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Am "Sabbat" bleibt der Messestand geschlossen

Am "Sabbat" bleibt der Messestand geschlossen

In Eitorf betreibt der Bio-Unternehmer Bruno Fischer die nach eigenen Angaben einzige Anlage in Europa, die Hafer-, Reis- und Sojamilch produziert - Natumi GmbH will 2003 schwarze Zahlen schreiben

Eitorf. Unternehmerische Wege verlaufen selten geradlinig. Und manchmal führen sie sogar von Schweinekoteletts zu Sojamilch. Etwa bei Bruno Fischer aus Eitorf. Der gelernte Metzgermeister, der sich als "einen der Pioniere der deutschen Naturkostbranche" bezeichnet, betreibt im Gewerbegebiet Im Auel die nach eigenen Angaben einzige Verarbeitungsanlage in Europa für Soja, Reis und Hafer.

Bis zu 600 000 Liter fermentierte pflanzliche Milchersatz-Getränke verlassen jede Woche die Eitorfer Werkshallen. Knapp fünf Jahre nach der Firmengründung soll die Natumi GmbH 2003 erstmals schwarze Zahlen schreiben.

Auf dem Weg dorthin hat der 44-jährige Fischer bereits einige Richtungswechsel hinter sich. Der berufliche Werdegang des Bio-Unternehmers hat seinen Ursprung in der väterlichen Metzgerei in Köln-Porz.

Als Fischers Vater Ende der 60er Jahre an Krebs erkrankt, stellt er nicht nur seine eigene Ernährung und Lebensweise um, sondern auch das Sortiment des Betriebes: Schweinefleisch gibt es nicht mehr und Verkauf am Samstag auch nicht.

Die Familie Fischer gehört der Religionsgemeinschaft der so genannten Siebenten-Tags-Adventisten an. Zu den Regeln der christlichen Gruppe gehört der arbeitsfreie "Sabbat". Die am Samstag verlorenen Kunden wollen die Fischers per Versandhandel zurückgewinnen.

Das Konzept geht auf. Unter der Marke "Bruno Fischer" vertreibt die Familie Bio-Produkte aus eigener und fremder Herstellung. Bald entwickeln die Metzger pflanzliche Fleischersatz-Lebensmittel.

"Morgens haben wir Wurst gemacht, nachmittags vegetarischen Brotaufstrich", erinnert sich Bruno Fischer. Ende der 80er Jahre sind Versandhandel und Produktion so stark gewachsen, dass das Unternehmen einen neuen Standort sucht - und in Eitorf findet.

In den 90er Jahren arbeiten mehr als 50 Beschäftigte für Fischer, "eine der stärksten Marken im Naturkostfachhandel", so der Unternehmer. Doch 1998 hat die Produktion von "Kräuterdinkel", "Zwiebelschmelz" und "Curry-Grünkern" für die Fischers ein Ende.

"Als meine Mutter in diesem Jahr überraschend starb, haben wir das Unternehmen an einen Konkurrenten verkauft", berichtet Bruno Fischer. Die Wege der Unternehmer trennen sich: Vater Fischer betreut Kinderdörfer in Afrika, Sohn Fischer gründet am alten Standort eine neue Firma: die Natumi GmbH.

"Ich habe mich schon in den Vorjahren viel mit der Technologie zur Sojamilch-Herstellung befasst und wollte dann etwas Eigenes in dem Bereich aufbauen", beschreibt Fischer seine Motivation für den Neustart. Heute beschäftigt Natumi 25 Mitarbeiter. "Bis zum Jahresende sollen neun weitere dazu kommen", sagt Fischer.

Auch der Umsatz wächst: Von zwei Millionen Euro im vergangenen Jahr auf geschätzte sieben Millionen in diesem Jahr - "es können auch zehn werden", so der Unternehmer. Die Produktion der Gesundheitsdrinks läuft allerdings fast rein automatisch. "Zwei Mitarbeiter pro Schicht bedienen die Maschinen", erklärt Fischer.

In Containern wird das Getreide in Eitorf angeliefert. "Wir waschen die Sojabohnen, mahlen sie, fügen Wasser hinzu und pressen das Ganze aus", erklärt Fischer, "so ähnlich wie beim Kaffee machen". Den Milchersatz verarbeiten die Eitorfer zu Getränken und Puddings oder verkaufen den Grundstoff an andere Hersteller.

"Die Nachfrage wächst", hat Fischer festgestellt. Allergiker, Vegetarier und schlicht gesundheitsbewusste Verbraucher zählt er zu seiner Kunden-Zielgruppe - in mittlerweile 20 Ländern. Auswirkungen der allgemeinen Konsumflaute fürchtet der Öko-Unternehmer nicht: "Naturkost-Kunden sparen weniger als andere am Essen und geben dafür oft weniger für Restaurants oder Zigaretten aus."

Auch "Teilzeit-Vegetarier" Bruno Fischer betrachtet Konsum mit gemischten Gefühlen. Trotz seiner religiösen Einstellung sieht er zwar "Gewinne als nichts Anstößiges", fühlt sich aber "nicht von unternehmerischem Erfolg abhängig". Deshalb stehen die Besucher der Messestände von Natumi regelmäßig samstags vor dem Schild "Heute geschlossen".