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9-Euro-Ticket: In Bonn hohe Nachfrage, Internetseiten überlastet

Verkaufsstart am Montagmorgen : Hohe Nachfrage nach 9-Euro-Ticket auch in Bonn

Der Verkauf der 9-Euro-Monatstickets hat begonnen. Buchungsseiten waren am Montag aufgrund der hohen Nachfrage immer wieder überlastet. Wie ist die Lage am ersten Verkaufstag in Bonn und Umgebung? Und wie gut funktioniert die Buchung?

Bei der Deutschen Bahn und bei zahlreichen Verkehrsverbünden in Deutschland hat am Montag der Verkauf der 9-Euro-Monatstickets begonnen. Am Montag war die Seite aufgrund der hohen Nachfrage immer wieder überlastet.

In der Bahn-App DB Navigator springt das neue Angebot nicht ins Auge, und auch unter den Verbundtickets ist das 9-Euro-Ticket noch nicht aufgelistet. Mit einem Trick kommt man trotzdem schnell zum neuen Angebot: Unter Reiseauskunft eine beliebige Strecke für Juni buchen und bei den Optionen Regio- und Nahverkehr als Verkehrsmittel auswählen. Bei der Angebotsauswahl wird das 9-Euro-Ticket angezeigt und lässt sich wie jede andere Fahrkarte per App buchen. Das Monatsticket kommt dann per E-Mail an. Als Handy-Ticket ist es zwar auf die gebuchte Reise datiert, aber ebenfalls vier Wochen lang gültig.

Die Bonner Stadtwerke haben das 9-Euro-Ticket in ihrer SWB-App prominent gleich oben in der Produktauswahl platziert, man kann es nicht übersehen. Außerdem sind die drei Geltungsmonate Juni, Juli und August separat aufgelistet. Um 8.15 Uhr morgens kommt beim Buchungsversuch allerdings die Fehlermeldung „product unavailable“, Produkt nicht verfügbar. Eineinhalb Stunden später lässt sich das 9-Euro-Ticket für Juli anklicken, allerdings möchte die App jetzt eine Anmeldung, weil das Ticket personalisiert ist. Die E-Mail, um die Anmeldung zu bestätigen, kommt allerdings weder im Postfach noch im Spam-Ordner an. Vielleicht Überlastung? Wer schon vorher ein SWB-Login hatte, ist schneller am Ziel. Mit etwas Verzögerung kommt die Willkommens-Mail von SWB easy.GO, nach einigen Klicks und einem Freischaltcode für den Ticketkauf ist dann auch das 9-Euro-Ticket für Juli per App gebucht.

9-Euro-Ticket: Lokale Verkehrsbetriebe melden hohe Nachfrage

Eine hohe Nachfrage bei den SWB ist seit Bekanntmachung des Entlastungspakets da, sagt SWB-Sprecherin Stefanie Zießnitz. Besonders in den vergangenen Wochen war eine verstärkte Nachfrage spürbar. Die vergünstigten Fahrscheine für Busse und Straßenbahnen erhält man bei den SWB an Automaten, in der App SWB easy.GO sowie über die Service-Center und in Kürze über andere Verkaufsstellen. Das kommunale Verkehrsunternehmen rechnet nicht mit einem größeren Aufwand für die kommenden Monate, könnte diesen wohl aber auch nur schwer bewältigen, da in der Kürze der Zeit keine zusätzlichen Fahrzeuge oder Fahrer organisiert werden konnten.

Man stehe in Austausch mit der Stadt Bonn, um eventuell nachsteuern zu können. Am Montag war die Lage noch schwer einzuschätzen, da die ersten Abrechnungen von Fahrpersonal, Verkaufsstellen und Ticketautomaten erst am Folgetag vorliegen. Ein Sprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg teilte mit, die gesammelten Daten von allen Fahrdienstleistern würden dort nicht tagesaktuell vorliegen. Ähnlich äußert sich der Verkehrsverbund Rhein-Mosel, dem das Ahrtal nahverkehrstechnisch angehört. „Im Busbereich sehen wir derzeit noch freie Kapazitäten, bei der Bahn könnte es zu bestimmten Zeiten, etwa am Wochenende und in den Ferien, eng werden“, teilte Ulrich Barwinski vom Marketing mit. Eine Bilanz könne man noch nicht ziehen, es herrsche aber bereits „rege Nachfrage“.

DB Regio: 200.000 9-Euro-Tickets bereits vor 12 Uhr verkauft

Wie bereitet sich die Deutsche Bahn in NRW auf ein womöglich deutlich erhöhtes Fahrgastaufkommen vor? Ein für NRW zuständiger Bahnsprecher sagte auf Anfrage, man wolle zu Fahrgastzahlen nicht spekulieren. Bei einer Pressekonferenz von DB Regio sprach der Vorstandsvorsitzende Jörg Sandvoß am Montag von einem historischen Zugriff auf die Bestellsysteme der Bahn. Bereits 200.000 Exemplare der 9-Euro-Tickets seien am Vormittag geordert worden. 7000 Züge, 10.000 Busse und 22.000 Zugfahrten täglich seien für die kommenden drei Monate vonseiten des größten Nahverkehrsanbieters der Republik geplant. In der Metropolregion Köln-Bonn etwa rechnet Sandvoß mit größeren Wartezeiten aufgrund der vielen Baustellen, hofft aber auch auf eine teilweise Entlastung durch weniger Berufspendler und Schüler, angesichts der bevorstehenden Sommerferien. Sandvoß: „Alles, was wir haben, rollt in den kommenden Monaten.“

Dörner warnt vor Überlastung, Studierenden-Vereinigung bemängelt Unklarheiten bei 9-Euro-Ticket

Neben Freude über günstiges Fahren erntet die Bundesregierung auch viel Kritik für Aspekte an der Regelung. Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner etwa begrüßt das Ticket, befürchtet jedoch eine Überlastung der Busse und Bahnen, die vor allem zulasten der Pendler gehen könne. Dörner forderte außerdem, dass Tickets nachhaltig günstiger werden müssten, indem Bund und Länder den öffentlichen Nahverkehr anders finanzierten: „Das können wir als Kommune finanziell nicht stemmen. Für einen günstigeren und attraktiven ÖPNV dürfen die steigenden Kosten nicht länger den Nutzerinnen und Nutzern aufgebürdet werden, sondern wir müssen Bund und Länder zur Finanzierung mit ins Boot holen.“

Der Freie Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) moniert, die Umsetzung für Studierende gestalte sich teils sehr kompliziert. So sei es beispielsweise schwierig, nach der Zahlung des Semestertickets Gelder rückwirkend erstattet zu bekommen. Unklar ist, wie die Zahlung erstattet wird – etwa durch eine Rückzahlung anteilig am aktuellen Semesterticket, oder durch eine Vergünstigung des kommenden Wintersemestertickets. Wie bei anderen Abo-Tickets gilt jedoch, dass das Semesterticket für Mai bis einschließlich Juli zur Nutzung des ÖPNV in ganz Deutschland berechtigt.

Mit den Sondertickets können Fahrgäste im jeweils gültigen Monat für 9 Euro im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) durch ganz Deutschland fahren. Die Monatskarten sind für Juni, Juli und August buchbar. Die Bundesregierung will Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der starken Inflation mit dem Angebot entlasten und zudem den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen.

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(mit dpa )