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Autohändler Fleischhauer in Bonn: 18 Millionen Euro für Audi-Zentrum

Autohändler Fleischhauer in Bonn : 18 Millionen Euro für Audi-Zentrum

Die größte Investition seiner fast 100-jährigen Firmengeschichte tätigt der Autohändler Fleischhauer-Franz in Bonn: Am Mittwoch feierte er den ersten Spatenstich für ein Audi-Zentrum in der Nordstadt. In Zeiten des Autohandels im Internet kein risikofreies Unterfangen, meint ein Experte.

An der Bornheimer Straße, der Bonner „Automeile“ in der Nordstadt, soll bis Sommer 2023 ein Audi-Zentrum entstehen, in dem ausschließlich die Fahrzeuge des Ingolstädter Herstellers verkauft und gewartet werden. Investor ist die Firmengruppe Fleischhauer-Franz, die 18 Millionen Euro in das Projekt steckt. „Das ist mit Abstand die größte Summe, die wir bisher investieren“, sagte Mathias Petter, einer der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, am Mittwoch. Das will durchaus etwas heißen, weil Fleischhauer seit fast 100 Jahren Autos verkauft und heute mit rund 1200 Mitarbeitern an 13 Standorten in NRW und Rheinland-Pfalz zu den führenden Kfz-Händlern in Deutschland gehört.

Mit 7000 Quadratmetern sei der neue Standort relativ klein, räumte Co-Geschäftsführer Andreas Krabbe ein, wenn man ihn mit anderen Fleischhauer-Niederlassungen vergleicht, die fünf Mal so groß sind. Allerdings liegen die Vorteile in der sehr guten Lage in Nachbarschaft zu den beiden anderen Autohäusern von Fleischhauer: dem Porsche-Zentrum und dem Autohaus Jacob Fleischhauer, zu dem auch das Volkswagen-Zentrum gehört. „Wir können Synergien nutzen“, erklärte Krabbe bei einem Pressegespräch. Hoch attraktiv sei auch die Anbindung über den Verteiler an die beiden Autobahnen 555 und 565. Krabbe berichtete, dass die Kaufverhandlungen für das Grundstück schräg gegenüber vom Porsche-Zentrum, das 2007 eröffnet wurde, schon vor sechs Jahren begonnen hatten.

Hohe Energieeffizienz

Fleischhauer-Franz hat seit 1967 Markenverträge mit Audi, sein erstes Audi-Zentrum eröffnete der Händler bereits 2001 in Köln, später kam dort ein zweites hinzu. Audi selbst bezeichnet die Zentren als „Terminals“, wo sich die Marke besonders opulent präsentieren soll. „Dazu gehören eine Architektur und Standards, die die Audi AG setzt“, erklärte Krabbe. So wird das Gebäude mit einer Aluminium-Waben-Technik errichtet, und es wird besonderes Gewicht auf die Energieeffizienz gelegt, die sich nach dem KfW-55-Standard richtet. Das heißt, der Neubau wird 45 Prozent weniger Strom und Heizenergie verbrauchen, als für Neubauten noch zulässig sind. Daher gehören Wärmepumpen, Photovoltaik auf dem Dach und eine Dachbegrünung zu der Ausstattung. Für Kunden werden 170 Parkplätze zur Verfügung stehen, die Hälfte davon auf einem Parkdeck beziehungsweise in der Tiefgarage, weil das Grundstück selbst nicht genügend Platz bieten würde.

In Bonn gab es früher vier Audi-Händler, heute sind es nur noch zwei. Das liegt auch an geändertem EU-Recht, das den Händlern mehr Freiheiten bei der Ausbreitung in der Fläche einräumte, während die Automobilhersteller bis dahin die Regionen festlegten, in denen ihre Vertriebspartner ihr Geschäft betreiben durften. Das hat den Wettbewerb verändert. Heute wird der Druck aber auch durch den Autohandel im Internet immer stärker. „Im Wesentlichen verdienen wir im Aftersales-Geschäft“, sagte Petter, also durch Wartung und Reparaturen. So wird es in dem neuen Audi-Zentrum 16 Arbeitsplätze in der Werkstatt geben, geplant sind jährlich 10.000 Werkstattdurchgänge.

Auch Fleischhauer-Franz wartet auf Neuwagen

Die Corona-Pandemie und die Lieferprobleme bei den Halbleitern haben noch etwas verändert: Das Gebrauchtwagengeschäft ist plötzlich kein Verlierergeschäft mehr: „Das hat sich neutralisiert“, erklärte Petter. Das liegt daran, dass junge Gebrauchtwagen gefragt sind, wenn der Neuwagen wegen der Chipkrise erst in einem halben Jahr oder noch später kommen soll. Petter berichtete, dass in diesem Jahr etwa 20 Prozent weniger Neuwagen von den Herstellern ausgeliefert worden seien. Und man wisse auch nicht, wann sie kämen.

Fragt man Experten wie Ferdinand Dudenhöffer vom CAR Automotive Research Center, was er von Markenzentren hält, deutet er an, dass es ein wenig aus der Zeit gefallen sei: „Das Autohaus ist eigentlich ein altes Modell, das wird sich Stück für Stück verändern. Der Internetvertrieb von Autos wird zunehmen.“ Der stationäre Vertrieb von Autos sei „sehr, sehr teuer“.

Internet senkt die Vertriebskosten deutlich

Dudenhöffer rechnet vor: Bei einem Auto zum Preis von 50.000 Euro entfielen zehn Prozent oder 5000 Euro auf die Kosten für das Autohaus. Über das Internet habe man nur Vertriebskosten in Höhe von zwei Prozent. „Der Druck auf die Autobauer wächst dadurch. Sie wollen daher weniger Autohändler.“ Einen weiteren Trend sieht er im Autoabo. Anders als beim Leasing seien Versicherung und Wartung in den Monatsraten enthalten. Damit sinke auch das Risiko eines Autokaufs und damit der Wunsch des Käufers, im Autohaus alles selbst auszuprobieren.