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Ahrweiler: Autozulieferer ZF will umziehen

Bisheriger Standort bleibt hochwassergefährdet : Autozulieferer ZF Ahrweiler will umziehen

Der drittgrößte deutsche Autozulieferer ZF in Ahrweiler bekennt sich zum Standort Rheinland-Pfalz, sucht aber wegen der Hochwassergefahr eine neue Fläche. Das Unternehmen möchte aber in der Region bleiben.

Der Autozulieferer ZF will an seinem Standort Rheinland-Pfalz festhalten, aber das Betriebsgelände verlagern. Die Produktion im von der Flut stark beschädigten Werk in Ahrweiler wird vorläufig fortgeführt. Für die langfristige Fortsetzung der Produktion prüft ZF jetzt kurzfristig verfügbare Alternativen im Umkreis von 50 Kilometern um Ahrweiler, teilte das Unternehmen am Dienstag mit: „Bei allen untersuchten Optionen gilt die klare Priorität, die Arbeitsplätze in der Region zu erhalten.“

Die 280 Beschäftigten des ZF-Werkes waren bereits in großer Sorge um die Zukunft ihrer Jobs. Mit einem von der IG Metall organisierten Autokorso in Ahrweiler gaben die Beschäftigten Ende Juni ihren Sorgen Ausdruck. Sie fürchteten um die Zukunft des Werkes. Der Konzern befindet sich wie viele Autozulieferer mitten in einem Umbauprozess. Im Mai kündigte das Unternehmen einen Abbau von 15 000 Stellen an, die Hälfte davon in Deutschland. Dafür haben die Tarifvertragsparteien einen Vertrag abgeschlossen, der betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2023 ausschließt.

Wasser zwei Meter noch in den Hallen

Das Werk in Ahrweiler wurde während der Flut stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Wasserpegel stand in den Hallen bis zu zwei Meter hoch. Die Mitarbeiter wurden nicht verletzt, jedoch zerstörte das Hochwasser die Maschinen und die Infrastruktur nachhaltig. Die Produktion in Ahrweiler musste erst einmal gestoppt werden. Dank des Engagements der Beschäftigten und im Schulterschluss mit anderen europäischen ZF-Standorten sei die Belieferung der Kunden bisher weitestgehend sichergestellt worden, heißt es bei ZF.

Mittlerweile habe die Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz die Überschwemmungsgebiete an der Ahr neu abgegrenzt. Die Überschwemmungslinie, die bis zur endgültigen Festsetzung zunächst vorläufig festgelegt sei, verlaufe jetzt mitten durch das Werk. Diese Neubewertung der Risikolage mache deutlich, dass das Werk Ahrweiler in den nächsten Jahrzehnten erneut von Hochwasserständen betroffen sein könnte. „Dies macht einen langfristigen Betrieb unmöglich“, teilte die Firma mit.

Alternativen im Umkreis von 50 Kilometern

Bauliche Maßnahmen zur Flutsicherung des Werkes würden die Produktion monatelang behindern und dennoch keine garantierte Sicherheit bieten. Zudem sei der Betrieb stark auf die umliegende Infrastruktur wie die Stromversorgung und die Zufahrtswege angewiesen, die im Falle eines weiteren Hochwassers erneut zerstört werden könnten.

Aus diesem Grund habe das ZF-Standortmanagement eine Prüfung von denkbaren Perspektiven für das Werk eingeleitet. Dabei gelte das klare Bekenntnis zur Region und zu den Mitarbeitern am Standort: Deshalb prüfe das Unternehmen Optionen in einem Umkreis von rund 50 Kilometern um Ahrweiler.

 „Unser aufrichtiger Dank gilt unseren Kolleginnen und Kollegen, die nach der Flutkatastrophe mit hohem persönlichem Einsatz und beispielloser Teamleistung dazu beigetragen haben, dass wir die Produktion in dieser Ausnahmesituation rasch wieder fortsetzen konnten“, sagte Ralf Hunke, ZF-Standortleiter in Ahrweiler. An einen alternativen Standort gebe es die klare Anforderung, langfristige Sicherheit zu bieten – für unsere Mitarbeiter, für die Produktion und für unsere Kunden.“

Neue Montageanlagen Anfang 2022

Bis zu einem Umzug wird die Produktion im ZF-Werk Ahrweiler fortgesetzt. Neue Montageanlagen sollen Anfang 2022 in Betrieb genommen werden. ZF habe bereits umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, um die Gebäude- und Arbeitssicherheit zu gewährleisten und seinen Mitarbeitern in dieser Übergangszeit ein bestmögliches Arbeitsumfeld zu bieten. Das Unternehmen stehe deshalb in engem Austausch mit den Behörden. 

Sobald ein alternativer Standort ausgewählt sei, werde das ZF-Standortmanagement die Vorbereitungen für den Umzug in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern und dem Betriebsrat in Ahrweiler umsetzen. ZF fertigt dort Ventile für elektronische Fahrwerksdämpfungssysteme und elektronisch geregelte Fahrwerke für Motorräder.

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