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Amazon statt Post/DHL: Amazon liefert Pakete in Bonn selbst aus

Amazon statt Post/DHL : Amazon liefert Pakete in Bonn selbst aus

Der Online-Riese Amazon sticht ins gelbe Herz der Deutschen Post: Seit einigen Tagen beliefert Amazon Logistik einen Teil seiner Kunden in Bonn selbst. Die Post sagt, sie sehe die Konkurrenz gelassen.

Amazon macht der Deutschen Post/DHL schon länger in deutschen Städten mit einem eigenen Logistikdienst Konkurrenz. Jetzt sticht der Online-Riese auch ins gelbe Herz des Konzerns: Seit einigen Tagen beliefert Amazon Logistik einen Teil seiner Kunden in Bonn selbst. Das bestätigt das Unternehmen auf Anfrage des General-Anzeigers. Der eigene Dienst laufe parallel zur Auslieferung mit anderen Partnern. „Hintergrund ist, dass die Kunden vermehrt Same-Day und Next-Day Lieferungen nachfragen.

Amazon baut dazu komplementäre, flexible Kapazitäten aus“, erklärt Amazon. Für den Kunden habe das den Vorteil, dass er später bestellen könne und die Ware dennoch am nächsten oder sogar am gleichen Tag bereits erhalte. Dazu, wie viele Pakete der Online-Riese täglich in Bonn zustellt, macht das Unternehmen keine Angaben. Allerdings wurden 150 neue Mitarbeiter im Verteilzentrum dafür eingestellt. Das befindet sich in Köln.

Die Deutsche Post gibt sich gelassen gegenüber der neuen Konkurrenz in Bonn. Der Konzern betont, es gebe seit vielen Jahren eine „enge, vertrauensvolle geschäftliche Partnerschaft“. Amazon „verlässt sich nachhaltig auf unsere Infrastruktur und unser umfassendes Paketnetz in Deutschland“. Auch in den Städten, in denen es eine eigene Zustellung des Online-Unternehmens gebe, würden nach wie vor Pakete von DHL ausgeliefert.

Paketgeschäft wächst durch Online-Handel

Aber auch Branchenkenner schätzen die Folgen für die Deutsche Post begrenzt ein. Spürbare Auswirkungen gebe es frühestens ab 2019, erklärt Analyst Stephan Bauer vom Bankhaus Lampe. Bauer schätzt, dass Amazon für 15 bis 20 Prozent der deutschen Paketlieferungen und für etwa eine Milliarde Euro des Umsatzes des Konzerns verantwortlich ist. Die Post selbst nennt keine Zahlen mit dem Hinweis, zu konkreten Informationen zu Kundenbeziehungen grundsätzlich keine Angaben zu machen.

Insgesamt setzte der Bonner Konzern mit dem Paketgeschäft in Deutschland im Geschäftsjahr 2016 rund 4,8 Milliarden Euro um – das war ein Plus von 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Paketgeschäft in Deutschland wachse begünstigt durch den Online-Handel weiter kontinuierlich, heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens.

Der gesamte deutsche Paketmarkt belief sich im Jahr 2017 auf ein Volumen von rund 10,1 Milliarden Euro. Der Marktanteil der Post daran beläuft sich auf 45,1 Prozent. Die Post verweist darauf, dass sie als leistungsfähiger Logistiker das Wachstum von Amazon im deutschen Markt massiv unterstützt und zum Teil auch erst möglich gemacht habe. „Nicht zuletzt durch den massiven Infrastrukturausbau in Sortierung und Auslieferung“, heißt es. „Schon heute können wir in jeder Betriebsstunde mehr als eine Million Pakete pro Stunde im deutschen Netz bearbeiten“, teilt der Konzern mit.

Amazon setzt auf lokale Lieferdienste

Ob und inwieweit Amazon seinen Logistikdienst in Bonn weiter ausbauen will, sei noch offen, erklärt das Unternehmen. Das hänge davon ab, wie groß der Bedarf sei. Amazon Logistic ist laut Unternehmensangaben im Jahr 2015 in der Nähe von München gestartet. 2016 kam Berlin dazu. Inzwischen gehören Liefergebiete in der Rhein-Ruhr-Region, rund um Mannheim und in der Region um Frankfurt dazu. Auch in Köln gebe es bereits einen Bereich, in denen Amazon Logistik tätig sei.

Bei der Auslieferung greift Amazon nicht auf eigene Fahrer zurück, sondern setzt auf lokale Lieferdienste. In Berlin bedient sich das Online-Warenhaus seit Kurzem auch privaten Fahrern über den Dienst Flex. Ein bisschen Uber in der Logistik: Privatleute sollen Pakete ausliefern, organisiert wird das über eine App. Den Dienst gibt es zunächst nur in Berlin, doch weitere Städte sollen folgen, wie Amazon auf seiner Firmenwebsite ankündigt. In den USA hat Amazon seine eigene Lieferinfrastruktur bereits soweit ausgebaut, dass das Unternehmen eine eigene Lieferwagen- und Flugzeug-Flotte unterhält.