Kommentar zur Kriminalität in der Silvesternacht Mit der Gesetzeskeule

Meinung · Wer den Rechtsstaat schwach erlebt, verletzt leicht Grenzen. Deshalb muss es mehr Richter und Staatsanwälte geben.

 Silvester auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs in Köln: Nach den Übergriffen auch in anderen Großstädten soll es jetzt mehr Richter und Staatsanwälte geben.

Silvester auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs in Köln: Nach den Übergriffen auch in anderen Großstädten soll es jetzt mehr Richter und Staatsanwälte geben.

Foto: dpa

Erst langsam wird das ganze Ausmaß der Übergriffe in der Silvesternacht offenbar. Die „Schande von Köln“ war kein lokaler Skandal, es war ein landesweites Phänomen in Großstädten des Landes. Viel zu lange haben Politik und Polizei weggeschaut, wenn Gruppen junger Migranten Gesetze und Regeln verhöhnt haben. Die erschütternde Bilanz der sexuellen Übergriffe verlangt ein Umdenken. Das Vertrauen in den Rechtsstaat der Bürger wird nachhaltig erschüttert, wenn Tatverdächtige immer wieder straflos bleiben, weil Richter und Staatsanwälte personell überfordert sind und Verfahren einstellen.

Auch haben wir es bisher versäumt, jungen Männern aus Kulturkreisen mit einem minderwertigen Frauenbild unsere gesellschaftlichen Normen zu vermitteln. Wer den Rechtsstaat schwach erlebt, verletzt leicht Grenzen. Nicht nur Politik und Polizei, auch die Justiz muss sich selbstkritisch prüfen, ob wirklich alles getan wurde, um Tätern schnell und konsequent unsere Werte- und Rechtsordnung zu verdeutlichen. Das wird ohne eine Aufstockung bei Richtern und Staatsanwälten nicht möglich sein.

Der Sex-Mob unter den Augen der Polizei ist ein Warnruf. Erst nach den Anzeigen in Köln haben auch Frauen in anderen Großstädten bei der Polizei Übergriffe angezeigt. Offenbar haben sich viele Opfer vorher nicht getraut, ihre Ängste und Erlebnisse in der Silvesternacht öffentlich zu machen – das stimmt nachdenklich. Täter müssen aber begreifen, dass Frauen in unserer Gesellschaft kein Freiwild sind. Notfalls mit der Keule des Gesetzes.

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