EZB-Entscheidung in den Medien "Gefahr" oder "Tag der Hoffnung"?

BRÜSSEL · Gespaltenes Europa: Gigantische Gefahr", "Ein schwarzer Tag für den Euro" - so oder ähnlich beurteilen viele deutsche Zeitungen den verschärften Krisenkampf der Europäischen Zentralbank (EZB). Die niederländische "Volkskrant" warnt, das neue Gefahren lauerten.

Ein anderes Bild liefert der Blick in Zeitungen aus südeuropäischen Staaten. Dort nahmen viele die EZB-Entscheidung, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen von Sorgenstaaten zu kaufen, vor allem mit Erleichterung auf. Und werteten das Vorhaben als richtige Entscheidung.

Die spanische Zeitung "El País" lobt den der EZB-Beschluss vom Donnerstag. Das sei "Sauerstoff" für Spaniens Ministerpräsident Rajoy. Nun aber müssten er und seine Minister liefern. "Die Regierung kann für ihre eigenen Fehler nun nicht mehr andere verantwortlich machen."

Im kriselnden Portugal sind die Kommentare ähnlich. Die Regierung müsse nun handeln, schreibt beispielsweise "Diário Económico". EZB-Chef Mario Draghi verschaffe kleineren Sorgenstaaten lediglich Luft.

Die portugiesische Zeitung "Público" urteilt: "Ein seltener glücklicher Tag in der Euro-Krise". Angesichts der vielen Ernüchterungen sei der EZB-Plan eine Erleichterung - für den Euro und für Portugal. Der Staat kann sich derzeit nur mit europäischen Notkrediten finanziell über Wasser halten.

Lob für die EZB kommt auch in Frankreich: "Endlich", urteilt die Zeitung "Libération". Dies sei ein "Tag der Erleichterung" und der "riesigen Hoffnung". Die EZB spiele nun den Ball zurück zu den Politikern - schließlich helfe sie nur, wenn ein Staat sich zu Spar- und Reform-Schritten verpflichte.

Ähnlich sieht das der "Figaro". "Danke, Herr Draghi", kommentiert die französische Zeitung. Sie sieht nun die Sorgenstaaten Spanien, Italien und auch Frankreich in der Pflicht, das Vertrauen potenzieller Geldgeber wiederzugewinnen. Viel Beachtung findet der EZB-Beschluss auch in EU-Staaten, die eigene Währungen haben. Die britische "Guardian" kritisiert EZB-Chef Draghi.

Der habe angekündigt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Draghi habe eine "Panzerfaust" versprochen, aber ein "Blasrohr" geliefert. "Eine Währungsunion", urteilt die Zeitung allerdings, "kann nie funktionieren als Versammlung unabhängiger (haushalts-)politischer Staaten." Draghi habe der Politik Zeit verschafft, das zu ändern - auch wenn Politiker wenig Neigung zeigten, eine echte politische Union zu schaffen.