Konzern will Kunden zurückgewinnen Bahn hält Preise weitgehend stabil

BERLIN · Die übliche Erhöhung der Ticketpreise im Fernverkehr der Deutschen Bahn im Dezember fällt in diesem Jahr weitgehend aus. Das gilt auch für die Bahncard und die Sparpreise.

 Mit verbessertem Service will die Bahn Kunden anlocken.

Mit verbessertem Service will die Bahn Kunden anlocken.

Foto: dpa

"Wir haben uns entschlossen, auf eine flächendeckende Preisanpassung zu verzichten", sagt der zuständige Konzern-Vorstand Bertold Huber. So will das Unternehmen der wachsenden Konkurrenz verlorene Kunden wieder abjagen und neue hinzugewinnen. Im Nahverkehr könnten die Ticketpreise dagegen steigen. In welchem Umfang, werden die Verkehrsverbünde noch bekannt geben.

Allerdings bleibt der Ticketpreis nicht überall stabil. Zum Jahresende will die Bahn Neubaustrecken in Betrieb nehmen, auf denen die Reise teurer wird. Das rechtfertigt das Unternehmen mit den erheblich verkürzten Reisezeiten. Die Fahrt zwischen Erfurt und Halle/Leipzig verkürzt sich um bis zu einer Stunde. 44 Minuten sparen die Kunden, wenn sie von Erfurt aus nach Berlin wollen. Dafür schlägt die Bahn bei den Tickets zwischen einem und sieben Euro auf.

Huber hat den Strategiewechsel bereits im Sommer angekündigt. Die Bahn will mit zusätzlichen Angeboten und einem besseren Service Passagiere in die Züge locken. Dabei stehen günstige Preise im Vordergrund. So wurde im Sommer bereits eine neue, drei Monate gültige Bahncard zum halben Preis eingeführt, die vor allem junge Fahrgäste vom Zugfahren überzeugen soll. Offenbar ist dieses Modell erfolgreich. "Wir haben doppelt so viele Bahncards verkauft wie zuvor", berichtet Huber.

Die Sparpreise von 29 Euro für lange und 19 Euro für kurze Strecken gehören ebenfalls zu den Instrumenten, mit denen Huber die Wettbewerber auf der Straße und in der Luft unter Druck setzen möchte. Hier gibt es im Dezember eine Verbesserung für die Kunden. Dann entfällt die Vorverkaufsfrist und die Tickets können noch am Reisetag erworben werden. Am Reisetag dürfen die Fahrscheine auch noch umgetauscht oder zurückgegeben werden.

"Mit den neuen Konditionen wird der Sparpreis gerade für Nichtbahnfahrer deutlich attraktiver", hofft Birgit Bohle, Vorstandschefin der Fernverkehrssparte. Die Kontingente für die Billigtickets werden jedoch strikt gesteuert. Auf beliebten Verbindungen und zu begehrten Zeiten gibt es nur wenige oder gar keine Sparpreise. Je schlechter Züge ausgelastet sind, desto höher ist umgekehrt die Chance auf einen günstigen Fahrschein.

Von einer Trendwende im Fernverkehr wieder hin zu steigenden Marktanteilen mag Huber zwar noch nicht sprechen. Doch die Fahrgastzahlen wachsen. Seit dem Fahrplanwechsel im Juni konnte die Bahn 600.000 Kunden mehr verbuchen als in den drei Monaten zuvor.

Günstiger wird mit dem Fahrplanwechsel die Reise im ICE-Sprinter. Die Reservierungspflicht entfällt ebenso wie der Zuschlag für die schnellen Verbindungen. Die Bahn führt zudem eine neue Bezeichnung für den "Normalpreis" ein, der künftig "Flexpreis" wie bei vielen Fluggesellschaften heißen wird, weil Kunden mit diesem Tarif alle Züge ihrer Wahl nutzen können.

Auch wenn sich die Vorstände durch das Bündel an Instrumenten höhere Umsätze im Personenverkehr erhoffen, gibt es noch eine Reihe von Schwächen im Bahnverkehr. "Es ist ja nicht so, dass wir immer die beste Qualität fahren", gesteht Huber ein. Vor allem bei der Pünktlichkeit sieht die Bahn Probleme. Im Juli weist die Unternehmensstatistik im Fernverkehr einen Tiefpunkt aus. Nur zwei Drittel der Züge kamen zur rechten Zeit an.

Auf sich warten lässt auch die Wlan-Anbindung der zweiten Klasse. Bohle rechnet damit, dass die technischen Voraussetzungen für die Internetnutzung Mitte 2016 gegeben sein werden. Dann beginnt eine Testphase, so die Chefin der Fernverkehrssparte.

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