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Arbeitsmarktzahlen im September: Arbeitsmarkt entwickelt sich leicht positiv

Arbeitsmarktzahlen im September : Arbeitsmarkt entwickelt sich leicht positiv

Saisonbedingt sinken die Arbeitslosenzahlen zwar leicht. Doch zurückgehende Stellenangebote weisen darauf hin, dass die Unternehmen pessimistisch in die Zukunft schauen.

Trotz vieler Krisenherde entwickelt sich der Arbeitsmarkt im September leicht positiv. Nach einem Anstieg im August ist die Arbeitslosigkeit nun wieder gesunken, berichtete die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg am Freitag. So ist die Zahl der Arbeitslosen im September um 1121 auf insgesamt 28 322 Menschen gesunken, das entspricht einem Rückgang von 3,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigt sich eine deutliche Verbesserung: Im September 2021 hatte die Arbeitslosigkeit 8,4 Prozent höher gelegen.

Ein Aufschwung am Arbeitsmarkt sei um diese Jahreszeit üblich, sagte Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Die positiven Entwicklungen sind auf eine starke Arbeitskräftenachfrage zurückzuführen. In diesem Monat haben Arbeitgeber vermehrt Personal eingestellt. Gleichzeitig sind weniger Menschen arbeitslos geworden.“ Einen besonders starken Rückgang bei der Arbeitslosigkeit gab es mit 6,9 Prozent bei den kurzzeitig Arbeitslosen, die keine Grundsicherung erhalten. Ein anderes Bild zeigt sich bei Jugendlichen zwischen 15 und unter 20 Jahren. Trotz des Ausbildungsbeginns im September ist die Arbeitslosigkeit hier besonders stark angestiegen: Die Arbeitsagentur Bonn/Rhein-Sieg beobachtet ein Plus von 37,2 Prozent.

Unternehmen blicken unsicher auf die nächsten Monate

Das könnte auch mit einer Zurückhaltung der Unternehmen zusammenhängen: Im Vergleich zum Vorjahr haben sie weniger neue Stellen gemeldet, insgesamt standen 371 Arbeitsplätze weniger zur Verfügung. Auch die Zahlen für ganz NRW zeigen, dass Unternehmen abwartend in die Zukunft sehen. „In den Boom-Jahren 2016 bis 2019 wurden regelmäßig bis zu 40 000 offene Stellen in den Arbeitsagenturen gemeldet. Im aktuellen Monat waren es nur knapp über 30 000“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesarbeitsagentur. Besonders im verarbeitenden Gewerbe und im Handel seien die Stellenangebote zurückgegangen. Für Withake ist klar, was auf die Stimmung drückt: „Der Ukraine-Krieg, die steigenden Energie- und Rohstoffpreise, dazu die Materialengpässe, die zum Teil noch immer auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückgehen, sowie in Teilen auch die hohe Inflation, die zum Beispiel die Erwartungen im Handel zurückgehen lässt.“

So sind die Arbeitslosenzahlen in NRW zwar gesunken – begründet vor allem durch den Fachkräftemangel, der in Branchen wie der Pflege immer noch für eine starke Nachfrage sorgt. Aber die Zahlen haben sich nicht so positiv entwickelt, wie sie das sonst um diese Jahreszeit tun. Im Vergleich zum August ging der Anteil der Arbeitslosen um 1,8 Prozent auf insgesamt 681 795 Menschen zurück, gab die Regionaldirektion NRW der Bundesarbeitsagentur bekannt. Die Arbeitslosenquote, die zuvor leicht angestiegen war, sank wieder zurück auf sieben Prozent.

Steigende Arbeitslosenzahlen erwartet

Auf Bundesebene macht sich die kriselnde Wirtschaft ebenfalls bemerkbar. So ist auch hier der übliche Rückgang der Arbeitslosenzahlen etwas gedämpfter ausgefallen als üblich. Im Vergleich zum August zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 62 000 Arbeitslose weniger. Insgesamt gibt es in Deutschland damit 2,49 Millionen Arbeitslose, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent. Die Unternehmen seien pessimistischer, außerdem wirkten sich die Geflüchteten aus der Ukraine zuungunsten der Statistik aus, hieß es von der BA: „Ohne Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit wäre die Entwicklung deutlich besser ausgefallen.“ Das hängt damit zusammen, dass die Jobcenter inzwischen weitgehend alle Geflüchteten registriert haben. Allerdings beruhigt sich die Lage hier inzwischen. Unabhängig davon erwarten führende Wirtschaftsinstitute, dass die Rezession die Arbeitslosenzahlen im kommenden Jahr nach oben treiben wird.