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Arbeitsmarkt in Bonn und dem Rhein-SIeg-Kreis: Jahresbilanz der Agentur für Arbeit

Jahresbilanz der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg : „Der Arbeitsmarkt ist alles andere als tot“

Der Arbeitsmarkt ist 2020 längst nicht so stark eingebrochen wie von Experten erwartet. Im Rhein-Sieg-Kreis ist die Beschäftigungslage aber stabiler als in Bonn.

Der Arbeitsmarkt ist 2020 längst nicht in dem Maße eingebrochen, wie es Experten zu Beginn der Corona-Pandemie erwartet haben. „Dies ist insbesondere dem Instrument der Kurzarbeit zu verdanken“, sagte Stefan Krause, Chef der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. Kurzarbeit verschleiere Arbeitslosigkeit nicht, wie manchmal gesagt werde, sondern wahre die Chance, Arbeitslosigkeit zu vermeiden.“ Krause zog am Donnerstag gemeinsam mit den Jobcenter Bonn und Rhein-Sieg eine Jahresbilanz.

Im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg liegt die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2020 bei 6,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 31 511 Menschen arbeitslos, das waren 18,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich mehrerer Jahre zeige sich aber, dass die Arbeitslosigkeit noch nicht wieder die Höhe des Jahres 2007 erreicht habe. „Und 2007 haben wir damals von einem Boomjahr gesprochen, in dem die Lage am Arbeitsmarkt erfreulich war“, erinnerte Krause.

13.092 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt in Bonn

In Bonn registrierte die Arbeitsmarktstatistik im Jahresdurchschnitt 13 092 Arbeitslose. Das waren 20,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Entsprechend stieg die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt von 6,3 Prozent 2019 auf 7,5 Prozent im vergangenen Jahr.

Im Rhein-Sieg-Kreis blieb die Lage trotz Corona stabiler. Hier gab es im Jahresdurchschnitt 18 420 Arbeitslose. Das waren 17,6 Prozent mehr als 2019. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt stieg aber lediglich um 0,8 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent.

Den Unterschied führt Krause auf die Tatsache zurück, dass der Bonner Arbeitsmarkt stärker von Dienstleistungsjobs geprägt ist als im Rhein-Sieg-Kreis. Und in Dienstleistungsbranchen wie Gastronomie und Hotellerie seien im vergangenen Jahr besonders viele Stellen abgebaut worden.

Grundsätzlich sei die Zahl der freien Stellen, die der Arbeitsagentur gemeldet wurde, war deutlich um 35,5 Prozent zurückgegangen, so Krause. Doch gleichzeitig sei es durchaus gelungen, auch Menschen in Arbeit zu vermitteln. Gerade im zweiten Halbjahr seien die Vermittlungszahlen deutlich angestiegen. „Der Arbeitsmarkt ist alles andere als tot“, meint Krause.

Corona-Pandemie beschleunigt Digitalisierung

Auch bei der Grundsicherung ist die Lage im Kreis besser als in Bonn: „Man sollte annehmen, dass die Anzahl der Menschen, die Grundsicherungsleistungen beantragen müssen, seit Beginn der Pandemie immer weiter angewachsen ist. Im Rhein-Sieg-Kreis ist das wider Erwarten nicht so“, sagte Ralf Holtkötter, Geschäftsführer des Jobcenter Rhein-Sieg.

Beim Jobcenter Rhein-Sieg blieb die Zahl mit 17 200 Bedarfsgemeinschaften auf niedrigem Vorjahrsniveau. Das könnte sich allerdings im Jahresverlauf ändern: „Die von der Arbeitsagentur betreuten Menschen werden möglicherweise zu einem großen Teil im Laufe des Jahres Grundsicherung bei den Jobcentern beantragen“, sagte Holtkötter.

In Bonn hat sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften binnen Jahresfrist um drei Prozent auf über 14 300 im Dezember 2020 erhöht, sagte Robert Zirbes, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenter Bonn „Im März und April hatten wir einen bisher einmaligen Anstieg an Neuanträgen um teilweise über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.“ Seit Juli 2020 sinke die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in Bonn wieder leicht.

Die Anzahl der Arbeitslosen im Grundsicherungsbereich („Hartz IV“) legte in Bonn um 1061 auf 8827 Personen zu, dies bedeutet einen Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,6 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent im Jahresdurchschnitt. Im Rhein-Sieg-Kreis stieg die Arbeitslosigkeit im Grundsicherungsbereich um 717 auf 10 723 Personen, dies bedeutet einen Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent im Jahresdurchschnitt.

Die Corona-Pandemie beschleunigte die Digitalisierung enorm: „Der damit einhergehende Strukturwandel wird zurzeit von der Pandemie überdeckt, darf jedoch nicht vergessen werden“, sagte Krause. Auch durch den demographischen und ökologischen Wandel und den Fachkräftemangel gebe es Herausforderungen. Das müsse die Arbeitsagentur durch eine Förderung der Weiterbildung abfedern. Durch das Qualifizierungs-Chancengesetz könnten neue Fachkräfte mittels Förderung aus der eigenen Belegschaft heraus generiert werden.

Ein Ausblick falle schwer: Die Möglichkeit für Selbständige Zuschüsse zu beantragen, um eine Insolvenz zu verhindern, ist Ende 2020 ausgelaufen. Es sei zu vermuten, dass im ersten Quartal 2021 nun mehr Menschen auf Unterstützung durch Grundsicherungsleistungen angewiesen sind.