Personalnot 15.600 Betreuer fehlen in Kitas in NRW

Düsseldorf · Eine bundesweite Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen 15.600 Betreuer in Kitas fehlen. Wie gut die Betreuung ist, hängt vom Wohnort ab.

 15.600 Betreuer fehlen in nordrhein-westfälischen Kitas.

15.600 Betreuer fehlen in nordrhein-westfälischen Kitas.

Foto: picture alliance/dpa/Monika Skolimowska

In den nordrhein-westfälischen Kitas fehlen 15 600 Vollzeitbetreuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die Untersuchung sieht zwar Verbesserungen, stellt aber fest: "Die Betreuungssituation in den Kitas ist noch immer nicht kindgerecht und stellt zudem eine hohe Arbeitsbelastung für die Fachkräfte dar." Zwar habe sich das Kita-Personal in NRW seit 2013 um fast 50 Prozent auf 114 219 Personen erhöht. Zugleich stieg aber die Zahl der betreuten Kinder in den Kitas von 551 506 auf 595 383.

NRW liegt damit unter den westdeutschen Ländern im Mittelfeld. Der Anspruch der schwarz-gelben Landesregierung ist es, in die Spitzengruppe vorzurücken. Leicht verbessert hat sich die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Erzieher (Betreuungsschlüssel) bei den über Dreijährigen: 2013 kümmerte sich eine Erzieherin um 9,6 Kinder, im März 2018 waren es 8,7. In den Kitas für unter Dreijährige habe sich die Situation hingegen leicht verschlechtert: von 3,6 auf 3,7 Kinder. Zu beachten sei aber, dass ein Drittel der Arbeitszeit auf nichtpädagogische Tätigkeiten wie Elterngespräche entfalle.

Betreuung hängt von Wohnort ab

In NRW hängt es der Studie zufolge stark vom Wohnort ab, wie gut die Betreuung ist. Auf eine Erzieherin in einem Kindergarten in Duisburg oder im Kreis Olpe kommen durchschnittlich 10,1 Kinder. Dagegen kümmert sich eine Kollegin in Bonn um durchschnittlich 8,3, im Rhein-Sieg-Kreis um 8,7 Kinder. Am besten schneiden Paderborn und Münster ab (8,0). Bei Krippen ist die Personaldecke in den Kreisen Olpe (4,7) und Kleve (4,3) besonders dünn. Bonn (3,7) und der Rhein-Sieg-Kreis (3,8) liegen im Mittelfeld.

Die Studie trifft in NRW einen Nerv. Für den kommenden Montag ist im Landtag eine zehnstündige Experten-Anhörung zum neuen Kinderbildungsgesetz ("Kibiz") angesetzt. Die Landesregierung will künftig jedes Jahr 1,3 Milliarden Euro mehr in Kitas investieren und ein zweites beitragsfreies Kita-Jahr einführen. Kritik kommt insbesondere vonseiten der freien Träger wie Kirchen und Wohlfahrtsverbänden, die drei Viertel der Kitas im Land führen. Mit dem neuen Kibiz sei eine auskömmliche Finanzierung noch immer nicht gesichert, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der drei evangelischen Landeskirchen und fünf katholischen Bistümer vom Donnerstag.

Kitas leiden unter Fachkräftemangel

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) widersprach der Kritik: Erstmals würden die Kosten durch eine ständige Dynamisierung der Kindpauschalen aufgefangen. Kirchen und Wohlfahrtsverbände forderten für ihre Kitas gerne mehr, als sie wirklich benötigten, so Laschet. Die Kitas hätten nicht in erster Linie ein finanzielles Problem, sondern litten unter dem Fachkräftemangel, der sich nicht so leicht beheben lasse.

Die Kirchen sehen hingegen insbesondere bei den Sachkosten eine Finanzierungslücke von 570 Millionen Euro. "Der Warenkorb, der den Berechnungen zugrunde liegt, stammt aus den früheren 2000er Jahren", sagte Ferdinand Claasen, zuständig für Bildungspolitk beim Katholischen Büro inNordrhein-Westfalen. Teuerungen durch erhöhte Brandschutzanforderungen, Datenschutz oder die Digitalisierung seien nicht berücksichtigt. Es sei bisher auch unklar, ob die freiwilligen Zuschüsse der Kommunen von 150 Millionen Euro für die freien Träger auch künftig noch flössen.

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