PR-Beraterin deutet an In der CDU-Finanzaffäre soll es Mitwisser gegeben haben

MAINZ · Für den ersten Paukenschlag in der Verhandlung gegen Christoph Böhr sorgt an diesem Tag Gaby Allendorf. Es sei 2005 ein "offenes Geheimnis" gewesen, dass die CDU-Landtagsfraktion den Landtagswahlkampf 2006 mit Steuergeldern vorfinanzieren wollte, sagt die PR-Beraterin im Mainzer Landgericht.

 Angeklagt: der frühere rheinland-pfälzische CDU-Landes- und Fraktionschef Christoph Böhr.

Angeklagt: der frühere rheinland-pfälzische CDU-Landes- und Fraktionschef Christoph Böhr.

Foto: dpa

Per Flurfunk, am Rande von Sitzungen sei das Thema gewesen. Gibt es also doch mehr Mitwisser in der CDU-Finanzaffäre? Der damalige Parteichef Böhr und sein Generalsekretär Claudius Schlumberger jedenfalls hätten davon gewusst. Und womöglich noch andere Politiker? Schwere Anschuldigungen der Zeugin im Untreueprozess gegen Böhr und seine früheren Mitstreiter am vierten Prozesstag.

Schon der Mitangeklagte Markus Hebgen, damals Fraktionsgeschäftsführer, hatte von weiteren "Mitwissern" in der Fraktion gesprochen. Es geht um rund 386 000 Euro, die von der CDU-Landtagsfraktion 2005/2006 illegal in den Wahlkampf der Partei flossen, über eine Düsseldorfer Agentur mit Namen C4. Diese wiederum arbeitete eng mit der PR-Agentur Allendorf Media zusammen.

Josef Rosenbauer war damals stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender und später Generalsekretär. Aus der Landespolitik hat sich der Arzt mittlerweile zurückgezogen, jetzt muss er als Zeuge vor dem Landgericht aussagen. Weder kann er die These angeblicher "Mitwisser" bestätigen, noch das vermeintlich "offene Geheimnis". Doch die Verteidigung knöpft sich den Siegerländer regelrecht vor. Denn dieser war mitverantwortlich dafür, dass der CDU-Landesverband im Dezember 2010 die Vorwürfe der illegalen Parteienfinanzierung einräumte und im Vorgriff 1,2 Millionen Euro Strafe an den Deutschen Bundestag zahlte. Thomas Spintig, Anwalt von Hebgen, hält diesen Schritt für politisch motiviert. Schließlich war im Frühjahr 2011 Landtagswahl, bei der die neue Parteivorsitzende Julia Klöckner als Spitzenkandidatin antrat.

Rosenbauer betont im Gerichtssaal, die Einsicht in Akten und eine Verfügung der Staatsanwaltschaft hätten damals zu neuen Erkenntnissen geführt. Die Annahme, dass sauber zwischen den Finanzen von Fraktion und Partei getrennt worden sei, habe man nicht mehr aufrecht erhalten können.

Gaby Allendorf, Inhaberin der Agentur Allendorf Media, muss lang und breit erklären, worin ihre Leistungen für die CDU und Christoph Böhr bestanden. Auch gegen sie hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt, aber die Ermittlungen gegen eine Geldauflage eingestellt. Die Ausführungen Allendorfs werfen ein Schlaglicht darauf, wie sich Parteien und ihre Führungsfiguren Rat bei PR-Agenturen einholen, um ihr Image aufzupolieren. Die blonde Frau, die auch Moderator Stefan Raab zu ihren Kunden zählte, war unter anderem für Pressekonferenzen und Fernsehauftritte verantwortlich. Das ging sogar so weit, dass sie Böhr riet, vor einem TV-Quiz zum Friseur und zum Zahnarzt zu gehen.

Zwischen Fraktion und Partei habe sie bei ihrer Arbeit nicht unterschieden, sagt die 54-Jährige heute, die einst in der CDU-Bundesgeschäftsstelle und im Verteidigungsministerium gearbeitet hatte. "Für mich war die CDU die CDU."

Hebgen habe mit Fraktionschef Böhr "leichtes Spiel gehabt", so die PR-Frau weiter. "Böhr war nicht in der Lage zu delegieren und zu kontrollieren." Um administrative Dinge habe er sich nicht gekümmert. Allendorf berichtet von teils chaotischen Zuständen in der Fraktion und einem höchst unsicheren und sprunghaften Böhr. "Ich hatte den Eindruck, dass er massiv unter Druck stand, die Wahl zu gewinnen und Ministerpräsident zu werden." Bekanntlich wurde aus diesen Plänen nichts.

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