Landgericht Bonn Plädoyers in Cum-ex-Verfahren gegen Banker Qureshi

Bonn · Der frühere Chef der Hamburger Varengold-Bank, Sebastian Qureshi, muss wegen Beteiligung an Cum-ex-Geschäften mit einer Haftstrafe rechnen. „Es ging nur ums Geld“, sagte ein Vertreter der Anklage in Bonn.

Hier spielt das Verfahren: Das Bonner Landgericht.

Hier spielt das Verfahren: Das Bonner Landgericht.

Foto: dpa/Oliver Berg

Nachdem Staatsanwalt Mats Kunkel aus Köln und der Anwalt des Angeklagten, Frédéric Schneider aus Hamburg, am Mittwochvormittag ihre Plädoyers gehalten haben, engt sich der wahrscheinliche Strafrahmen um weitere vier Monate ein: Der frühere Chef der Hamburger Varengold-Bank, Sebastian Qureshi, der seit Anfang des Jahres wegen seiner Beteiligung an illegalen Cum-ex-Geschäften vor dem Bonner Landgericht steht, muss mit einer Haftstrafe zwischen drei Jahren und drei Jahren und vier Monaten rechnen. Außerdem soll er 1,5 Millionen Euro an Taterträgen zurückzahlen. Bereits zu Beginn des Verfahrens hatten sich Gericht, Anklage und Verteidigung auf eine Strafe zwischen drei Jahren und drei Jahren und acht Monaten verständigt. Im Gegenzug sollte der Angeklagte sich umfangreich zu den Details der Geschäfte äußern, was auch geschah.

Qureshi soll mit seinem Startup – einer Tochter der 1995 von ihm mitgegründeten Varengold-Bank – zwischen 2009 und 2011 in alle Abläufe der Cum-ex-Geschäfte eingeweiht gewesen sein. Die Varengold Investment AG soll Anträge zur Steuererstattung in Höhe von über 215 Millionen Euro gestellt haben; 93,4 Millionen Euro sollen tatsächlich geflossen sein. Mit drei Mittätern, so fasste es der Vertreter der Staatsanwaltschaft noch einmal zusammen, habe der Angeklagte 4,8 Millionen Euro Profit gemacht; 1,5 Millionen seien für ihn bestimmt gewesen.

Während des Verfahrens habe sich der Angeklagte als jemand dargestellt, der dem Thema Geld keine allzu große Bedeutung beimesse, so der Vertreter der Anklage. Das wolle er dem Angeklagten allerdings nicht abnehmen: „Es ging nur ums Geld“, sagte er. Sein Anwalt hingegen skizzierte eine Persönlichkeit, der zwar schnell klar geworden sei, dass die Cum-ex-Geschäfte nicht korrekt sein konnten, der aber angesichts seiner einflussreichen Berater und deren umfangreicher Lobbyarbeit seine Zweifel lange zurückstellte. Der Studienabbrecher sei in seiner Leitungsfunktion zwar „fleißig und wissbegierig“ gewesen, aber eben nicht „fähig und wissend“. Die durch Zufall und eine Gesetzesänderung erlangte Vollbankenlizenz für sein Fin-Tech-Unternehmen habe den jungen Self-made-Banker völlig überfordert.

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