Arnaud Montebourg - Ein schillernder Rebell Wirtschaftsminister bringt mit seiner Kritik die Regierung zum Kollaps

PARIS · Es ist unverkennbar, welchen Beruf Arnaud Montebourg gelernt und ausgeübt hat, bevor er in der Politik Karriere machte und zuletzt zum französischen Wirtschaftsminister aufstieg: Der wortgewaltige 51-Jährige ist Anwalt.

 Furcht davor, bei seiner Umwelt anzuecken, hatte er nie: Arnaud Montebourg lästerte selbst am Montag noch über Hollande.

Furcht davor, bei seiner Umwelt anzuecken, hatte er nie: Arnaud Montebourg lästerte selbst am Montag noch über Hollande.

Foto: dpa

Mit weit ausholenden Gesten und geschliffenen Formulierungen tut er seine Überzeugungen kund: Dass Frankreich auf "patriotischen Protektionismus" setzen und der Staat die Wirtschaft lenken müsse, dass die Globalisierung zu weit fortgeschritten und den meisten Managern nicht über den Weg zu trauen sei. "Liberal" gilt ihm als Schimpfwort.

Auch vor ungewöhnlichen Aktionen schreckt er nicht zurück: Um seine Kampagne für Produkte "Made in France" zu bewerben, posierte Montebourg im Matrosenhemd der bretonischen Firma Armor Lux und mit einem Moulinex-Küchengerät für die Titelseite eines Magazins.

So gehörte er bislang zu den schillerndsten Figuren der französischen Regierung, die er nun verlassen hat - nicht ohne eine letzte flammende Rede, in der er sich nochmals als Anwalt der einfachen Bürger darstellte, die er vor einer völlig verfehlten Sparpolitik verteidigen wolle.

Präsident François Hollande diente er im Kabinett nicht nur als Vertreter der Parteilinken, sondern auch aufgrund seiner großen Popularität in der Bevölkerung: In Umfragen kürten ihn Frauen schon zum "sexysten Politiker" des Landes. Der geschiedene Vater von zwei Kindern bildete zeitweise ein Promi-Paar mit der Star-Journalistin Audrey Pulvar, von der er sich inzwischen wieder getrennt hat.

Politisches Gewicht erhielt Montebourg durch seinen dritten Platz bei der parteiinternen Kandidatenkür der Sozialisten vor den Präsidentschaftswahlen. Mit 17 Prozent der Stimmen positionierte er sich hinter François Hollande und Martine Aubry, aber deutlich vor dem heutigen Premierminister Manuel Valls. So konnte er sich als eine der Führungsfiguren des linken Parteiflügels profilieren.

Zunächst wurde Montebourg dem Wirtschaftsressort beigeordneter Minister für "produktiven Wiederaufbau" mit der Aufgabe, die Reindustrialisierung Frankreichs zu organisieren. Bei der Regierungsumbildung im März erhielt er dann das gesamte Wirtschaftsministerium. Dort setzte er im Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen auf massive staatliche Einmischung, etwa beim Einstieg Frankreichs beim krisengeschüttelten Autobauer PSA Peugeot Citroën oder beim Übernahmekampf des französischen Industriekonzerns Alstom durch den US-Konkurrenten General Electric.

Um die Übernahme zu verhindern, holte er selbst Siemens mit ins Boot - vergeblich. Montebourg selbst zählt Jean-Baptiste Colbert zu seinen Vorbildern, der als Finanzminister des Sonnenkönigs Ludwig XIV. für eine merkantilistische Wirtschaftspolitik stand.

Furcht, mit seinen verbalen Attacken anzuecken, hatte das Enfant terrible der französischen Sozialisten nie: Ob mit dem Vorwurf gegen den damaligen Premier Jean-Marc Ayrault, er verwalte Frankreich wie eine Provinzstadt oder gegen die Beamten in Brüssel, sie seien "Idioten".

Wer Unterhaltungswert in der Politik schätzt, wird Arnaud Montebourg vermissen. Doch er hat selbst angekündigt, nicht abzutauchen: "Ich werde weiterhin mit den Franzosen arbeiten." Noch am Montag, zum großen Paukenschlag in Paris, erneuerte er seine Kritik.

Aus seiner Sicht sollten Deutschland und Europa mehr Gewicht auf Wachstumspolitik legen. Von Präsident Hollande forderte Montebourg ein energischeres Auftreten gegenüber der deutschen Regierung. Still wird es sicher nicht um ihn. Nur in der Regierung möchte er in Zukunft dann lieber doch nicht mehr arbeiten, räumte er am Montagabend ein.

Die Zusammensetzung des künftigen Kabinetts soll am Dienstag bekanntgegeben werden. Der Präsident forderte eine Regierung, die im Einklang mit seinen Leitlinien für das Land stehe.

Die Bundesregierung wollte die Vorgänge in Frankreich nicht kommentieren. Allerdings seien aus Sicht der Bundesregierung Wachstum und Konsolidierung "kein Gegensatz", sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter.

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