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Synode in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Präses Manfred Rekowski fordert Umbau der Kirche

Synode in Bad Neuenahr-Ahrweiler : Präses Manfred Rekowski fordert Umbau der Kirche

Präses Manfred Rekowski dreht in seinem mit großer Spannung erwarteten ersten "Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse" vor der in Bad Neuenahr-Ahrweiler bis kommenden Dienstag tagenden Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland plötzlich den Spieß um.

Nicht der Staat finanziert die Kirche, so der oft erhobene Vorwurf im Zusammenhang mit den sogenannten Staatsleistungen, sondern die Kirche finanziert den Staat. Beispielsweise bei den rund 800 Kindertagesstätten der mit knapp 2,8 Millionen Mitgliedern zählenden zweitgrößten Landeskirche mit 60 Millionen Euro pro Jahr.

Anderthalb Stunden dauert der mit ruhiger Stimme vorgetragene Bericht, der weder die Leistungen der rheinischen Kirche in 2013 aufzählt, noch Staat und Politik vorrechnet, was alles anders werden muss. Keine Appelle an die Regierung im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen oder die große Koalition in Berlin, dafür die Erneuerung des Gesprächsangebotes an die Gewerkschaft ver.di im Zusammenhang mit dem kirchlichen Arbeitsrecht, das im sogenannten Dritten Weg kein Streikrecht für die mehrere Hunderttausend Mitarbeiter in Kirche und Diakonie vorsieht.

Doch ganz ohne politische Forderungen kommt auch Präses Rekowski nicht aus: "In besonderer Weise erfüllt uns die Situation in Syrien und in den Nachbarländern mit großer Sorge." Dass Deutschland insgesamt 10 000 syrische Flüchtlinge aufnimmt, hält er angesichts der deutschen Wirtschaftskraft für "völlig unangemessen". 100 000 sollten es schon sein. Schließlich habe Deutschland während des Bosnienkrieges in den 1990er Jahren 320 000 Bürgerkriegsflüchtlinge vorübergehend aufgenommen: "Wir erwarten auch von politischer Seite deutlich mutigere Schritte, der Verantwortung Deutschlands gerecht zu werden."

Dreh- und Angelpunkt ist für Präses Rekowski in seiner ersten Grundsatzrede vor der Landessynode, die ihn vor einem Jahr an gleicher Stelle zum Leitenden Geistlichen der rheinischen Kirche gewählt hat, die Situation der Kirche in einem zunehmend schwieriger werdenden gesellschaftlichen Umfeld, die künftig nicht mehr Geld ausgeben darf als sie hat. Auch wenn sie den Gürtel enger schnallen muss - die Synode wird bis Dienstag über strukturelle Einsparungen im landeskirchlichen Haushalt über acht Millionen Euro entscheiden und die Weichen für Einsparungen von zwölf Millionen Euro stellen, über die in einem Jahr entschieden wird.

Keinesfalls redet der Präses einer neuen Innerlichkeit der Kirche das Wort: "Der Glaube wird immer parteilich und diakonisch sein und so Gemeinschaftsgerechtigkeit und Gemeinwohl zum Thema machen." Gleichzeitig erhofft sich der Präses auch von einer kleiner werdenden Kirche (man rechnet mit nur noch 2,3 Millionen Mitgliedern in 2030 mit unter 1000 Gemeindepfarrern), dass sie für den einzelnen Menschen da ist.

Nicht zuletzt erhofft sich der Geistliche der sich auf vier Bundesländer erstreckenden Landeskirche, von der Zukunft der Kirche, dass sie "Neues denkt". Das kann sie aber nur dann, wenn sie auf einem soliden finanziellen Fundament steht. Sofort stellt sich die Frage, ob sich die Kirche auch in Zukunft an wirtschaftlichen Unternehmen beteiligen soll. Das Fiasko mit dem im kirchlichen Besitz befindlichen Beihilfe- und Bezügezentrum (bbz) sitzt allen Synodalen nach wie vor tief in den Knochen. Um die Firma mit rund 100 Angestellten vor der Insolvenz aufgrund betrügerischer Machenschaften zu retten, musste die Landeskirche über 20 Millionen Euro bereitstellen.