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Das neue „Gold“: Produzenten kommen mit der Hefe-Lieferung nicht hinterher

Das neue „Gold“ : Produzenten kommen mit der Hefe-Lieferung nicht hinterher

Produzenten von Hefe können die Hamsterkäufer nicht befriedigen. Dass alle Käufer gerade um Ostern rum Hefe bekommen, kann der Verband der Hefeindustrie nicht garantieren.

Erst traf es Nudeln und Mehl. Jetzt ist auch Hefe in vielen Supermärkten regelmäßig ausverkauft. „Es ist unglaublich. Einige Konsumenten haben offenbar ganze Kartons mit Würfelhefe mitgenommen und zu Hause eingefroren“, berichtet Markus Weck, was er aus dem Handel erfahren hat. Der Geschäftsführer beim Verband der Hefeindustrie e.V. in Bonn sieht die unerwartete Nachfrage mit gemischten Gefühlen. „Die Hersteller hatten sich bereits auf die gewöhnlich leicht erhöhte Nachfrage um Ostern herum eingestellt. Aber mit diesem Ansturm können sie nicht Schritt halten.“

Dass der in vielen Familien selbst gebackene Osterzopf aus Hefeteig am Ostersonntag auf den Frühstückstisch kommt, mag Weck inzwischen nicht mehr garantieren. Er sagt: „Ich kann das einfach nicht versprechen“.

Hefe, so heißt es mit Bezug auf das goldfarbene Aluminiumpapier der Verpackung bereits, werde seit Anfang März als neues Gold gehandelt. Viele Familien scheuen in der Corona-Krise den Weg zum Bäcker. Dazu passt auch die vermehrte Nachfrage nach Brotbackautomaten, die Otto-Geschäftsführer Marc Opelt bei dem Versandhändler registriert.

Nur eine Handvoll Hersteller bedienen deutschen Markt

Dabei hatte der Endkunden-Markt in den letzten Jahren eher stagniert. 128.907 Tonnen Hefe produzierten 2018 die deutschen Hersteller. 4208 Tonnen Hefe wurden importiert. „Die Menschen backen zu Hause weniger – und wenn dann eher nicht mit Hefe“, erklärt Weck. Dementsprechend sank auch die Zahl der Hersteller in Deutschland von über 40 um die Mitte des letzten Jahrhunderts auf aktuell nur noch fünf. Und jeweils zwei davon gehören heute zum französischen Konzern Lesaffre, nämlich Asmussen in Elmshorn und Fala in Kehl, oder zum australischen Konkurrenten Lallemand, nämlich Giegold in Schwarzenbach und die Deutschen Hefewerke (DHW) in Nürnberg. Lediglich das Unternehmen Uniferm im westfälischen Werne ist überwiegend noch in Familienhand.

Mit der großen Marktmacht der beiden Platzhirsche habe der aktuelle Engpass indessen nichts zu tun, versichert Hefe-Lobbyist Weck. „Ware gibt es tatsächlich genug. Die Werke kommen schlicht mit der Verpackung nicht nach“. Schon jetzt werde in Sonderschichten konfektioniert. Auch könne zusätzliches Verpackungsmaterial in den benötigten Mengen nicht schnell genug nachgeliefert werden.

Aktuelle Lust auf Hefe wohl nur ein Strohfeuer

Bei Hefe Arck in Duisdorf wird schon seit 1936 keine Hefe mehr gezüchtet, berichtet Inhaber Hermann Arck. Heute beliefert das Unternehmen Bäckereien, Eisdielen und Gastronomiebetriebe im Umkreis von 200 Kilometern mit Lebensmittelgrundstoffen. Natürlich gehört auch Hefe dazu – als Flüssigprodukt in großen Tanks oder als graues Kilopaket zum Abschneiden. „Die Versorgung der Bäckereien ist jederzeit sichergestellt“, betont Arck. Und mit ihrem nochmals erhöhten Hygiene-Aufwand könnten die Unternehmen sichere Frischware liefern. Da das klassische Butterbrot bei vielen Arbeitnehmern die Kantinenkost und in der Freizeit das Abendessen auswärts ersetze, habe der Brotabsatz zuletzt auch deutlich angezogen.

Aus Sicht von Markus Weck ist die aktuelle Lust auf Hefe eher ein Strohfeuer. „Viele haben jetzt so viel gekauft, dass die Nachfrage spätestens nach Ende der Krise stark einbrechen wird“, fürchtet er. Und sinnvoll sei die Vorratshaltung auch nicht. Zwar könne man Würfelhefe einige Monate einfrieren. „Aber dabei sterben immer einige der Hefezellen. Das frische Produkt erzielt deutlich bessere Ergebnisse“. Aus diesem Grund war Trockenhefe bislang eigentlich nur für warme Gebiete ohne adäquate Kühlung gedacht und spielte im hiesigen Einzelhandel nur eine ungeliebte Nischenrolle.

Inzwischen ist auch sie restlos vergriffen. Für diejenigen, die über Ostern nicht auf Gebackenes mit Hefe verzichten können, lohnt möglicherweise de Nachfrage bei Bäckereien.