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Kommentar zur Klimakonferenz in Bonn: In die Zukunft

Kommentar zur Klimakonferenz in Bonn : In die Zukunft

An den Erfolg der Klimakonferenz gilt es jetzt anzuknüpfen. Bonn ist nicht mehr Hauptstadt, aber es kann in der Politik weiter eine wichtige Rolle spielen, kommentiert Helge Matthiesen.

Für die Bonner Hauptstadt-Nostalgiker war es ein bisschen so wie früher. Die Ortsmarke Bonn beherrschte die Nachrichten, die Kanzlerin war da und der Präsident am gleichen Tag. Eine kleine Stadt im Mittelpunkt weltweiter Aufmerksamkeit. Aber es war nicht so wie früher, es war wohl eher so wie morgen und übermorgen. Bonn hat in diesen zwei Wochen einen großen Schritt nach vorne getan.

Es hat seine neue Bestimmung angenommen, die aus der alten hervorgeht: In der eher ruhigen rheinischen Umgebung lässt sich perfekt über die Rettung der Welt sprechen. Menschen aus über 190 Ländern kommen hier zusammen, um konstruktiv an einem Menschheitsproblem zu arbeiten. Das gibt es nur beim Thema Klimaschutz, und das gibt es in Deutschland und in dieser Form weltweit bisher nur in Bonn. Zeuge zu sein, für diesen ganz besonderen Moment der Debatte um die Zukunft aller Menschen, war für Bonn ein Geschenk.

Die Klimakonferenz war nicht darauf angelegt, spektakuläre Verabredungen zu treffen. Sie war eine Arbeitskonferenz. Für solche Treffen gibt es kaum einen besseren Ort. Die Stadt ist übersichtlich, die Ablenkung gering. Hier kommen auch Delegationen ins Gespräch, deren Länder sich auf anderen Politikfeldern bekriegen. Hier liegt in Zukunft die politische Bedeutung Bonns. Es ist der Ort, um zu verhandeln und weit auseinanderliegende Positionen zu verbinden. Das ist ein bisschen so wie früher, aber es ist vor allem neu, denn es geht um einen weit größeren Horizont.

Bonn war Gastgeber der größten internationalen Konferenz, die je auf deutschem Boden stattgefunden hat. Nur wenige Städte weltweit bringen überhaupt die Fähigkeit mit, eine Veranstaltung dieser Dimension und Bedeutung auszurichten. Bonn hat sich hervorragend geschlagen.

Die Bonner waren interessierte und gelassene Gastgeber. Die Organisation klappte, der Verkehr rollte auch nicht schlechter als an anderen Tagen. Die Gäste fühlten sich offenbar so wohl, dass sie gute Gespräche führen konnten. Demonstrationen verliefen wie meist in Bonn, das quasi unfähig zur politischen Aufregung ist. Die Stadt nutzte die Gelegenheit, sich unaufdringlich und freundlich zu präsentieren, mit Musik, Kultur, Karneval und dem Blick nach vorn auf das Beethoven-Jahr 2020. Funktioniert hat auch die Nachbarschaft, denn die Gäste wohnten und reisten zwischen Koblenz, Eifel und Köln.

An den Erfolg der Klimakonferenz gilt es jetzt anzuknüpfen. Bonn ist nicht mehr Hauptstadt, aber es kann in der Politik weiter eine wichtige Rolle spielen. Das WCCB ist einst geplant und gebaut worden, um diese Chance zu nutzen. Dass diese Investition konzeptionell richtig war, steht jetzt nicht mehr in Frage.

Wenn es erfolgreich läuft, lassen sich auch die katastrophalen finanziellen Begleiterscheinungen leichter tragen. Dort sollte es demnächst auch um die anderen Themen gehen, für die Bonn in Zukunft stehen wird: Die Entwicklungshilfe, die Bildung, die Wissenschaft, das Thema Gesundheit und das große Zukunftsthema Digitalisierung. Es wird vermutlich lange dauern, bis wieder eine Konferenz dieser Dimension nach Bonn kommt. Doch auch im kleineren Maßstab sollte es gelingen, die Stärken der Stadt auszuspielen.

Die Basis dafür ist geschaffen. Im Kleinklein des kommunalen Miteinanders darf nicht vergessen werden, dass es eine Gemeinschaftsleistung vieler Menschen in Bonn und in der Nachbarschaft war. Wenn die sich bei neuen Entscheidungen daran erinnern, dass es manchmal nötig ist, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, dann hat die Stadt mehr gewonnen als Profil.