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Nach dem Flugzeugunglück: Warum konnte nur ein Pilot gerettet werden?

Nach dem Flugzeugunglück : Warum konnte nur ein Pilot gerettet werden?

Es gibt Kritik an gefährlichen Manövern nach dem Absturz von zwei Kampfjets an der mecklenburgischen Seenplatte. Fragen und Antworten rund um das Unglück.

Teile der mecklenburgischen Seenplatte sind zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden, in dem 300 Soldaten nach jedem Wrackteil suchen, um die Ursache für die Kollision und den Absturz von zwei modernen Eurofighter-Kampfjets am Montag aufzuklären.

Bei welchem Flugmanöver stießen die Jets zusammen?

Nach ersten Berichten befanden sich drei Piloten mit ihren Eurofightern 20 Minuten nach dem Start in Laage (südlich von Rostock) in einer der üblichen Combat-, also Kampfübungen. Dabei wird ein Luftkampf simuliert, der mal im Eins-zu-Eins-Format, mal im Zwei-zu-Eins- oder auch im Zwei-zu-Zwei-Format verläuft. Eine oder zwei Maschinen markieren den eingedrungenen Gegner. Der oder die anderen versuchen sie zu bekämpfen. Die Jets am Montag waren alle unbewaffnet.

Wie herausfordernd war die Übung?

Sie stellt deutlich höhere Anforderungen an die noch in der Ausbildung steckenden Piloten als im normalen Übungsflugbetrieb. Beim Eins-zu-Eins-Kampf kann auch ein relativ junger Pilot meist gut verfolgen, wo sich das andere Flugzeug jeweils befindet. In hohem Tempo, wenn sich, wie am Montag, drei Jets dreidimensional um sich herum bewegen, kann das auch schon einmal kurzfristig verloren gehen. Deshalb bauen die Ausbildungsabschnitte aufeinander auf. Nur wer die Grundlagen der aktuellen Stufe perfekt beherrscht, wird an die nächste herangeführt. Auch der 27-jährige Oberleutnant, der den Absturz nicht überlebte, konnte bereits 400 Flugstunden vorweisen. Der Pilot des anderen abgestürzten Jets, ein erfahrener Oberstleutnant, hatte 3700 absolviert.

Kann ein technischer Defekt zur Kollision beigetragen haben?

Das wird für nicht sehr wahrscheinlich gehalten. Die Einsatzbereitschaft der Eurofighter liegt derzeit nach Ministeriumsangaben bei 60 Prozent aller Maschinen. Doch sobald die viele Monate dauernde Generalüberholung abgeschlossen ist und auch die nach jeder Flugstunde fälligen neunstündigen Wartungen erfolgt sind, gelten die Jets als technisch äußerst verlässlich. Viele Systeme sind mehrfach abgesichert, die Bordcomputer liefern vor dem Start und während des Fluges eine ständige Bereitschaftsanzeige. Dennoch wird der General Flugsicherheit mit seinen Teams nun versuchen, die Jets aus den sichergestellten Teilen zu rekonstruieren. Erste Hinweise versprechen sich die Aufklärer aus den beiden geborgenen Flugschreibern.

Gab es bisher schon einmal ähnliche Unglücke?

In Deutschland nur eines: Vor fünf Jahren kollidierte ein Eurofighter mit einem Learjet über dem Sauerland. Die beiden Learjet-Piloten kamen ums Leben, als sie bei einer Abfangübung mit dem Kampfjet zusammenstießen und ihr Flugzeug noch vor dem Aufprall in Flammen aufging. Nach den Ermittlungen hatten die Learjet-Piloten beim Kurvenflug den Sichtkontakt verloren. Zudem war ein Pilot durch einen Computer auf seinen Knien abgelenkt. Der stark beschädigte Eurofighter konnte in Nörvenich sicher landen.

Warum konnte nur ein Pilot gerettet werden?

Das ist noch unklar. Beide Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten, hieß es. Dann wurden Leichenteile gefunden. Deshalb gibt es besonderen Klärungsbedarf beim Funktionieren des Schleudersitzes vom Typ Mk. 16a, der als äußerst zuverlässig galt.

Wie gefährlich war die Situation für die Bevölkerung?

Die Bedrohung ist nicht zu unterschätzen. Die Jets stürzten in einer Region ab, in der sich viele Urlauber im Freien aufhielten. Ein Wrackteil schlug nur 40 Meter von einem Kindergarten entfernt ein. Die Bürgermeister der Region verlangten einen Stopp der Tiefflugübungen. Die Linke im Schweriner Landtag bezeichnete die Übungen als überflüssig. Dem widersprach der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels. Die Sicherheit des Flugbetriebs hänge davon ab, dass die Piloten so viel wie möglich übten.

Hat der Zustand der Bundeswehr mit dem Unfall zu tun?

Thomas Wassmann, Verbandschef der Bundeswehr-Jetpiloten, bringt es auf die Formel: „Es würde den Piloten gut tun, wenn sie mehr intaktes Fluggerät hätten, um auch mehr üben zu können.“ Er erkennt jedoch an, dass Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz die Abläufe, etwa bei den externen Wartungen, schon deutlich optimiert hat, um mehr einsatzbereite Jets zur Verfügung zu haben. Mit mehr Geld bekomme die Truppe die durch permanentes Sparen in der Vergangenheit angerichteten Probleme auch nicht über Nacht in den Griff.