulpreis 2015.

Zwei Schülerinnen sitzen in der Ganztagsschule Barmen in Wuppertal auf dem Flur und machen Hausaufgaben. Die Schule erhielt für ihre pädagogische Arbeit den Schulpreis 2015.

Foto: dpa

Auch wo Bertelsmann-Studie draufsteht, können Binsenweisheiten drin sein. Der Kern des Problems, den das neuste Schriftstück aus Gütersloh beschreibt, ist jedenfalls ein ziemlich alter Hut: Das föderale System in Deutschland fördert gerade in Bildungsfragen manche Unwucht zutage. Eine echte Sensation wäre es hingegen gewesen, wenn alle Bundesländer in gleichem Umfang in den Ausbau von Ganztagsschulen investierten.

Besonders schlecht kommt in dem Gutachten Nordrhein-Westfalen weg. Reflexhaft reagiert dort die zuständige Ministerin auf die Empfehlung, das Land möge die Lernzeiten über die „Schmalspurvariante“ hinaus ausdehnen. So stellt Sylvia Löhrmann im Gegenzug die Qualität der Studie infrage – um im selben Atemzug beflissen zu versichern, das Land werde den Ganztagsausbau weiter fortsetzen.

Dies, sagt die Ministerin mit tiefem Griff in die Phrasenkiste, sei ein Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Interessanter als der wortreiche Verweis auf den zeitlichen Umfang des Angebots wären Informationen der Ministerin darüber, welche schulischen Fortschritte die Kinder aufgrund des Ganztagsbetriebes eigentlich gemacht haben.

Die hielten sich, sagte jedenfalls dieser Tage eine andere aktuelle Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums, eher in Grenzen. Flickschusterei gibt es eben nicht nur in der Bildungspolitik, sondern auch auf dem lukrativen Markt der Fachstudien. Konsensfähig dürfte immerhin ein Punkt sein: Einfach irgendwelche Angebote zu schaffen, genügt nicht. In der Schule kommt es immer noch auf den Inhalt an.