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Galeria Karstadt Kaufhof: Die Geschichte der Warenhauskette

Der Kaufmann Leonhard Tietz eröffnet 1879 in Stralsund ein Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für Galeria Kaufhof. 1881 beginnt auch die Geschichte von Galeria Kaufhofs ärgstem Konkurrenten: Rudolph Karstadt gründet in Wismar sein "Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft". Die großen Warenhäuser machen Luxusgüter auch für die normalen Bürger bezahlbar. Durch den Weltkrieg sind viele Kaufhäuser zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus erhalten die neuen Bauten schlichte Fassaden mit den bekannten Hortenkacheln. In den 1960er Jahren steigt der Marktanteil der Kaufhäuser auf 15 Prozent im Einzelhandel. Zwei Jahrzehnte später beginnt der langsame Niedergang von Galeria Kaufhof und Karstadt: Das Interesse schwindet durch das Entstehen der Einkaufszentren nach US-Vorbild. Ab 1994 folgen Fusionen: Kaufhof und Horten schließen sich zusammen, Karstadt kauft erst die Hertie-Gruppe, dann Quelle. Aus Karstadt wird ein Handelsgigant. 116.500 Mitarbeiter, 16,5 Milliarden Euro Umsatz und ein Unternehmenswert von 4,5 Milliarden Euro. Ab 2004 beginnt unter Thomas Middelhoff ein Wandel bei Karstadt. Viele Ketten und Warenhäuser werden verkauft, um den Konzern zu sanieren. Der milliardenschwere Deal beim Verkauf der Immobilien wird zur Katastrophe: Die Belastung durch Mieten und Mietverträge macht Schließungen von unrentablen Standorten unbezahlbar. Am 1. Dezember 2009 wird das Insolvenzverfahren gegen die Karstadt-Mutter Arcandor eröffnet. Investor Nicolas Berggruen übernimmt die Warenhauskette. Der Österreicher René Benko kauft 2014 über seine Signa Holding Karstadt für nur einen Euro und übernimmt den Konzern komplett. Kaufhof wird 2015 vom kanadischen Riesen HBC übernommen. 2018 folgt dann die Fusion der einstigen Rivalen: Signa erhielt 50,01 Prozent, HBC 49,99 Prozent. Der neue Konzern Galeria Kaufhof Karstadt muss im Zuge der Pandemie mehrfach Staatshilfen beantragen. Später willigt der Staat in zwei Notkredite ein: Insgesamt werden rund 680 Millionen Euro Steuergelder bewilligt. Seit 2020 muss die Kette drei Insolvenzen anmelden, die letzte am 9. Januar 2024. Insgesamt werden über 100 Filialen geschlossen und tausende Mitarbeiter sind ohne Arbeit. Ein Jahr später, im Oktober 2023, melden nach und nach Firmen des Mutterkonzerns, die österreichische Signa-Gruppe, Insolvenz an. Aufgrund der Pleite von René Benkos Signa-Gruppe und einer der größten Insolvenzen Österreichs ist die Finanzierung für Galeria Karstadt Kaufhof unsicher. Im April 2024 wird bekannt: Ein Konsortium um Unternehmer Bernd Beetz will Karstadt Kaufhof übernehmen. 16 von 92 Filialen sollen geschlossen werden. Darunter Standorte in Essen, Trier und Köln.

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