Deutsche Bank Zahlung von 900 Millionen Euro an Kirch-Erben

MÜNCHEN · Seinen Triumph über die Deutsche Bank und deren Ex-Chef Rolf Breuer hat Pleitier Leo Kirch nicht mehr erlebt. Im Juli 2011 war der einstige Herr eines untergegangenen Medienimperiums gestorben, nachdem er kurz zuvor noch gezeichnet von Krankheit und Alter als 84-Jähriger im Schadenersatzprozess gegen Deutschlands größtes Bankhaus ausgesagt hatte.

 Im Gerichtssaal: Der mittlerweile verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (links) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, sitzen bei der Fortsetzung von Kirchs Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Bank im März 2011 im Oberlandesgericht in München.

Im Gerichtssaal: Der mittlerweile verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (links) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, sitzen bei der Fortsetzung von Kirchs Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Bank im März 2011 im Oberlandesgericht in München.

Foto: dpa

Seine und Breuers Erben haben es nun zu Ende gebracht. Gut 900 Millionen Euro zahlt die Deutsche Bank für einen Vergleich im vor zwölf Jahren begonnenen Rechtsstreit, erklärten beide Parteien. Alle zivilrechtlichen Ansprüche der Kirchseite gegen das Bankhaus seien damit abgegolten. Nun steht der Preis für das teuerste Interview aller Zeiten fest.

Am 3. Februar 2002 hatte Breuer den so sperrigen wie fatalen Satz gesprochen. "Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenkapitalmittel zur Verfügung zu stellen."

Damit hatte der damalige Konzernchef seinem Kreditkunden Kirch öffentlich jede Kreditwürdigkeit abgesprochen. Nach dem Kollaps seines Medienimperiums im April 2002 hatte Kirch das mit einer prägnanten Aussage quittiert. "Erschossen hat mich der Rolf", meinte der Pleitier und eröffnete eine wahre Prozessorgie gegen die Bank.

Mehrere Milliarden Euro Schadenersatz wollten er und seine Erben erstreiten, allen voran seine 86-jährige Witwe Ruth. Gut 900 Millionen Euro sind es nun geworden, inklusive Zinsen und weiterer Kosten. Die Deutsche Bank hätte es schon einmal 100 Millionen Euro billiger haben können. Bereits 2012 lag ein unterschriftsreifer Vertrag für einen Vergleich auf dem Tisch, damals über gut 800 Millionen Euro. Aber da war Josef Ackermann noch Chef der Deutschen Bank, der beim Untergang des Kirch-Imperiums selbst eine der handelnden Personen war.

Heute hat mit den Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain sowie Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei der Deutschen Bank eine neue Managergarde das Sagen, für die das Geschehen 2002 nur noch belastende Historie ist, aber nicht mehr eigenes Erleben oder ein Stück persönliche Verantwortung. Am Ende wurde deshalb nur noch dezent um den Preis gefeilscht.

"Mit der heutigen Vereinbarung legen wir einen altbekannten und langjährigen Rechtsstreit bei", erklärten Fitschen und Jain emotionslos. "Der Deutschen Bank war es wichtig, optisch unter einer Milliarde Euro zu bleiben", sagt ein Insider über die letzten Züge der Verhandlungen. Das Vorjahresergebnis der Frankfurter schmälert der Vergleich um netto 350 Millionen Euro. Der größere Rest der Vergleichssumme war zurückgestellt.

Die nun ausgehandelte Summe fließt nun zur Hälfte in die Kassen der Kirch-Erben. Die andere Teil steht Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffe zu. Diese Aufteilung ist vorverhandelt. Auch Kirch-Gläubiger können sich damit doch noch einmal die Hände reiben.

Schlecht sieht es für den Mann aus, der das wohl teuerste Interview aller Zeiten gegeben. Die Deutsche Bank sei aktienrechtlich nun verpflichtet, Breuer in Regress zu nehmen, sagen Juristen. Die für ihn seinerzeit abgeschlossene Managerhaftpflichtpolice ist für den nun feststehenden Schaden nicht ausreichend.

Die Deutsche Bank will derzeit nicht sagen, was der Vergleich für ihren ehemaligen Vorstandschef bedeutet. Das weitere Vorgehen wird intern geprüft, heißt es in Frankfurt. Für den 76-jährigen, der stets jede Mitschuld am Kollaps des Kirch-Imperiums von sich gewiesen hatte, dürfte es ungemütlich werden. Niemals sei es seine Absicht gewesen, Kirch durch öffentlichen Zweifel an seiner Kreditwürdigkeit in eine derart aussichtlose Lage zu manöverieren, dass dieser nur noch mit Hilfe und Beratung der Deutschen Bank den Kopf hätte aus der Schlinge ziehen können, hatte Breuer im Schadenersatzprozess bis zuletzt beteuert.

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