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Bonn: Nachhaltigkeits-Startup "Woodify" kooperiert mit der Telekom

Schutz von knapp 200 Hektar Wald : Bonner Nachhaltigkeits-Startup „Woodify“ kooperiert mit Telekom

Das Bonner Nachhaltigkeits-Startup Woodify schließt eine Vertriebsallianz zum Waldschutz mit der Telekom. Die Kundschaft ist explizit eingeladen, sich den geschützten Wald vor Ort am Mittelrhein anzuschauen.

Drei Jahre nach seiner Gründung hat das Bonner Waldschutzunternehmen Woodify eine strategische Allianz mit der Deutschen Telekom geschlossen. Damit sollen rund 200 Hektar große Waldflächen in der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Rhein-Nahe für zunächst 30 Jahre aus weiterer forstwirtschaftlicher Nutzung herausgenommen werden, um so CO2-Emissionen und Wasser zu binden. „Wir haben diese Waldflächen gepachtet und nehmen sie nur noch in eine waldökologische Bewirtschaftung“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Woodify, Anselm Schneider. So würden beispielsweise Verkehrswege gesichert, aber dem Wald kein Totholz mehr entnommen.

Für alle Kunden, die sich für den „Green Infoservice“ des Bonner Telekommunikationsanbieters anmelden, überweist die Telekom Woodify die Pachtkosten für einen Quadratmeter Wald. „Der Info-Dienst ermöglicht uns eine digitale Kundenkommunikation und das spart Postwurfsendungen, Briefe und ähnliche papierhaltige Medien. Mit jeder Anmeldung zum Green Infoservice sparen wir als Unternehmen Papier und schützen stattdessen nationale Waldgebiete“, sagt Carsten Akman, Projektverantwortlicher bei der Telekom. Auf der Homepage der Telekom wird das Waldprojekt rund um die Loreley samt GPS-Koordinaten vorgestellt. Die Kundschaft ist explizit eingeladen, sich den geschützten Wald vor Ort anzuschauen. Die Freizeitnutzung sei weiter uneingeschränkt möglich. So soll der Wald am Mittelrhein nicht nur das Mikroklima verbessern und Kohlenstoff binden, sondern auch die Sensibilität der Bevölkerung für den Schutz der Wälder erhöhen.

Nur noch jeder fünfte Baum in Deutschland gilt nach dem neuesten Waldzustandsbericht als gesund. Einen Kranken schicke man auch nicht zum Leistungssport, sondern mit Kamillentee aufs Sofa, findet der studierte Arzt und Landschaftsökologe Schneider. „Unser Wald kann deshalb nicht mehr länger vorrangig Nutzfläche sein, die Holz ausspuckt“, erklärt er. Statt werbewirksam junge Bäume zu pflanzen, sei es am besten, dem Wald Gelegenheit zur Regeneration zu geben. „Dazu braucht er seine Ressourcen aber komplett selbst“, sagt Schneider. Totholz diene beispielsweise als Wasserspeicher und Lebensraum für Insekten. Die Hälfte des im Holz gebundenen Kohlenstoffs werde bei der Zersetzung wieder im Boden gebunden. Ganz anders als bei einer kurzfristigen Nutzung von Schadholz und anschließender thermischer Nutzung durch Verbrennen.

Tausende Hektar Wald sollen aus der Nutzung genommen werden

Mit seinen Angeboten schafft Woodify einen ökonomischen Wert für einen ökologischen Nutzen und übernimmt damit eine gesellschaftliche Aufgabe, den nach Ansicht der Betreiber eigentlich Bund, Länder und Kommunen übernehmen müssten. Stattdessen werden bei Schneider und seinen drei Mitgesellschaftern nach eigenen Angaben inzwischen Dutzende auch kommunale Waldbesitzer vorstellig, die tausende Hektar Wald gegen Gebühr aus der Nutzung nehmen wollen. Derzeit stehe man auf der anderen Seite mit rund 150 Unternehmen unterschiedlichster Größe in Kontakt, die sich in unterschiedlichen Konstellationen an Woodify-Projekten beteiligen möchten. Im Mai hat der erste hauptamtliche Mitarbeiter angefangen.

An der Telekom-Partnerschaft gefällt Schneider nicht nur die Kollaboration zweier Bonner Unternehmen, sondern auch die Verknüpfung mit einem konkreten Produkt. Statt eines Werbegeschenks gibt es ein Stück deutschen Wald.

Für einen echten Urwald sind 30 Jahre Schutz natürlich zu wenig. Anselm Schneider ist aber überzeugt, dass auch nach 2052 die Waldflächen am Mittelrhein nicht gerodet werden. Er glaubt: „Unser Nutzungsmodell wird dann angesichts des sich rasant aufheizenden Weltklimas so attraktiv sein, dass kein Waldbesitzer mehr Bäume abholzt.“