Kommentar zu Krankenkassenbeiträgen Steigende Beiträge

Meinung | Frankfurt · Im kommenden Jahr fehlen der Krankenversicherung rund zehn Milliarden Euro. Krankenkassen fordern daher eine nachhaltige Finanzreform.

 Allein die gesetzlichen Krankenkassen geben im Jahr rund 290 Milliarden Euro für Behandlungen und das Drumherum aus.

Allein die gesetzlichen Krankenkassen geben im Jahr rund 290 Milliarden Euro für Behandlungen und das Drumherum aus.

Foto: dpa/Benjamin Nolte

Je mehr Geld im Spiel ist, desto härter wird darum gekämpft. In der Krankenversicherung geht es um sehr viel Geld. Allein die gesetzlichen Krankenkassen geben im Jahr rund 290 Milliarden Euro für Behandlungen und das Drumherum aus. Wenn es um Einsparungen geht, beginnt das harte Ringen zwischen allen Beteiligten. Das sind nicht nur Ärzte und Krankenhäuser. Auch die Politik mischt kräftig mit. Sie muss auf eine für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlbare Krankenversicherung achten. Zugleich hat sie ein eigenes Interesse, politisch ausgelöste Kosten möglichst von den öffentlichen Haushalten zu den Krankenkassen zu verlagern.

Das Dumme ist, dass diese Verlagerung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben, etwa die Versicherung der Bürgergeldempfänger, dann allein zu Lasten der Beitragszahler geht. Neu ist diese Strategie nicht. Die Regierung des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl hat auf diese Weise einen erheblichen Anteil an den Kosten der Wiedervereinigung den Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgebürdet.

Doch zukünftig wird diese Taktik womöglich nicht mehr geräuschlos aufgehen. Denn die Gesundheitskosten steigen immer weiter, allein schon aufgrund der Alterung der Gesellschaft. Die Krankenkassen warnen nicht umsonst schon vor weiteren Beitragssteigerungen und mahnen eine umfassende Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherung an. Doch davor scheuen Bundesregierungen seit jeher zurück, eben weil die Verteilungskämpfe bei so viel Geld im Spiel extrem hart sind. Das ist für die Versicherten jedoch vorerst eine schlechte Aussicht. Im anstehenden Wahljahr wird sich die amtierende Regierung kaum einer solchen Auseinandersetzung stellen wollen. So ist dann wohl eher die düstere Prognose der Kassen realistisch und die Versicherten werden stärker zur Kasse gebeten.