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Kommentar zum angeblichen Gen-Experiment in China: Menschenverachtend

Kommentar zum angeblichen Gen-Experiment in China : Menschenverachtend

Was immer jedenfalls dieser He Jiankui getan oder auch nur behauptet hat, es ist an Zynismus nicht zu überbieten, kommentiert Raimund Neuß das angebliche Gen-Experiment in China.

Hat er es wirklich getan? Oder handelt es sich nur um Prahlerei? Ein Forscher, der seine angebliche genetische Manipulation an menschlichen Embryonen per Youtube-Video statt in einem geprüften Fachaufsatz publiziert, ist von wissenschaftlicher Seriosität jedenfalls weit entfernt – sofern man bei seinem Ansatz überhaupt von Seriosität sprechen kann. Was immer jedenfalls dieser He Jiankui getan oder auch nur behauptet hat, es ist an Zynismus nicht zu überbieten.

Zwei weibliche Zwillingsembryonen werden mit einer Genschere behandelt, einer soll dadurch eine Immunität gegen den Aids-Erreger HIV erhalten, der andere ist nicht immun. Beide werden der Mutter eingepflanzt. Auch wenn die Manipulation an sich, die He vorgenommen haben will, eher am unteren Rand der theoretischen Möglichkeiten läge – es würde ein Gen deaktiviert, keine neue Erbinformation eingeschleust –: Welche Neben- oder Spätfolgen ein solcher Eingriff haben könnte, ist ungewiss. Die Grundlagenforschung ist noch nicht so weit, um das abschätzen zu können. Ein Menschenversuch mit unfreiwilligen Teilnehmerinnen also, möglicherweise einer auf Leben und Tod.

Selbst wenn Hes Angaben sich als Fake herausstellen sollten: Es ist bekannt, dass in China solche Versuche – nur bislang nicht bis zur Geburt des Kindes – gemacht werden, dass man dort überdies auch am Klonen von Menschen arbeitet. Das passt zu einem konsequent amoralischen System, dessen Vertreter so tun, als seien sie uns europäischen Bedenkenträgern klar überlegen. Deshalb sollte man auch nicht zu viel Hoffnung auf den Protest chinesischer Kollegen setzen.