Sicherheit im Fokus Bahngewerkschaft EVG droht mit Zugausfällen zur EM

Berlin · Sollte die Sicherheit des Bahnpersonals nicht gewährleistet sein, will die Gewerkschaft notfalls Dienstpläne ablehnen. Der Vorstand sagt 900 zusätzliche Sicherheitskräfte zu. Der Bahnchef will den Streit bei DB Cargo nun selbst schlichten.

Mitarbeiter von DB-Sicherheit stehen neben einem Regionalzug. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG befürchtet, dass zur Fußball-EM zu viel Sicherheitspersonal fehlt.  Foto: dpa

Mitarbeiter von DB-Sicherheit stehen neben einem Regionalzug. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG befürchtet, dass zur Fußball-EM zu viel Sicherheitspersonal fehlt. Foto: dpa

Foto: dpa/Andreas Arnold

Während der Fußball-Europameisterschaft könnten auf manchen Linien die Züge stillstehen. Damit droht die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), wenn die Sicherheit in den Zügen nicht durch ausreichend vorhandenes Personal gewährleistet werden kann. Mit den bisherigen Ankündigungen des Bahnvorstands gibt sich die Gewerkschaft nicht zufrieden. „Wenn die Botschaft nicht verstanden wird, wird es während der EM stillstehende Züge geben“, kündigt EVG-Vize Christian Loroch an.

Während des Turniers rechnen Fachleute mit einem zusätzlichen Passagieraufkommen von bis zu drei Millionen Fahrgästen. Darunter dürften auch Fans sein, die Krawall an Bahnhöfen und in den Zügen im Sinn haben. Da die Zahl der tätlichen Übergriffe auf Zugbegleiter oder Kundenbetreuer ohnehin schon stark angestiegen ist, fürchtet die Gewerkschaft Gefahren für die Beschäftigten. In einem Gespräch des Gesamtbetriebsrats mit Bahnchef Richard Lutz drängte die EVG nun nach eigenen Angaben auf eine dauerhafte Verbesserung des Schutzes von Personal und Fahrgästen.

Streiken dürfen die Beschäftigten für ihre Forderung nicht. Als Hebel fungieren in diesem Fall die Dienstpläne, denen der Betriebsrat zustimmen muss. Ohne Zustimmung gibt es kein Personal für die Züge und sie bleiben stehen. Lutz hat 20 Prozent mehr Sicherheitskräfte in Aussicht gestellt. „900 Leute sind nicht ausreichend für das, was auf uns zukommt“, befürchtet der Betriebsratschef von DB Regio, Ralf Damde. Er fordert, in den Zügen doppelt besetzte Streifen fahren zu lassen, statt nur einen Sicherheitsbegleiter einzusetzen.

Nicht nur die Sicherheitslage auch die Krise bei DB Cargo ist Thema

Allein im Regionalverkehr gab es im vergangenen Jahr 3.144 Übergriffe auf Zugbegleiter. Im Fernverkehr stiegen die Zahl der Attacken von 320 auf 460 an. Die Gefahrenlage ist ein zweiter Hebel der Gewerkschaft, die Beschäftigten zu schützen. Ergibt die Analyse der Lage ein zu hohes Gefährdungspotenzial, kann die Arbeit verweigert werden. Auch dann stünden Züge still.

Nicht nur der Sicherheitslage wegen hat der Konzernbetriebsrat den Vorstand zu einem Krisengespräch einbestellt. Es ging dabei auch um den Streit zwischen der Gewerkschaft und dem Vorstand des Güterverkehrs bei DB Cargo über ein sogenanntes Transformationsprogramm. Nach Angaben der EVG wird Bahnchef Lutz den Konflikt nun zur Chefsache erklären und kurzfristig zu einem Gespräch mit Arbeitgebern und Betriebsrat laden.

DB Cargo steckt in einer schweren Krise. Allein im vergangenen Jahr fuhr die Gütersparte der Bahn fast 500 Millionen Euro Verlust ein. In den Vorjahren war das Minus sogar noch deutlich höher. Vorstandschefin von DB Cargo, Sigrid Nikutta, plant unter anderem die Ausgliederung des wachstumsträchtigen Containertransportes auf Tochterunternehmen der Bahn. Das lehnt der Betriebsrat ab, weil dadurch auch die Mitbestimmungsmöglichkeiten fortfielen. Alternativvorschläge der EVG lehnte wiederum der Vorstand ab.

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